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Kultur

Wer ist denn nun der Star?

Seit Freitag (20.2.2004) ist es also wirklich in Berlin - das MoMA, wie das New Yorker Museum of Modern Art zärtlich genannt wird. Die Veranstalter glauben die Ausstellung des Jahres präsentieren zu können.

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Lange angekündigt - nun ist das MoMa da

"Der Star kommt", heißt es schon seit Monaten auf flächendeckend gehängten Plakaten in ganz Berlin in Goldlettern auf poppig pinkem Untergrund. Und jetzt, wo der Star dann endlich da ist, wird er gleich Anlass eines koketten Disputes "Das MoMA ist der Star", sagt Peter Klaus Schuster, Direktor der Neuen Nationalgalerie, bei der offiziellen Präsentation der Schau. Nein, nein, sagt sein Gegenpart, MoMA-Chef Glenn L. Lowry. "Das MoMA ist nicht der Star, die Kunst ist der Star".

Jedenfalls hat der Star geschafft, was einen richtigen Star ausmacht: er sorgt für Aufruhr - was der Kunst in Berlin zuletzt mit der Verhüllung des Reichstags 1995 gelang. Das "MoMA in Berlin" schafft es aber zum Tagesgespräch und über 500 Journalisten bereiteten dem Star dann auch einen gebührenden Empfang.

Panoptikum der kanonisierten Moderne

Über 200 Meisterwerke aus dem New Yorker Kunsttempel sind nun sieben Monate in der Neuen Nationalgalerie zu sehen - ein Panoptikum der längst kanonisierten Stars der modernen Kunst von Monet, Van Gogh und Cézanne über Beckmann, Picasso, Hopper, und Pollock zu Liechtenstein, Richter, Newman und Stella. Über den Versicherungswert lohnt es sich nicht einmal zu spekulieren. Er dürfte sich im Milliardenbereich bewegen.

MoMa Neue Nationalgalerie 2 Mies 2

Schon alleine daher kann die Ausstellung als Sensation gelten, obwohl natürlich nur ein kleiner Teil der überwältigenden Sammlung des MoMA zu sehen ist. Berlin profitiert davon, dass der Star geliftet wird: Das MoMA hat einen Umbau vor sich und die Kunst muss so lange natürlich ausgelagert werden.

"Eigentlich dachten wir an eine Tournee durch mehrere Städte Europas", sagt MoMA-Chef Lowry - bis er sich an einem sommerlichen Abend in Berlin bei Speis und Trank mit dem Kunstliebhaber Peter Raue traf. Der ist Vorsitzender des einflussreichen Museumsclubs "Freunde der Neuen Nationalgalerie" und nach eigener Einschätzung ein "bisschen Kunst-Verrückt".

"MoMA bei Mies"

Von seiner spontanen Idee, das MoMA einfach für sieben Monate nach Berlin zu verlegen, war Lowry zunächst nicht begeistert, wie er heute nicht verhehlt. Doch als renommierter Medienanwalt kann Raue schon von Berufs wegen überzeugen. Er schaffte dies bei Sponsoren, Fürsprechern wie Kulturstaatsministerin Christine Weiss und den Außenministern Joschka Fischer und Colin Powell - und schließlich auch die Verantwortlichen des MoMA.

Vor allem auch, weil es die Berliner schafften der Idee auch Charme einzuimpfen. Schließlich konnte man mit der Neuen Natioanlgalerie etwas bieten, was sich das MoMA schon immer gewünscht hatte: Einen Bau von Mies van der Rohe.

MoMA-Direktor Barr hatte in den 1930er-Jahren den Bauhaus-Architekten vergeblich für den Gründungsbau zu gewinnen versucht. Van der Rohe wurde von den Nazis aus Berlin vertrieben und schuf dann unter anderem in New York epochale Werke moderner Architektur. "MoMA bei Mies" könnte die Ausstellung demnach auch heißen, meint Schuster. Mies van der Rohe ist dann auch so etwas wie der dritte Star des Projektes.

"Rückkeher der Moderne"

700.000 Besucher benötigt die Ausstellung nun, um die Kosten von 8,5 Millionen Euro wieder einzuspielen. Raue ist optimistisch. "Wir haben so viele Anfragen aus ganz Europa wie noch nie zuvor. Vielleicht können wir dazu beitragen, das Berlin in diesem Sommer die aufregenste Kulturmetropole Europas wird."

Der Direktor der Nationalgalerie geht sogar noch einen Schritt weiter. Er spricht von der Erfüllung der "absoluten Sehnsucht" nach der "Rückkehr der Moderne" in die Stadt, von der aus die Moderne als "entartet" verbannt worden wäre - am besten für 1000 Jahre. Man sehe laut Schuster in der Schau schließlich das, "was Berlin hätte sein können - ohne Hitler."

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