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Wirtschaft

"Wer im Ausland investiert, schaut genau aufs Steuersystem"

Nach einer Änderung der Körperschaftssteuer würden ausländische Produktionsunternehmen in China eine Steuererhöhung erfahren. Darüber sprach Jutta Ludwig von der Deutschen Handelskammer Peking mit DW-WORLD.

Jutta Ludwig

Jutta Ludwig, Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Peking

DW-WORLD: Ist die Gesetzesänderung zur Vereinheitlichung der Körperschaftssteuer ein notwendiger Schritt?

Jutta Ludwig: Wir können natürlich nachvollziehen, dass nach so vielen Jahren der außenwirtschaftlichen Öffnung und der Entwicklung der chinesischen Unternehmen dieser Steuersatz zwischen deutschen, anderen ausländischen und chinesischen Unternehmen angepasst wird. Insofern denke ich, dass dies im Rahmen der Entwicklung Chinas ein richtiger Schritt ist.

Kann diese Maßnahme den fairen Wettbewerb zwischen ausländischen und chinesischen Unternehmen fördern?

Ausländische Unternehmen im Produktionsbereich haben durch diese Veränderung sicherlich eine andere Situation, weil sich ihr Steuersatz vielleicht erhöht. Die ausländischen Unternehmen, die im Produktions- und Hochtechnologie-Bereich angesiedelt sind, bekommen ja eventuell auch weiterhin Vergünstigungen in der Körperschaftssteuer; das ist aber noch nicht sicher. Was die anderen anbelangt, so haben wir sicherlich insofern eine Verbesserung des Wettbewerbsrechts für beide, als dass beide jetzt den gleichen Steuersatz haben. Ob das nun eine Verbesserung für die ausländischen Unternehmen in China bedeutet, möchte ich in Zweifel stellen, denn unsere Unternehmen haben nicht das Problem des ungleichen Wettbewerbs durch die Steuer, sondern dadurch, dass sie von Ausschreibungen nicht rechtzeitig erfahren.

Wie wichtig ist der Steuer-Faktor für ein ausländisches Unternehmen in China denn überhaupt?

Wenn man eine Investition in einem anderen Land macht, will man natürlich wissen, ob man von der Steuer befreit ist oder den gleichen Steuersatz zahlen muss wie andere inländische Investoren. Andererseits muss man aber auch sehen, dass diese Veränderung des Steuersatzes auf 25 Prozent zwar Nachteile für Produktionsunternehmen bietet, die bislang von der Körperschaftssteuer befreit waren. Für Handelsunternehmen senkt sich der Steuersatz andererseits aber von bisher 33 Prozent auf nun 25 Prozent. Von daher werden ausländische Unternehmen, die im Bereich Handel und Beratung angesiedelt sind, eine Verbesserung der Steuerlast erfahren - eben eine Gleichstellung mit den chinesischen Unternehmen.

Wie ist generell die Stimmung bei den deutschen Unternehmen in China?

Die Unternehmen, die schon hier sind und die sich etabliert haben, schauen sich natürlich sehr genau an, ob für sie jetzt eine Veränderung ansteht oder nicht. Insgesamt ist die Stimmung hier gut, denn dieser Markt ist weiterhin ein ausgesprochen intensiv wachsender Markt. Die deutschen Unternehmen haben in vielen Bereichen weiterhin eine sehr starke Position. Ich denke insbesondere daran, dass jetzt auch der Umweltbereich in China ausgebaut wird, wo die deutschen Unternehmen sehr stark sind. Aber es gibt auch andere Bereiche wie die Elektronikindustrie, die Chemie- und Automobilindustrie, wo unsere Unternehmen hervorragend aufgestellt sind.

Jutta Ludwig ist Sinologin, Volkswirtin und Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in China.

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