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Kultur

Wer liebt, der spinnt

Oft wird sie gefordert, doch kaum einer beherrscht sie: Die Kunst der öffentlichen Rede. Den größten Rednern der Antike widmet der lateinbegeisterte Sprachwissenschaftler Wilfried Stroh sein jüngstes Buch.

Altphilologe Wilfried Stroh am Dienstag (01.04.2008) im Münchner Museum für Abgüsse klassischer Bildwerke die Veranstaltung Latein zum Anfassen des Arbeitskreises Humanistisches Gymnasium. Vor dem Übertritt ins Gymnasium will man Schüler für Latein als erste Fremdsprache begeistern. Foto: Frank Mächler +++(c) dpa - Report+++

Altphilologe Wilfried Stroh spricht über "Latein zum Anfassen"

"Der Redner draußen muss als ein vertrauenswürdiger Mann erscheinen", sagt Wilfried Stroh und fügt hinzu "Charisma ist das allerwichtigste." Dann stimmt der kauzige Gelehrte in seiner schlichten grauen Trachten-Joppe lateinische Lieder an, so wie er es stets mit seinen Studenten tut. Die Kostproben seiner Interpretationskunst sind überzeugend. Auch Wilfried Stroh hat Charisma und strahlt reichlich Energie aus.

Jede Vorlesung ein Ereignis

Mit einem Weihegebet eröffnet der Altphilologe Professor Wilfried Stroh am Dienstag (01.04.2008) im Münchner Museum für Abgüsse klassischer Bildwerke die Veranstaltung Latein zum Anfassen des Arbeitskreises Humanistisches Gymnasium. Vor dem Übertritt ins Gymnasium will man Schüler für Latein als erste Fremdsprache begeistern. Foto: Frank Mächler +++(c) dpa - Report+++

Damit das gesprochene Wort besser ankommt, kleidet sich der Professor auch gern mal historisch


Der Sprachgelehrte mag auf Außenstehende ein wenig verschroben wirken, hat er sich doch selbst den lateinischen Namen "Valahfridus" gegeben. Und die Ansage auf seinem Anrufbeantworter lautet auch nicht: "Sprechen Sie nach dem Pfeifton", sondern "Loquere post tinnitum", was das Gleiche bedeutet. Wilfried Stroh ist gebürtiger Schwabe und einer der leidenschaftlichsten Altphilologen der Republik, der als Münchner Professor keine Evaluation, keine bewertende Überprüfung, zu fürchten brauchte. Denn bei ihm war jede Vorlesung ein eventum , ein Ereignis.

Selbstironisch beschreibt Wilfried Stroh sein Credo mit amantes amentes – wer liebt, der spinnt, ergänzt aber gleich, das es ihm natürlich sehr ernst ist mit dieser Liebe. Vielleicht kann er deshalb so brillant über eine Sprache schreiben, dass sein Buch "Latein ist tot, es lebe Latein!" zum Bestseller wurde. Für ihn liegen die Vorteile der alten Sprache auf der Hand: "Wenn einer Latein in der Schule lernt, dann ist ihm ein Kosmos von Dingen erschlossen, aus der Mythologie, aus der Religion und so weiter, etwas, das ihm keine andere Sprache geben kann." Und er betont, wer Latein gelernt habe, dem fielen nachher alle anderen Sprachen leichter.

Redekunst nützt allen

Cover Wilfried Stroh-Die Macht der Rede

Mit seinem neuen Buch "Die Macht der Rede" will Wilfried Stroh der vernachlässigten Rhetorik wieder zu ihrem Recht verhelfen. Die Redekunst sollte seiner Meinung nach heute nicht nur in speziellen Seminaren für Kirchen und Gewerkschaften gelehrt werden, sondern in unseren allgemeinen Bildungseinrichtungen, also in Schulen und Universitäten.

Strohs großer Held ist der "orator perfectus" der römischen Republik, der Meister der der herzbewegenden Rede, Marcus Tullius Cicero. Der hatte immer wieder betont, Redner müssten eine gute Stimmung schaffen. Eine gute Rede sollte eine perpetua festivitas besitzen, eine durchgängige Heiterkeit." Diese durchgängige Heiterkeit kennzeichnet auch Strohs Bücher, die allgemein verständlich und ausgesprochen unterhaltsam geschrieben sind. Im jüngsten Buch zieht er den Vergleich vom Redner und Anwalt Cicero im alten Rom zu einem anderen gelernten Anwalt im sogenannten "neuen Rom" Washington: zu Barack Obama und dessen Redekunst.

Das Gefühl zählt

Mit einem Weihegebet eröffnet der Altphilologe Professor Wilfried Stroh am Dienstag (01.04.2008) im Münchner Museum für Abgüsse klassischer Bildwerke die Veranstaltung Latein zum Anfassen des Arbeitskreises Humanistisches Gymnasium. Vor dem Übertritt ins Gymnasium will man Schüler für Latein als erste Fremdsprache begeistern. Foto: Frank Mächler +++(c) dpa - Report+++

Redner mit Charisma

"Ich muss das Gefühl haben, das ist ein zuverlässiger, guter, edler Mann und das macht der Barack Obama wunderbar. Auch die alten amerikanischen Präsidenten haben Cicero studiert, Jefferson und Washington zum beispiel, die kannten sehr gut die antike Rede und haben sich an ihr gebildet." Wilfried Stroh ist froh, dass sich allmählich an deutschen Gymnasien und Universitäten wieder ein Interesse an der Rhetorik regt. "Debating Societies" wie in Großbritannien und den Vereinigten Staaten gründen sich und es werden sogar deutsche Meisterschaften im Debattieren ausgetragen. Wilfried Stroh blickt deshalb voller Hoffnung auf die Jugend: "Da tut sich was."

Autor: Knut Cordsen / Günther Birkenstock
Redaktion: Elena Singer

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