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Asien

Wer sind die Sikhs?

Der Goldene Tempel in Amritsar ist das bekannteste Heiligtum der Sikhs und damit der jüngsten Weltreligion. Auf die Sikh-Gemeinde im US-Bundesstat Wisconsin wurde jetzt ein blutiger Anschlag verübt.

Was steckt hinter dem Attentat auf einen Sikh-Tempel im US-Bundesstaat Wisconsin am Sonntag (05.08.2012), bei dem sechs Menschen und der Todesschütze selbst starben? War es Hass auf Muslime, mit denen der Attentäter die Sikhs möglicherweise gleichgesetzt hat? Im Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sind die Sikhs in der Vergangenheit gehäuft zur Zielscheibe in den USA geworden. Tatsächlich ist wenig außerhalb Indiens über die Sikhs und ihren Glauben bekannt.

Sikhs in Indien

Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh(Foto: AP)

Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh ist der derzeit prominenteste Sikh

Die meisten Sikhs leben im indischen Bundesstaat Punjab. Sie machen etwa zwei Prozent der indischen Bevölkerung von derzeit etwa 1,2 Milliarden aus. In den 1980er Jahren forderten Fundamentalisten unter ihnen eine Abspaltung des wohlhabenden Punjabs vom Rest Indiens. Die damalige Premierministerin Indira Gandhi ließ den Goldenen Tempel in Amritsar, den heiligsten Ort der Sikhs, stürmen. Am 31.10.1984 wurde sie von ihren Sikh-Leibwächtern ermordet. Blutige Pogrome waren die Folge.

Diaspora weit verstreut

In den USA leben bis zu 500.000 Sikhs. Die ersten von ihnen wanderten Ende des 19. Jahrhunderts auf der Suche nach Wohlstand in die USA aus. Sie arbeiteten zunächst vornehmlich in der Landwirtschaft, bekleiden inzwischen aber auch öffentliche Ämter. Der US-amerikanische Präsident Barack Obama betonte daher, als er den Opfern sein Beileid aussprach: "An einem Tag, an dem wir über einen solch tragischen Verlust noch dazu in einem Gotteshaus sprechen, sollten wir uns daran erinnern, wie sehr unser Land durch die Sikhs bereichert wurde, die Teil unserer amerikanischen Familie sind."

Große Sikh-Gemeinden gibt es auch in Kanada und Großbritannien. In Deutschland leben Schätzungen zufolge zwischen 5.000 und 15.000 Sikhs.

Die Lehre

Darstellung des Religionsstifters Guru Nanak auf einem Gemälde des 20. Jahrhunderts. (Foto: Sikh-Museum, Amritsar)

Darstellung des Religionsstifters Guru Nanak auf einem Gemälde des 20. Jahrhunderts.

Vereinfacht gesagt ist ihr Glaube eine Mischung aus Hinduismus und Islam. Der Sikhismus ist eine monotheistische Religion. Religionsstifter ist Guru Nanak (1469-1539). Er wurde als Nanak Dev im heutigen Pakistan geboren, in Nankana Sahib ungefähr 40 Kilometer von Lahore entfernt. Guru ist eine Respektsbezeichnung und bedeutet Lehrer. Der Legende nach soll der in eine gläubige Familie von Hindus geborene Guru Nanak beim morgendlichen Bad im Jahr 1499 eine Vision gehabt haben. Der damals 30-Jährige verschenkte daraufhin all sein Hab und Gut und zog als Wanderprediger über das Land, um seinen Glauben an einen einzigen Gott zu verbreiten. Guru Nanak schwor dem Kastenwesen ab und machte die Religion so auch für Angehörige niedriger Kasten attraktiv.

Die im Sikhismus verankerte Gleichheit zwischen den Menschen zeigt sich auch daran, dass Männer und Frauen die gleichen Vornamen tragen. Nur am Nachnamen - Singh (Löwe) für Männer und Kaur (Prinzessin) für Frauen - ist das Geschlecht erkennbar.

Die Lehren Guru Nanaks und der auf ihn folgenden neun weiteren Gurus sind im "Guru Granth Sahib", dem heiligen Buch der Sikhs, festgehalten. Der Tempel der Sikhs wird Gurudwara genannt, wörtlich übersetzt "Tor zum Guru". Jeder, egal welcher Religion oder Kultur, kann zwei Mal am Tag am gemeinsamen Essen im Tempel, Langar genannt, teilnehmen. Vor allem sonntags, dem Tag des Attentats in Wisconsin, ist der Gurdwara daher Treffpunkt für alle Gläubigen.

Religiöse Symbole

Fünf religiöse Symbole am Erscheinungsbild weisen einen Sikh aus. Kes, das ungeschnittene Haar, das Männer unter einem Turban tragen, soll den Respekt vor der Schöpfung verdeutlichen. Dazu gibt es den Holzkamm, Kangha. Der spezielle Dolch, Kirpan, ist ein Zeichen dafür, das gläubige Sikhs Arme und Schwache verteidigen. Der Kara, ein simpler metallener Armreif, steht für die Gemeinschaft. Eine spezielle Kniehose, Kaccha oder Kachera, stellt die sexuelle Mäßigung dar.

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