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Afrika

Wer schützt das Kulturerbe Malis?

Islamisten zerstören in Timbuktu bedeutende Kulturdenkmäler, die unter dem Schutz der UNESCO stehen. Das Entsetzen darüber ist groß. Doch wie können die historischen Gebäude geschützt werden?

Zerstörung von Weltkulturerbestätten in Timbuktu, Mali (ASTR/AFP/GettyImages)

Zerstörung von Weltkulturerbestätten in Timbuktu, Mali

Angesichts der Zerstörung von historischen Gebäuden durch islamistische Rebellen in Timbuktu im Norden Malis werden die Rufe nach einer internationalen Eingreiftruppe lauter. Nach Angaben der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS stehen 3300 Soldaten bereit, die in Mali einmarschieren könnten. Der französische Außenminister Laurent Fabius erklärte zuletzt, er sei zuversichtlich, dass der UN-Sicherheitsrat dieses Vorhaben bald mit einer Resolution autorisieren werde.

DW-Grafik: Peter Steinmetz

Die Regierung in Bamako kontrolliert nur den Süden Malis

ECOWAS will sich jedoch zunächst dafür einsetzen, dass in Bamako eine Regierung der nationalen Einheit dem Land wieder Stabilität verleiht. Man werde die Anstrengungen verdoppeln, dies zu erreichen, sagte Burkina Fasos Außenminister Djibril Bassolé nach einem Treffen mit dem Sahel-Beauftragten Frankreichs, Jean Félix-Paganon. Die Regierung Burkina Fasos wurde von ECOWAS als Vermittlerin im Mali-Konflikt benannt. Félix-Paganon erklärte, dass dabei möglichst alle politischen Kräfte des Landes beteiligt werden sollten.

Keine nationale Einheit in Sicht

Derzeit wird Mali von einer Übergangsregierung um Cheick Modibo Diarra geführt. Doch diese kontrolliert nur den Süden des Landes. Gemeinsam mit Kämpfern des Tuareg-Volks haben islamistische Gruppen seit April zwei Drittel Malis unter ihre Kontrolle gebracht. Ziel der Tuareg ist ein eigener Staat im Norden. Kämpfer der Ansar Dine, einer Gruppe, die der Al-Kaida nahesteht, streben jedoch die Herrschaft im gesamten Land an. Sie wollen ihre strenge Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia, in ganz Mali durchsetzen. Deshalb kämpfen mittlerweile auch Tuareg-Gruppen und islamistische Rebellen gegeneinander. In Gao, ebenfalls im Norden Malis gelegen, haben Truppen der Ansar Dine Landminen verlegt. Sie sollen verhindern, dass die Tuareg-Rebellen die Stadt zurückerobern.

Zerstörung von Weltkulturerbestätten in Timbuktu, Mali (ASTR/AFP/GettyImages)

Mit Spitzhacken und Schaufeln zerstörten die Islamisten historische Bauten

In den Augen der Islamisten der Ansar Dine widerspricht die Heiligenverehrung, die seit Jahrhunderten in Mali praktiziert wird, dem Monotheismus des Islam, in dem nur Gott allein Ehre und Anbetung gebühre. Kämpfer der Ansar Dine haben in Timbuktu seit Ende Juni mehrere Heiligengräber und Moscheen eingerissen, in denen islamische Gelehrte verehrt werden. Diese historischen Gebäude standen als Weltkulturerbe der Menschheit unter dem besonderen Schutz der UNESCO.

Seit April kontrolliert die Islamistengruppe Timbuktu. Ansar Dine hat angekündigt, alle 16 wichtigen Heiligengräber der Stadt dem Erdboden gleichzumachen.

Eine Tragödie für die Menschheit

Die UN-Kulturorganisation UNESCO fordert ein sofortiges Ende der Zerstörung von Mausoleen und Moscheen. In einer Erklärung nannte sie das Vorgehen islamistischer Rebellen im Norden Malis "verabscheuungswürdig".

Die Generaldirektorin der UNESCO, Irina Bokova, wies in St. Petersburg darauf hin, dass die Weltkulturorganisation nur dazu aufrufen könne, die Zerstörung zu beenden. Man sei aber auch dabei, politische und religiöse Führer weltweit zu mobilisieren, um "diese Tragödie für die gesamte Menschheit zu stoppen", so Bokova weiter.

