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Deutschland

Wer hier kickt, will mehr als Fußball

Discover Football - so heißt das internationale Frauenfußballturnier, das gerade in Berlin ausgetragen wird. Frauen-Mannschaften aus acht Ländern treten gegeneinander an - und dabei geht es nicht nur um Fußball.

Frauen spielen in der Vorrunde des interkulturellen Frauenfußballturniers Discover Football in Berlin, vom 06. - 13. Juli 2010 (Foto: DW)

"Peace Team" gegen den FC "Heißer Leberkäse"

So ein Spiel gab es noch nie: Bei Temperaturen um die 30 Grad kämpfen das afghanische Frauennationalteam und das Aids-Sportprojekt "Masco" aus Sambia um jeden Ball. Sie sind zwei der acht Mannschaften, die in Berlin beim internationalen Frauenfußballturnier "Discover Football" bis zum 13. Juli gegeneinander antreten. Mit Hilfe eines sonst männerdominierten Sports wollen sie auch den interkulturellen Austausch fördern. Sambia und Afghanistan treffen zum ersten Mal aufeinander. Obwohl die Sonne erbarmungslos auf das Spielfeld brennt, zeigen die jungen Fußballerinnen vollen Einsatz. "Fußballspielen ist mein Leben", sagt die 19-jährige Sajia, Stürmerin im afghanischen Team. "Es bedeutet alles für mich. Ich liebe Fußball."

Keine leichte Passion

Afghanische Mannschaft beim interkulturellen Frauenfußballturnier Discover Football in Berlin, vom 06. - 13. Juli 2010 (Foto: DW)

Mentor und Trainer Ali Askar Lali mit seinen Mädels

In Sajias Heimatland Afghanistan sehen es die Männer gar nicht gern, wenn Frauen Fußball spielen. Und obwohl es seit etwa fünf Jahren immerhin schon eine offizielle Frauenfußballnationalmannschaft in Afghanistan gibt, müssen die Spielerinnen weiterhin unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren und ständig gegen gesellschaftliche Widerstände ankämpfen.

Über all die schwierigen Jahre hinweg hat der afghanische Fußballnationalheld Ali Askar Lali die jungen Frauen begleitet. 1981 kam er als Flüchtling nach Deutschland, seit einigen Jahren unterstützt und trainiert er die Frauenmannschaft in Afghanistan - auch mit Hilfe von Fördergeldern des Auswärtigen Amtes. "Es ist sehr mutig, dass sie überhaupt Fußball spielen", meint Lali. Die Trainingsbedingungen in Afghanistan seien sehr schwierig. "Wenn ich mich in ihre Lage versetze, hätte ich nicht den Mut in Afghanistan Fußball zu spielen. Sie haben Probleme mit den Verwandten, mit den Nachbarn, mit der Gesellschaft insgesamt", erklärt Lali. Das seien Hindernisse, die man erst einmal überwinden müsse.

Nicht nur der Sport zählt

Mannschaft aus Sambia beim interkulturellen Frauenfußballturnier Discover Football in Berlin, vom 06. - 13. Juli 2010 (Foto: DW)

Das Team "Masco HIV AIDS Sports Project" aus Sambia freut sich über den Sieg

Schnell merken die Zuschauer, dass es den afghanischen Spielerinnen an Turnier-Erfahrung fehlt. Gegen die Mannschaft aus Sambia, die spielerisch leicht über das Feld kickt, haben sie kaum eine Chance. Das Ergebnis ist eindeutig: Das afghanische Team verliert das Vorrundenspiel 0:9. Die sambische Fußballspielerin Verocia freut sich natürlich über den Sieg, aber es gehe hier um mehr: "Sowohl das afghanische Team als auch wir kämpfen für die Rechte der Frauen. So wie ich gehört habe, können manche Frauen in Afghanistan noch nicht einmal das Haus verlassen oder müssen ihren Körper komplett verhüllen", sagt die 23-jährige Verocia. In Sambia sei es ähnlich - auch dort würden Frauen aufs Putzen und Kochen reduziert. "Auch wir müssen kämpfen, damit wir Fußball spielen können. Das verbindet uns. Und deswegen macht es mir so einen Spaß gemeinsam mit den Afghaninnen Fußball zu spielen."

Großer Aufwand, der sich lohnt

Die Spielerinnen vom "Masco HIV AIDS Sports Project" sind nicht nur Fußballerinnen, sondern auch Botschafterinnen für Aufklärung und Akzeptanz von AIDS in ihrem Land. Gleichzeitig werden sie von dem Verein gefördert - eine wichtige Unterstützung, denn viele von ihnen kommen aus sehr armen Verhältnissen. Neben dem "Masco Team" sind zum Beispiel auch das "Peace Team" aus den palästinensischen Gebieten oder ein Team des indigenen Quichua-Volkes aus Ecuador dabei. Den beiden Frauen-Mannschaften aus dem Iran und aus Liberia wurde die Ausreise aus ihrem Land nicht gestattet. Beworben hatten sich weltweit über 40 Mannschaften.

Fußballspiel beim interkulturellen Frauenfußballturnier Discover Football in Berlin, vom 06. - 13. Juli 2010 (Foto: DW)

Sie spielen leidenschaftlich gern, wollen aber auch voneinander lernen

"Es geht natürlich darum, Frauenfußball zu fördern", sagt Valerie Assmann. Die 28-Jährige und ihr Team "BSV AL-Dersimspor" aus Berlin organisieren zum ersten Mal dieses interkulturelle Turnier. "Wir hatten zwei Kriterien: soziales Engagement und eine schwierige Situation durch mangelnde Unterstützung im eigenen Land", erklärt Assmann. Die Mannschaften mussten nicht beide Kriterien zugleich erfüllen. Auch eine Jury war an der Auswahl beteiligt.

Zwei Jahre lang dauerte die Vorbereitungsphase. Auch das Auswärtige Amt unterstützte das Projekt finanziell. Das Geld deckt vor allem die Reise- und Hotelkosten der auswärtigen Teams - die viele Arbeitszeit der Berliner Fußballerinnen ist rein ehrenamtlich. Und auch wenn die aufwendige Organisation des Turniers sie bis an ihre Grenzen bringt - für das nächste Jahr haben sie sich noch mehr vorgenommen: Wenn 2011 die offizielle Frauenfußballweltmeisterschaft in Deutschland ausgetragen wird, ist "Discover Football" auch wieder mit dabei. Und im nächsten Jahr soll sogar 16 Teams aus der ganzen Welt ermöglicht werden, an diesem besonderen Sportaustausch teilzunehmen.

Autor: Nadine Wojcik
Redaktion: Nicole Scherschun

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