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Kultur

Wer hat Angst vor Freitag dem 13.?

Freitag der 13., das ist nicht nur in Deutschland der Unglückstag schlechthin. Doch woher kommt eigentlich diese Angst? Und was sagen Geschichte, Statistik und abergläubige Menschen zu diesem mysteriösen Datum?

Lachend zeigt der Bezirksschornsteinfegermeister Jens Rödiger in Bad Langensalza (Thüringen) auf Freitag den 13. (Foto: picture alliance/ bildfunk)

Freitag der 13. ist für Susann Euen in jedem Fall ein merkwürdiger Tag. Die Architektin aus Halle an der Saale traut diesem mysteriösen Datum nicht, obwohl ihr an einem Freitag dem 13. noch nie etwas Ungewöhnliches passiert ist. Für die 33-Jährige ist das Ganze eher so ein schwer zu beschreibendes Bauchgefühl. "Ich bin nicht abergläubisch!", behauptet sie. Schwarze Katzen, egal ob sie ihren Weg von Rechts oder Links kreuzen, Leitern, unter denen man angeblich nicht durchgehen soll, zerbrochene Spiegel – hält sie alles für albernen Hokuspokus. Ihr Horoskop liest sie allerdings fast jeden Tag, und vor Freitag dem 13. hat sie irgendwie Respekt. Warum? Sie weiß es nicht genau, es ist halt so ein komisches Gefühl.

Die Statistik lügt nicht

Susann Euen in ihrem Architekturbüro in Halle an der Saale (Bild: Ronny Arnold)

Susann Euen in ihrem Architekturbüro in Halle an der Saale

Susann Euen ist also nicht abergläubisch. Einen Abnahmetermin auf einer ihrer Baustellen hat sie dennoch lieber von Freitag, dem 13., auf Donnerstag vorverlegt. Sicher ist sicher. Ein belegbarer Grund für die Angst vor diesem angeblich so mystischen Tag lässt sich nicht finden. Am Freitag, dem 13., passieren laut Statistik nicht mehr und auch nicht weniger Unfälle oder Missgeschicke als an jedem andern x-beliebigen Tag. Der Leipziger Diplom-Psychologe Thomas Teubel - ein Schelm, wer da die Nähe zum Teufel vermutet - wollte es genau wissen. Sportler seien besonders abergläubisch, so seine Theorie, und deshalb wie geschaffen für einen Härtetest. Er hat sie eingeladen mit ihm Golf zu spielen, an einem Freitag dem 13.. "Wir haben das richtig mit dem Holzhammer gemacht und gesagt: Heute ist doch dieser Unglückstag. Und jetzt wollen wir mal sehen, ob ihnen das wirklich Pech bringt." Ein paar Tage später hat er noch einmal zum Spiel geladen, an einem anderen Freitag. Ergebnis: Die Golfer haben ihr Handicap weder verbessert noch verschlechtert, die Trefferquote war ähnlich der am vermeintlichen Unglückstag. Bei einigen sogar identisch.

Die Geschichte vom verbotenen Obst

Diplom-Psychologe Thomas Teubel in seinem Büro (Bild: Ronny Arnold)

Diplom-Psychologe Thomas Teubel beschäftigt sich mit Freitag dem 13.

Das Gegenteil bewiesen, die These vom pechbringenden Datum widerlegt. Dem Aberglaube tut das keinen Abbruch. Er ist und bleibt verdächtig, dieser Freitag der 13., in dieser speziellen Kombination allerdings erst seit etwa 80 Jahren. Der Freitag selbst hat unter Christen schon immer einen schlechten Ruf: Laut Bibel wurde an diesem Wochentag Jesus gekreuzigt. Und Adam und Eva naschten an einem Freitag vom verbotenen Obst. Die Dreizehn wiederum gilt als Zahl des Teufels, denn als "Dreizehnter" war Judas, der Verräter, einer zuviel beim letzten Abendmahl. Soviel zur sagenumwobenen Geschichte. Zum vermeintlichen Unglückstag wurde die Kombination aus Wochentag und Zahl wahrscheinlich erst in den USA. Hier bekam Freitag der 13. seine besondere Bedeutung durch den zweiten großen Börsencrash im Jahre 1927, auch "Schwarzer Freitag" genannt. Nach herben finanziellen Verlusten stürzten sich damals so viele Spekulanten aus den Fenstern der Wolkenkratzer in der Wall Street, dass der Bürgersteig für Passanten angeblich nicht mehr sicher war. Irgendwann in den 1950er Jahren schwappte die Unglückstheorie dann über den großen Teich. Seitdem hält sie sich hartnäckig.

Aberglaube versetzt Berge

Schwarze Katze (Bild: M. Nelioubin)

Bringt die schwarze Katze Unglück?

Thomas Teubel, der Wissenschaftler, kann zur kulturhistorischen Entstehung wenig sagen. Er hält sich lieber an Fakten und die menschliche Psyche, die den Aberglaube quasi weitervererbt. "Wir lernen diese Rituale, wie andere Dinge auch, von unseren Eltern und unserem sozialen Umfeld." Das prägt. Noch schwieriger wird es, wenn an besagtem Freitag tatsächlich einmal etwas Unvorhergesehenes passiert. Dann überschätzen wird das Ereignis, "die Wissenschaft spricht da von der selbsterfüllenden Prophezeiung." Wer also nur fest genug daran glaubt, den wird am Freitag dem 13. auch irgendwann das Pech ereilen – wenn nicht heute, dann vielleicht beim nächsten Mal. Thomas Teubel selbst glaubt natürlich nicht an die unheilbringende Theorie vom Unglückstag. Für die Architektin Susann Euen und die anderen Angsthasen, die an diesem Tag am Liebsten gar nicht vor die Tür gehen mögen, hat er einen Tipp. Sie sollten mal bedenken, dass sie so nie positive Erfahrungen am Freitag dem 13. machen werden. "Wenn sie weiterhin jeglichen Gefahren an diesem Datum aus dem Weg gehen, verpassen sie am Ende womöglich etwas ganz und gar Unglaubliches: Dieser Tag ist so gewöhnlich und gleichzeitig so ungewöhnlich wie jeder andere Tag auch."

Autor: Ronny Arnold

Redaktion: Elena Singer