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Deutschlehrer-Info

Wer kennt „Smombie“?

Jedes Jahr lässt ein großer deutscher Verlag werbewirksam das „Jugendwort des Jahres“ wählen. Und jedes Jahr gibt es Diskussionen darüber, ob Jugendliche wirklich so sprechen. Dieses Mal sind die Zweifel besonders groß.

„Smombie“ – für eine vom deutschen Langenscheidt-Verlag zusammengestellte Jury ist dieser Ausdruck das „Jugendwort des Jahres“ 2015. Das Wort ist eine Kombination aus Smartphone und Zombie und soll eine Person beschreiben, die nur noch auf ihr Smartphone starrt und nichts mehr um sich herum wahrnimmt. Die Jurorin Ilknur Braun begründet die Wahl: „Es beschreibt punktgenau die heutige Selbstverständlichkeit vieler Menschen im Umgang mit dem Smartphone.“ „Smombie“ ist damit Nachfolger des Ausdrucks „Läuft bei dir“, dessen Wahl 2014 noch wegen seiner Authentizität gelobt wurde. Bei der diesjährigen Wahl überwiegt jedoch die Skepsis.

„Das Wort hat vielleicht eine gewisse Symbolwirkung, scheint mir aber nicht weit verbreitet zu sein“, meint zum Beispiel der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache Peter Schlobinski. Dass Erwachsene mit Wörtern aus der Jugendsprache nichts anfangen können, ist erst mal nichts Besonderes. Schließlich ist es eines der Kennzeichen von Jugendsprache, sich mit einem eigenen Code von der Erwachsenenwelt abzusetzen.

Diesmal allerdings kennen offenbar auch viele Jugendliche das Wort nicht: „Smombie? Nie gehört!“, meint etwa der 18-jährige Friedrich Roderfeld, Mitglied der Bundesschülerkonferenz. Und selbst Mitglieder der Jury wie Roman Lochmann geben zu, dass ihnen der Ausdruck fremd war: „Ich habe noch nie in meinem Leben davor das Wort gehört“, sagt der 16-Jährige, der zusammen mit seinem Zwillingsbruder Heiko als „Die Lochis“ eine große Youtube-Fangemeinde hat.

Der Sprachwissenschaftler Schlobinski hält von der ganzen Aktion des Verlags, die es seit 2008 gibt, nicht viel – „außer dass sie eine extrem gelungene Marketing-Aktion ist, zu der man Langenscheidt nur gratulieren kann.“ Er habe regelmäßig seine Studenten an der Universität Hannover gefragt, ob sie das jeweilige Wort schon einmal gehört hatten. Das Ergebnis: „80 oder 90 Prozent hatten das Wort nicht im Sprachgebrauch, die meisten kannten es nicht einmal.“ Schlobinskis Einschätzung ist deutlich: „Diese Aktion zeichnet aus, dass sie mit der Sprache von Jugendlichen nichts zu tun hat.“

Aber vielleicht ist das auch besser so, denn spätestens wenn jugendsprachliche Ausdrücke bekannter werden und in den allgemeinen Sprachgebrauch übergehen, verlieren sie für Jugendliche ihren Reiz.

ip/sts (dpa)

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