Die UNESCO kündigte außerdem an, "so bald wie möglich" eine Delegation nach Timbuktu zu senden, um die Schäden an den historischen Bauten zu begutachten. Seit 1988 zählt Timbuktu zum Weltkulturerbe. Die Stadt am Rande der Sahara, etwa 1000 Kilometer nördlich von Malis Hauptstadt Bamako, wird auch "Perle der Wüste" genannt. Sie galt lange als eine der Haupt-Touristenattraktionen Westafrikas.

Die Sankore-Moschee aus dem 16. Jahrhundert in Timbuktu (Jordi Cami/Cover/Getty Images)

Die Sankore-Moschee aus dem 16. Jahrhundert

Neben drei großen Moscheen gehören 16 Friedhöfe und Mausoleen zum Weltkulturerbe in Timbuktu. Die UNESCO verleiht diesen Titel an Stätten, die aus historischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Gründen für die gesamte Menschheit von Bedeutung sind. Nun will die UN-Kulturorganisation zudem einen Unterstützungsfond für Mali einrichten. Er soll dem Land helfen, die Welterbestätten zu schützen.

Warten auf eine Eingreiftruppe

Von außen etwas für die Kulturstätten in Timbuktu zu tun, sei derzeit sehr schwierig, erklärt Inge Herbert von der African World Heritage Foundation im Gespräch mit der Deutschen Welle. Die Stiftung mit Sitz in Südafrika setzt sich für Weltkulturerbestätten auf dem ganzen Kontinent ein. Bis vor kurzem habe man noch mit dem Verwalter der Mausoleen und Moscheen in Timbuktu in Kontakt gestanden, doch auch er habe mittlerweile in die Hauptstadt Bamako fliehen müssen, erklärt Herbert. Als gutes Zeichen wertet sie, dass einige der Einwohner Timbuktus, insbesondere die so genannten Ältesten der Stadt, versucht hätten, die Mausoleen und Moscheen zu schützen. "Das zeigt, dass die örtliche Bevölkerung den Wert dieser Gebäude erkennt“, so Herbert.

Es brauche nun vor allen Dingen Geduld, sagt Hadji Garda. Er lebt in Timbuktu, wo er für eine Nichtregierungsorganisation tätig ist. Derzeit versuchten die Bewohner Timbuktus, sich von den Islamisten der Ansar Dine nicht provozieren zu lassen, erklärt er im Gespräch mit der DW. Die malische Armee sei nicht in der Lage, die Stadt wieder zu befreien. Deshalb hoffe er auf eine internationale Eingreiftruppe mit Truppen der ECOWAS.

Kulturzerstörung als Kriegsverbrechen

Eine klare Warnung an die Islamisten kam Anfang Juli aus Den Haag. Von dort ließ Fatou Bensouda, neue Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), wissen: Die Taten der Ansar Dine in Timbuktu könnten von ihrer Behörde geahndet werden. Die Zerstörung ziviler Gebäude, einschließlich historischer Denkmäler und religiöser Stätten werde vom Statut über den Internationalen Strafgerichtshofs als Kriegsverbrechen eingestuft und könne deshalb als solches von ihr verfolgt werden. Auch Mali hat dieses Statut unterzeichnet.

Kämpfer der Ansar Dine (REUTERS/Adama Diarra)

Kämpfer der Ansar Dine

Für Alassane Diarra, Journalist bei der Zeitung Indépendant in Malis Hauptstadt Bamako, kommt diese Warnung allerdings zu spät. "Die Grabmale sind für Pilger wichtig und in Mali und auf der ganzen Welt interessiert man sich dafür, das ist klar", so Diarra gegenüber der DW. Es sei jedoch enttäuschend, dass die internationale Gemeinschaft sich erst jetzt zu Wort melde. Schließlich seien in Timbuktu in den vergangenen Monaten Zivilisten ermordet und sogar Schüler umgebracht worden. "Man hätte sich besser um die Lebenden kümmern sollen, als um diejenigen, die schon lange tot sind," so Diarra.

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