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Asien

Wer ist Chen Guangcheng?

Der Menschenrechtsaktivist ist blind – aber beileibe nicht hilflos. Und er hat einflussreiche Freunde. Am Mittwoch hat er die US-Botschaft in Peking verlassen.

Selbst als er scheinbar in der US-Botschaft in Peking in Sicherheit war, setzten die chinesischen Behörden den Bürgerrechtler Chen Guangcheng offenbar noch unter Druck. Zumindest lässt dies eine Aussage Chens gegenüber der Nachrichtenagentur AP vermuten: US-Beamte hätten im mitgeteilt, die chinesischen Behörden drohten seine Frau totzuschlagen, sollte er in der Botschaft bleiben. Das US-Außenministerium bestreitet dies. Chen sagte, er wolle China verlassen, da er um sein Leben fürchte. Die Zusicherungen der chinesischen Regierung der 40-Jährige werde in einer "sicheren Umgebung" Jura studieren können, haben einen faden Beigeschmack.

Im Selbststudium Jurist

Metallskulptur mit Ehepaar und einem Kind(Foto: AP)

Gegen unmenschliche Methoden der Ein-Kind-Politik - anders als in diesem Beispiel - erhob Chen Guangcheng die Stimme.

Als Kind hatte Chen Guangcheng sein Augenlicht verloren. Mit eisernem Willen brachte Chen sich dennoch in den 1990er Jahren im Selbststudium Jura bei. Dieses Wissen setzte er gegen die besonders brutale Umsetzung der staatlichen Ein-Kind-Politik in seiner Heimatprovinz Shandong ein. Chen warf den lokalen Behörden in Shandong vor, in über 7.000 Fällen Frauen zur Sterilisation gezwungen oder Abtreibungen bei weit fortgeschrittenen Schwangerschaften durchgesetzt zu haben. Damit wurde gegen chinesisches Recht verstoßen.

2006 führte das amerikanische Magazin "Time" ihn deshalb unter den 100 einflussreichsten Menschen auf. Da stand Chen bereits unter Hausarrest. Im August 2006 wurde Chen dann zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt - wegen angeblicher Verkehrsbehinderung. Im Gefängnis war Chen nach Angaben seiner Frau schweren Misshandlungen ausgesetzt. Er soll sogar in den Hungerstreik getreten sein.

80 Bewacher für einen blinden Aktivisten

Im September 2010 wurde der Menschenrechtsaktivist aus der Haft entlassen. Aber frei war er noch lange nicht. Rund um Chens Haus wurden Überwachungskameras installiert. Sein Heimatdorf wurde in einen Hochsicherheitstrakt verwandelt. Rund 80 Personen sollen für seine Überwachung zuständig gewesen sein. Geheimpolizei hinderte ihn am Verlassen seines Hauses, drangsalierte ihn, misshandelte seine Frau und seine Mutter. Im vergangenen Jahr war es Chen gelungen, ein Video über seine Überwachung an den Kontrollen vorbei schmuggeln zu lassen. Die Antwort der Behörden: Chen wurde krankenhausreif geschlagen.

Ende April war Chen in einer spektakulären Aktion die Flucht aus dem Hausarrest gelungen. Dort suchte er in der US-Botschaft Zuflucht. Das US-Außenministerium hatte den in der Vergangenheit immer wieder Partei für den Menschenrechtsaktivisten ergriffen. Zuletzt hatte US-Außenministerin Hillary Clinton im November Chen Guangcheng in einer Rede namentlich erwähnt - als Beispiel für das widerrechtliche Wegsperren von Dissidenten im Hausarrest.

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