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Aktuell Europa

Wer hat Schuld am "Prestige"-Debakel?

Es war eine der weltweit größten Umweltkatastrophen: 2002 sank der riesige Öltanker "Prestige" vor der Küste Galiziens. In Spanien hat nun der Prozess gegen vier Angeklagte begonnen.

Der in zwei Teile gebrochene Öltanker Prestige sinkt im Atlantik (Foto: dpa)

Tanker Prestige sinkt

Die Ermittlungen nahmen fast zehn Jahre in Anspruch: Jetzt wurde der Prozess um den Untergang des Öltankers "Prestige" vor der Nordwestküste Spaniens eröffnet. Am ersten Tag der Anhörung vor einem Gericht in der galizischen Hafenstadt La Coruña ging es zunächst um Verfahrensfragen.

Die Anhörung der mutmaßlichen Verantwortlichen soll am 13. November, dem Jahrestag des Unglücks, beginnen. Zu den Angeklagten zählen der damalige Kapitän, ein heute 78-jähriger Grieche, sowie der erste Offizier, der Maschinist des Schiffes und der damalige Chef der Handelsmarine.

Ex-Kapitän Apostolos Mangouras, Maschinist Argyropoulos Nikolaos und der damalige Chef der Handelsmarine, Jose Luis Lopez-Sors (Foto: picture alliance)

Auf der Anklagebank: Ex-Kapitän Mangouras (l.), sein Maschinist und der damalige Chef der Handelsmarine

Für den ehemaligen Kapitän als Hauptangeklagten fordert die Staatsanwaltschaft zwölf Jahre Haft - wegen eines Umweltvergehens und weil er die Anweisungen der spanischen Behörden missachtet haben soll. Sein Verteidiger verlangte dagegen die Einstellung des Strafverfahrens. Nach der Havarie der "Prestige" hätten die spanischen Behörden das Kommando über das Schiff übernommen, erklärte der Anwalt. Er beschuldigte die spanische Regierung zudem, den Ermittlern Beweismittel über den Zustand des Tankers vorenthalten zu haben.

Der mit 77.000 Tonnen beladene Öltanker hatte am 13. November 2002 vor der galizischen Küste in einem Sturm leckgeschlagen. Die spanische Regierung ließ die "Prestige" daraufhin auf das offene Meer hinausschleppen. Dort war der Tanker sechs Tage später auseinandergebrochen und gesunken.

Milliarden-Schäden

Video ansehen 01:57

Öltanker Prestige: Prozess nach zehn Jahren

Ein Großteil des geladenen Schweröls, rund 63.000 Tonnen, war daraufhin aus dem havarierten Schiff ins Meer gelangt. Tausende Kilometer Atlantikküste in Spanien, Frankreich und Portugal wurden verpestet. 250.000 Seevögel verendeten in dem giftigen Schlamm, es war das größte Vogelsterben in Europa.

Der damaligen spanischen Regierung von Ministerpräsident José María Aznar wurde im Europaparlament vorgeworfen, das Hinausschleppen des Tankers auf das offene Meer habe das Ausmaß der Katastrophe noch vergrößert. Gegen Mitglieder der Regierung wurde in dem Verfahren jedoch nie ermittelt.

Das Gericht muss jetzt entscheiden, wer für die Schäden des Unglücks aufkommen soll. Die Staatsanwaltschaft spricht von mehr als zwei Milliarden Euro. In dem Verfahren sollen 133 Zeugen und rund 100 Experten befragt werden. Das Urteil wird im September 2013 erwartet.

vf/wa/kis (dpa, afp)

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