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Aktuell Europa

Wer hat Flug MH17 abgeschossen?

Die Bergung der Opfer hat begonnen. Der ukrainische Geheimdienst geht davon aus, dass die Separatisten das Flugzeug abgeschossen haben. Derweil hat Großbritannien den UN-Sicherheitsrat zu einer Notsitzung einberufen.

Ukrainische Retttungskräfte haben mit der Bergung der Opfer des malaysischen Verkehrsflugzeugs begonnen. Bislang seien 121 Tote geborgen worden, teilte der ukrainische Zivilschutz am Freitagmorgen nach Angaben der Agentur Interfax mit. Die prorussischen Separatisten haben garantiert, dass sie die Ermittler zur Absturzstelle zulassen, wie die Ukraine-Kontaktgruppe mit Vertretern aus Kiew, Moskau und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mitteilte.

Die Rettungskräfte sollen zudem den zweiten Flugschreiber der Passagiermaschine gefunden haben. Die Separatisten sind im Besitz der ersten Blackbox. Mittlerweile haben die ukrainischen Behörden den Luftraum über der Ostukraine gesperrt.

Geheimdienst veröffentlicht Telefonat

Die Boeing 777-200 mit der Flugnummer MH17 war am Donnerstagabend nach einem mutmaßlichen Raketenbeschuss über dem von Rebellen kontrollierten Gebiet abgestürzt. Über die Hintergründe des Unfalls besteht nach wie vor Unklarheit. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko spricht von einem "terroristischen Akt" und warf den Rebellen vor, die Boeing mit einer Rakete vom Himmel geholt zu haben. Die USA gehen nach Auswertung von Satelliten-Aufnahmen davon aus, dass eine Boden-Luft-Rakete abgefeuert wurde. Die Aufständischen dementierten hingegen, für den Absturz der Maschine verantwortlich zu sein. Der russische Präsident Wladimir Putin schiebt zudem der ukrainischen Regierung die Schuld zu. Die schreckliche Tragödie wäre nicht passiert, wenn es in der Ostukraine keinen Krieg gebe, sagte Putin.

Indessen verdichten sich die Hinweise, dass die Rebellen ein Flugzeug abgeschossen haben könnten. Wie ein vom ukrainischen Geheimdienst SBU aufgenommenes Telefongespräch zeigt, nahmen die Separatisten wenige Minuten nach dem Absturz von Flug MH17 mit dem russischen Militär Kontakt auf und übermittelten den Abschuss eines ukrainischen Militärflugzeugs des Typs Antonow An-26. Die ukrainische Luftwaffe vermisste allerdings am Donnerstag keine Antonow, auch wenn in den Tagen zuvor die Rebellen mehrmals ukrainische Flugzeuge in der Luft abgeschossen hatten.

In dem jetzigen Fall bleibt aber unklar, mit welchen Mitteln eine einzelne Gruppe von Aufständischen eine Verkehrsmaschine in 10.000 Metern Flughöhe getroffen haben könnte. In der Vergangenheit hatten die Separatisten behauptet, ein Buk-Flugabwehrsystem erbeutet zu haben. Das in den 1980er Jahren von der sowjetischen Militärindustrie entwickelte Lenkwaffen-System kann Ziele in Höhe von bis zu 25.000 Metern treffen. Es stellt sich aber die Frage, ob die Rebellen eine Buk-Abschussrichtung tatsächlich besitzen und bedienen können. Und das vom ukrainischen Geheimdienst veröffentliche Telefonat ist mit Vorsicht zu genießen - sein Wahrheitsgehalt lässt sich nicht überprüfen.

Diplomatische Maschinerie kommt in Gange

Der mutmaßliche Abschuss eines Zivilflugzeugs durch Rebellen hat mittlerweile die internationale diplomatische Maschinerie in Gange gebracht. US-Präsident Obama forderte eine internationale Untersuchung der Ursachen für den Absturz, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verlangte gemeinsam mit der EU und der NATO, dass internationale Experten hinzugezogen werden. Auf Antrag Großbritanniens wird sich der UN-Sicherheitsrat in einer eilig einberufenen Sondersitzung mit dem Flugzeugabsturz befassen. .

Zudem hat Australien den russischen Botschafter einbestellt. Premierminister Tony Abbot forderte von Russland eine "kategorische Versicherung", dass Moskau bei den Untersuchungen voll mit den Ermittlern kooperieren werde. Die Außenministerin Julie Bishop verlangte von den Separatisten die Aushändigung der Blackbox. Die Regierung in Canberra hat jeden Grund zur Sorge - an Bord von Flug MH17 befanden sich 27 Australier. Von den 283 Passagieren und 15 Besatzungsmitgliedern hat niemand den Absturz überlebt.

Die meisten Passagiere stammen aus den Niederlanden. An Bord der Malaysia-Airlines-Maschine befanden sich zudem Menschen malaysischer, indonesischer, britischer, belgischer, philippinischer, kanadischer und neuseeländischer Nationalität. Auch vier Deutsche sind umgekommen. Die Nationalität der übrigen Passagieren ist noch nicht geklärt.

zam/kle (dpa,afp)