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Politik

Wer ist schon gern Diktator?

Viel Zeit, noch mehr Geld - der geschasste Premier Thailands Thaksin Shinawatra mausert sich zum Jetsetter. Doch Ausfälle in Singapur beweisen, dass der Mann von gefährlichen Spielchen nicht lassen kann.

Symbolbild Fernschreiber

Langweilig war ihm nicht in den letzten Monaten. Dafür jettet er zu viel, zu gern. Immer schon sah er sich als Mann von Welt. Da hatte es wie die Faust aufs Auge gepasst, dass der frühere Premier Thailands, Thaksin Shinawatra, in New York bei der UNO weilte, als ihn das Militär politisch entsorgte.

Schon tags darauf flog Thaksin nach London, um sich in seinem Luxus-Appartment zu verkriechen. Seitdem gibt sich der Weltbürger gelassen und jettete nach Peking, Schanghai und Bali. Einen Zwischenstop in Thailand einzulegen hatte er sich schlauerweise nicht erlaubt. So weit reichte seine Vernunft. Einmal in Bangkok gelandet, hätte ihn seine ehemaligen Untertanen wohl gebürend empfangen. Da wäre selbst ein Lynchmob möglich.

Kleine Stolpersteine

Auch kleine Stolpersteine seitens der Militärjunta, die in Thailand regiert, setzen Thaksin nicht zu. Seit ihm am 10. Januar der Diplomatenstatus entzogen wurde, reist er einfach als Privatmann über die Welt. Und immerzu beteuert er, dass dies auch das Wesen der Reisen reflektiere; immerhin handle es sich nicht um offizielle Staatsbesuche, sondern Privatausflüge. Er treffe sich nicht mit Staatsmännern, sondern Geschäftsfreunden.

Dies betonte selbst der chinesische Premier Wen Jiabao, als Thaksin in Peking weilte. Ersterem war es schon fast peinlich, dass der gestürzte Regierungschef Thailands die chinesische Hauptstadt besuchte.

Singapurs Kaltschnäuzigkeit

Andere Politiker sind da kaltschnäuziger. In Singapur gewährte ihm der stellvertretende Premier S. Jayakumar eine Audienz. Beflügelt von dieser Geste konnte Thaksin sich nicht zurückhalten und nutzte die Chance: Er gab sich seiner Mediensucht hin und gab dem "Asian Wall Street Journal" und CNN Interviews. Da nutzte es auch nichts, dass er schwor, nie wieder in die thailändische Politik einsteigen zu wollen, nur noch Privatbürger sein zu wollen. Ein Bürger Thailands, wohlgemerkt; es sei "an der Zeit zurückzukehren".

Die Junta in Bangkok blockierte den Nachrichtensender, als dieser das Interview mit dem Geschassten ausstrahlte. Und rügte daraufhin Singapur: Weder das Treffen auf solch hoher Ebene noch Thaksins Zugang zu internationalen Medien seien unredlich gewesen. Dies hatten thailändische Diplomaten Singapur zuvor mehrmals deutlich gemacht. Da Singapur nicht spuren wollte, setzte es milde Hiebe: ein Staatsbesuch und ein Beamtenaustauschprogramm wurden abgesagt.

Thaksins Fühler

Dass die Junta in Bangkok Thaksin kontrollieren will, ist verständlich. Daher wurde auch Japan gewarnt, noch bevor Thaksin dort Ende vergangener Woche ankam. Man solle Thaksin doch bitte an einer kurzen Leine halten. Noch am Flughafen sagte dieser beinahe entwaffnend, dass er nur zum Vergnügen nach Tokio geflogen sei.

Nur dass ihm das in Thailand fast niemand abnimmt. Viele Thais wissen nur zu genau um Thaksins Profilierungssucht. Laut einer Umfrage gehen die meisten Thais davon aus, dass der Besuch in Singapur einzig und allein einer Bewährungsprobe galt - Thaksin streckte seine Fühler aus, Richtung Rückkehr nach Thailand.

Dieser steht die thailändische Militärregierung auch nicht im Wege, vorausgesetzt, Thaksin kehrt als Privatmann zurück und bleibt es auch. Und natürlich muss er sich der Korruptionskommission stellen. Ihm wird einiges vorgeworfen, darunter Bestechungen, vorteilhafte Landerwerbungen und Einschüchterungen.

Wie weit sich Thaksin von der Realität - und damit einer Rückkehr nach Thailand - entfernt, beweist er selbst. Trotzig reagierte er im in Thailand gebannten CNN-Interview auf die Anschuldigungen. Niemals habe er gegen irgendwelche Gesetze verstoßen. Es seien alles unbegründete Unterstellungen, ausfabuliert von seinen Gegnern. Und schloss mit der seligen Aussage von so vielen Unterdrückern: "Ich bin kein Diktator."