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Ungewöhnliche Sportarten

"Wer im Axt-Weitwurf gut sein möchte, muss trainieren"

Am Dienstag ist Internationaler Tag des Axt-Werfens. Physikprofessor Metin Tolan erklärt, wie man eine Axt besonders weit schleudert - und warum die beste Technik in der Praxis nicht praktikabel ist.

DW: Herr Tolan, ist es schwieriger, ein unregelmäßig geformtes Objekt wie eine Axt zu werfen als einen Ball?

Metin Tolan: Rein von der Physik her argumentiert: Nein. In der Praxis ist es aber deswegen schwerer, weil Sie die Axt beim Abwurf nicht so gut kontrollieren können. Auf große Geschwindigkeit zu kommen, im richtigen Moment loszulassen und dann noch unter dem richtigen Winkel erfordert Übung. Wenn man im Axt-Weitwerfen gut sein möchte, muss man trainieren. 

Wie schafft man es, eine Axt möglichst weit zu schleudern?

Das erste und allerwichtigste bei jeder Wurfdisziplin ist es, dass man mit möglichst großer Geschwindigkeit wirft. Man muss annehmen, dass es sich um eine genormte Axt handelt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass beim Axt-Weitwerfen jeder seine eigene Axt mitbringt. Es gibt schließlich deutliche Unterschiede, zum Beispiel wie viel Gewicht dranhängt und wie lang die Axt ist.

Physikprofessor an der Technischen Universität Dortmun Metin Tolan (Lutz Kampert)

Metin Tolan erhält 2017 den Robert-Wichard-Pohl-Preis für seine Verdienste bei der Verbreitung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse in der Öffentlichkeit

Gehen wir mal von einer Axt mit einem 1,50 Meter langen Stiel aus, mit 10 Kilogramm hinten dran. Ich würde diese Axt so werfen, wie es auch ein Hammerwerfer mit seinem Hammer in der Leichtathletik tut: Er dreht sich möglichst schnell und lässt im richtigen Moment los. Wenn man sich dreht und einen Gegenstand in der Hand hat, der etwas länger ist, dann kann man diesen Gegenstand durch die Drehung auf eine sehr große Geschwindigkeit bringen.

Die zweite Sache, die für alle Wurfdisziplinen wichtig ist, ist der richtige Abwurfwinkel. Wenn es den Luftwiderstand nicht gäbe, dann wäre der optimale Abwurfwinkel, um möglichst weit zu kommen, 45 Grad. Bei einer schweren Axt sind diese 45 Grad sicher auch das Optimum. Bei einem Fußball ist das anders. Da spielt der Luftwiderstand eine Rolle, und der beste Winkel liegt bei etwa 35 Grad.

In Hallen, in denen Anfänger das Axt-Werfen ausprobieren, und auch bei Wettkämpfen, dürfen sich die Werfer aus Sicherheitsgründen nicht drehen - auch wenn das - wie Sie selbst sagen - der optimale Weg ist, um möglichst große Distanzen zu schaffen. Die Wettkämpfer heben die Axt stattdessen mit beiden Händen über den Kopf und schleudern sie dann nach vorne weg. Was halten Sie von dieser Technik?

Ich kann gut verstehen, dass das Drehen aus Sicherheitsgründen verboten ist. Die Technik ist schwer, und wenn die Axt in einer Halle irgendwo in der Gegend rumfliegt, ist das schlicht und ergreifend zu gefährlich. Wenn man die Axt über den Kopf wirft, gilt die Regel, dass man den schweren Metallkopf der Axt möglichst weit nach hinten nehmen und dann durchziehen muss, um die Axt möglichst schnell nach vorne zu bringen. Da wirkt die Zentrifugalkraft, und Sie haben den Vorteil, den Sie auch beim Drehen hätten - nur um 90 Grad gekippt. Sie können sich jetzt nur nicht mehrere Male drehen und ausholen. Es kommt also im Wesentlichen darauf an, wie viel Kraft man hat, wie groß die Geschwindigkeit ist, die man am Anfang erzielt - und darauf, extrem genau den richtigen Abwurfwinkel zu treffen.

Und der richtige Winkel wäre dann wie groß?

Wenn etwas vom Boden losgeschossen wird und auch am Boden wieder ankommt, ist der optimale Abschusswinkel 45 Grad. Wenn sich die Axt aber über Ihren Händen befindet und Sie dann loslassen, dann befindet sich der Schwerpunkt der Axt bestimmt in 2,50 Meter Höhe. Dann ist der optimale Abwurfwinkel etwas flacher: 40 Grad, wenn nicht sogar nur 35 Grad. Diesen Abwurfwinkel richtig einzustellen, erfordert, glaube ich, ein gehöriges Maß an Technik. In wenigen Zehntelsekunden entscheidet sich, ob Sie den richtigen Winkel treffen, wenn die Axt Ihre Hände verlässt. Axt-Werfen ist also wahrscheinlich eine Sportart, bei der Training enorm viel bringt. Kraft und Muskeln sind natürlich auch wichtig, damit Sie auf dieser kurzen Distanz die nötige Geschwindigkeit hinkriegen.

Dr. Metin Tolan ist Physikprofessor an der Technischen Universität Dortmund.

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