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Wer nichts wird, wird Wirt?

Ob als Gastwirt, Landwirt oder Volkswirt: einfach ist das Leben als Wirt in keinem Fall. Da kann er noch so ökonomisch handeln. Aber muss jemand redensartlich wirklich nichts können, um Wirt zu werden?

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Wer nichts wird, wird Wirt?

„Wer nichts wird, wird Wirt. Wer gar nichts wird, wird Gast und fällt dem Wirt zur Last. Und wem beides nicht gelungen, der macht in Versicherungen.“ Der Volksmund ist voller Spott, wenn es darum geht, die Unfähigkeit von jemandem zu beschreiben, der eine Wirtschaft betreibt. Das kann ein Restaurant, eine Kneipe oder eine Imbissbude sein.

Ein Wirt muss wirtschaften können

Woran das liegt, ist nicht ganz klar, vielleicht daran, dass in Deutschland der Beruf des Wirts – also des Betreibers einer Gastwirtschaft – keine Ausbildung verlangt. Mit einem kleinen Kurs, der scherzhaft auch als „Frikadellen-Kurs“ bezeichnet wird, bekommt jeder eine Erlaubnis, eine Konzession, zur Eröffnung eines Bewirtungsbetriebes.

Bierglas auf einem Bierdeckel (picture alliance/dpa/F.May)

Hier wird Umsatz mit trinkfreudigen Gästen gemacht

Wirt werden ist also einfach, doch Wirt bleiben schwer. Denn ein Wirt beziehungsweise eine Wirtin muss „wirtschaften“ können, er oder sie muss Waren einkaufen, Preise kalkulieren, Gewinn machen, Personal beschäftigen, Verträge einhalten und Gäste anlocken, die auch noch für das, was angeboten wird, bezahlen.

Was haben Wirt und Wirtschaft miteinander zu tun?

Doch was ist eigentlich Wirtschaft? Wirtschaft ist – so die Definition – die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die zur planvollen Befriedigung der Bedürfnisse dienen. Wirtschaft gibt es im Kleinen wie im Großen. .

Münzen und Scheine liegen vor einem Portemonnaie (picture alliance/ dpa/ Schönberger)

Ob man im Kleinen oder Großen wirtschaftet: Die Kasse muss stimmen

Das beginnt bei der „Hauswirtschaft“, die sich mit Fragen beschäftigt wie: Wie viele Lebensmittel muss ich kaufen, damit die Mitglieder eines Haushalts genug zu essen bekommen? Wie viel Geld steht mir dafür zur Verfügung, welche Arbeiten müssen erledigt werden?

Eine Hauswirtschaft kann dabei ein kleiner Haushalt sein, etwa eine Familie, aber auch eine größere Einheit zum Beispiel ein Kindergarten oder ein Pflegeheim. Wer hier arbeitet, ist „Hauswirtschafter“ oder „Hauswirtschafterin“; das zur Verfügung stehende Geld heißt „Haushaltsgeld“ oder „Wirtschaftsgeld“. Ein „Hauswirt“ beziehungsweise eine „Hauswirtin“ hat damit allerdings nichts zu tun. Er beziehungsweise sie vermietet Wohnungen und wird manchmal auch kurz als „Wirt“ bezeichnet. Auch ein Hotelbetreiber ist ein Wirt.

Ökonomisch wirtschaften

Symbolbild Bilanz (picture alliance/dpa/Chromorange)

Wirtschaftsbilanzen sind oft nur schwer durchschaubar

Das entspricht auch der Wortherkunft: „werdum“ heißt es im Althochdeutschen, also „Hausherr“, „Gastfreund“. Synonym sind die Begriffe „Wirtschaft“ und „Ökonomie“, auch wenn ihre Herkunft ein wenig in der Bedeutung abweicht. „Ökonomie“, ein Wort aus dem Altgriechischen, setzt sich zusammen aus „oikos“, Haus, Haushalt, und „nomos“, Gesetz, Brauch.

„Wirtschaft“ war von der etymologischen Bedeutung her das, was mit der Tätigkeit als Wirt zu tun hat. „Ökonomie“ kann also als Weiterentwicklung von „Wirtschaft“ betrachtet werden. Das Adjektiv „ökonomisch“ hat zudem noch die Bedeutung „sparsam“ bekommen.

Zwischen Landwirtschaft und Weltwirtschaft

Formen der Wirtschaft gibt es viele. Die Landwirtschaft etwa, in der es um Ackerbau und Viehzucht geht. Es gibt sie in Klein, beim Nebenerwerbslandwirt, oder in Groß beim agrarwirtschaftlichen Großbetrieb. Die Landwirte, die dort arbeiten, hätte man früher wohl schlicht als „Bauern“ bezeichnet. Der Begriff „Agrarökonom“ hat sich allerdings bis heute nicht durchgesetzt.

Ein Bauer pflügt mit dem Trecker ein Feld picture-alliance/dpa/D. Bockwoldt)

Im Volksmund heißt der Landwirt immer noch Bauer

Auf der Skala in immer größere Dimensionen geht es mit dem „Betriebswirt“, der Prozesse in einem Unternehmen steuert, dem „Volkswirt“, der versucht zu verstehen, wie ganze Staaten wirtschaften und schließlich dem „Weltwirt“.

Nein, den gibt es nicht! Aber die „Weltwirtschaft“ gibt es, also die globalen Beziehungen zwischen verschiedenen Staaten der Erde bei Waren, Arbeit, Produktion, Konsum und Geld.

Schlechter Ruf und Bedrohliches

Ein Wirt ist jemand, der plant, vorausschaut und einteilt. Doch genau das funktioniert bei der Wirtschaft im großen Stil nicht. Selten haben es Wirtschaftswissenschaftler geschafft, die wirtschaftliche, die ökonomische, Entwicklung vorauszusehen. Deshalb hat das Wort „Wirtschaft“auch immer etwas Bedrohliches. Die Wirtschaft führt sozusagen ein Eigenleben. Wann die nächste Weltwirtschaftskrise kommt, weiß niemand im Voraus.

Dann gibt es noch die „Misswirtschaft“, also falsches Wirtschaften, oder die „Vetternwirtschaft“, die Begünstigung von Freunden und Verwandten. Einen negativen Beiklang haben auch das umgangssprachliche Verb „herumwirtschaften“ für schlechtes Wirtschaften oder der Ausruf: „Was ist denn das für eine Wirtschaft hier?“ Kein Wunder also, dass der Wirt als solcher einen schlechten Ruf hat, auch wenn er seinen Job ordentlich macht.

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