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Politik

Wer ist Ajman Nur?

"Ich bin ein Agent, der sich für Ägypten einsetzt", sagt Ajman Nur von sich selbst. Der 40-Jährige Oppositionelle steht in Kairo vor Gericht. Ein Porträt.

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Ajman Nur: charismatischer Oppositionspolitiker

Dr. Ajman Abdel Aziz Atiya Nur ist eine schillernde Persönlichkeit und als ägyptischer Oppositionspolitiker weltweit bekannt. Derzeit läuft allerdings ein Gerichtsprozess gegen ihn: Nur wird Unterschriftenfälschung vorgeworfen. Heute (30.6.2005) geht die Verhandlung weiter. Der studierte Jurist und Rechtsanwalt dagegen wirft der Regierung vor, sie wolle nur seine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl im September verhindern.

Nur musste sich schon in der Vergangenheit gegen Angriffe verteidigen, er habe Urkunden gefälscht - einschließlich seines akademischen Titels. Der Hintergrund: Ajman Nur besitzt einen Doktorgrad, der ihm 1990 - nach vier Monaten Aufenthalt - von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Moskauer Universität verliehen wurde.

Undurchsichtige Stimmensammlung

Ajman Nur, geboren 1964, gilt als Ägyptens liberale Stimme. Für zwei Legislaturperioden saß er im Kairoer Parlament als Abgeordnete der Wafd-Partei. Dabei tat er sich besonders hervor durch seine Kritik der Sozial- und Wirtschaftspolitik der ägyptischen Regierung. 2004 verließ Nur die Wafd-Partei, um die Partei "Al-Ghad" zu gründen. Am 29. Januar 2005 wurde er verhaftet, nachdem seine Immunität aufgehoben worden war. Er wurde beschuldigt, Unterschriften für Wählerlisten gefälscht zu haben, um so die Zulassung seiner neuen Partei zu erreichen.

Kampagne?

Während der 42-tägigen Haft startete Nurs Frau Gamila Ismael eine Verteidigungskampagne. Sie arbeitet als TV-Moderatorin in Kairo und als Korrespondentin für das US-Magazin "Newsweek". Die Anschuldigungen gegen ihren Mann sieht sie als Teil einer Verschwörung, hinter der die ägyptische Regierung stehe. Nach diesen Vorhaltungen beschloss der oberste ägyptische Presserat, die Parteizeitung von "Al-Ghad" zu verbieten.

Vorwürfe

Seine Gegner werfen Nur vor, ein amerikanischer Agent zu sein und finanzielle Unterstützung von der amerikanischen Regierung zu erhalten. "Ja ich bin ein Agent, jedoch ein Agent, der sich für Ägypten und sein Volk und dessen Sorgen einsetzt", erklärt Nur. Alles andere sei gelogen. "Das sind lediglich politische Intrigen und Verleumdungen. Jedem Oppositionellen wird von vorneherein vorgeworfen, mit dem Ausland zusammenzuarbeiten und von dort aus finanziert zu werden", sagt Nur. "Ich schwöre Ihnen, wir haben keinen Cent Unterstützung aus dem Ausland von irgendeiner Seite erhalten. Wir finanzieren unsere Partei und unsere Aktivitäten und unseren Wahlkampf aus eigener Tasche, aus Spenden der Ägypter aus Ägypten und aus Spenden von Ägyptern außerhalb Ägyptens", verteidigt sich Nur.

Mubaraks Gegenkandidat

US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte Anfang des Jahres wegen des Schicksals des Oppositionellen ihre Reise nach Kairo ab. Sie nannte Nur einen "Gefangenen der Freiheit" und forderte die ägyptische Regierung auf, endlich das verkrustete System zu reformieren. Mitte Februar verkündete Mubarak dann überraschend, dass er die Verfassung ändern und zur für September geplanten Präsidentschaftswahl mehrere Kandidaten zulassen wolle. "Mein Mann war natürlich überglücklich, als er die Nachricht hörte. Für diese Änderung hatte er gekämpft", erzählt Gamila Ismael.

Noch im Gefängnis gab Nur seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen bekannt und wurde kurz darauf gegen Kaution entlassen. Zu den Motiven für seine Kandidatur sagt er gegenüber der DW: "Ich bin Vorsitzender einer vielversprechenden Partei und ägyptischer Parlamentsabgeordneter seit zehn Jahren. Ich vertrete die ägyptische parlamentarische Opposition", so Nur. "Wir glauben, dass die Leistung der ägyptischen Regierung und des ägyptischen Präsidenten in den letzen Jahren nicht zufriedenstellend war. Ich halte einen Zeitraum von 24 Jahren für eine sehr lange Amtszeit für einen Präsidenten und andere Verantwortungsträger."

Unter den Fittichen der USA

Während ihres nachgeholten Besuchs in Kairo am 20. Juni verlangte US-Außenministerin Condoleezza Rice Chancengleichheit für die Oppositionskandidaten bei den im Herbst anstehenden ägyptischen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen. Und sie traf in Kairo auch Oppositionspolitiker - unter ihnen Ajman Nur. Der sollte jetzt eine Rede vor dem EU-Parlament halten. Doch daraus ist nichts geworden: Am 22. Juni wurde sein Pass eingezogen.

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