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Alltagsdeutsch – Podcast

"Wenn´s denkst, ist eh' zu spät"

Fußball ist international. In den besten Ligen Europas spielen nicht selten in einer Mannschaft Fußballer aus mehr als 10 Herkunftsländern. Welche Sprache sollte man da sprechen? in jedem Fall eine deutliche.

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Sinnloser als Fußball ist nur das Sinnieren darüber (Martin Walser)

Sprecher 1: Fußball ist sehr einfach.

Song: "Dann macht es bumms, ja und dann kracht’s."

Sprecher 1: Fußball ist Staunen. Fußball ist Enttäuschung.

Trapattoni: Pfui, Elfmeter!

Sprecher 1: Fußball ist Sprache. Internationale Sprache. Und da hört Fußball oft auf, einfach zu sein. In den besten Ligen Europas spielen nicht selten in einer Mannschaft Fußballer aus mehr als zehn Herkunftsländern. Welche Sprache sollte man da sprechen? In jedem Fall eine deutliche.

Trapattoni: “Guten Tag, ich schon wieder da. Ich habe immer die Schulde, über diese Spieler, eine is Mario, einer is, andere is Mehmet. Ich habe fertig.“ Mario Basler: “Wir sind ja hier in Deutschland, und dann sollen wenigstens die Spieler, wo dieser Sprache nicht mächtig sind, die sollen dann sich angewöhnen -äh- das Deutsch zu lernen.“

Sprecher 1: Mario Basler war das. Zur Sprache, die wo einer wie er sprechen tut, sollte aber auch das eine oder andere Fremdwort gehören. Beherrscht er das nicht und nur den Ball, droht’s Sportgericht im schlimmsten Fall. Dieser trat ein bei Dietmar Hamann, als der noch bei Bayern München spielte.

Sprecher 2: Dass mein Gegner mich umgestoßen und am Torschuss gehindert hat, hab' ich ja noch wegstecken können. Aber als er mich obendrein noch einen „Pardon“ geheißen hat, habe ich die Nerven verloren und nachgetreten.

Sprecher 1: Ein harter Sport, eine französisierende Höflichkeitsfloskel wie „pardon“ gehört da nicht zum festen Repertoire, -ähm- Sprachschatz. Unmissverständliche Begrüßungsformeln sind gefragt, Grüße, die sich den Charme ursprünglicher Grobheit bewahrt haben.

Sprecher 2: Mein Name ist Finken, und du wirst gleich hinken.

Sprecher 1: Inhalt und Form – perfekt. Freilich sollte man nicht zu fahrlässig von hoher Sprachsicherheit auf hohe Ballsicherheit schließen. Das reimt sich nicht immer zusammen. Herr Finken spielte bei Tasmania Berlin, der schlechtesten Mannschaft der Bundesligageschichte. Wäre sprachliche Finesse auch Garant für sportlichen Erfolg, dann könnte man es sich einfach machen, etwa so:

Sprecher 2: Der Weltmeister - Deutschland heißt er.

Sprecher 1: Das reimt sich, ist klar und unmissverständlich, auch die Gegenprobe macht Mut.

Sprecher 2: Der Weltmeister – Holland nennt er sich.

Sprecher 1: Das hört ja jeder, das reimt sich nich’. Bei näherem Betrachten hingegen...aber wer will so eine Aussage schon näher betrachten? Sie macht Mut, Hoffnung, Freude, Herz - was willst du mehr? Die Wahrheit is' auf'm Platz, und da noch früh genug. Bis dahin darf geträumt werden.

Song: "Dann macht es bumms."

Sprecher 1: Der Ton macht die Musik.

Franz Beckenbauer: „Nein, um Gottes-Gottes-Gottes Willen.“

Sprecher 1: B-b-b-beckenbauer! Der Klang einer Stimme, einer Sprache, kann uns ermüden, aufregen, besänftigen. Der Klang des eigenen Namens ist zwar jedem vertraut, aber nicht jedem lieb. Und das ist leider oft nachvollziehbar. Und, so der Giessener Philosoph Martin Seel, die fußballerische...

Sprecher 2: ...„Zelebration des Unvermögens“...

Sprecher 1: ...hat ihre Entsprechung im Missklang der Namen. In der Tat: Namen wie Huth, Hinkel, Hamann und Lahm - zergehen auf der Zunge wie pelziger Joghurt. Da hört man ihn förmlich herum rumoren, den Rumpelfußball. Philosoph Seel denkt weiter.

Sprecher 2: Diese ungelenken unschönen Silbenfolgen permanent in- und ausländischen Reportern abzuverlangen, das ist unzumutbar, allein deshalb muss Deutschland frühzeitig ausscheiden.

Sprecher 1: Nanana! Aber schießt er auch übers Ziel hinaus, so trifft er doch ins Schwarze. Denn auch hier klärt die Gegenprobe. Wie anmutig klingen doch andre Namen: Zinedine Zidane, Ronaldinho, Javier Saviola, Alessandro del Piero, da hört man doch, wie es elegant an den teutonischen Brechern vorbei dribbelt und äolsharfengleich - pardon, beziehungsweise Entschuldigung. Aber wieso seufzen? Es heißt doch so schön:

Sprecher 2: Wenn man nicht hat, was man liebt, muss man lieben, was man hat.

Sprecher 1: Ein Sprichwort, nur ein Sprichwort? Wie war das mit dem wahren Kern? Würde ein ganz normaler Aussagesatz ohne einen wahren Kern Karriere machen können und zum Sprichwort werden? Nein, und welch unsterbliche Sprichwortwahrheiten hat die deutsche Sprache deutschen Fußballern zu verdanken. Und Trainern.

Sepp Herberger: “Der Ball ist rund. Nach dem Spiel, ist vor dem Spiel. Der nächste Gegner ist immer der schwerste.“

Sprecher 1: Und ein Spiel dauert 90 Minuten. Unsterbliche Sepp-Herberger-Sätze, ach was, Sätze; Gesetze, so bekannt wie das Gesetz der Schwerkraft. Das waren noch Aussagen mit Tiefgang, wahre Satzhämmer der 50er Jahre. Wie schnöde dagegen die geistigen Ergüsse der späteren Fußballergenerationen…

Sprecher 2: Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken!

Sprecher 1: Lothar Matthäus

Sprecher 2: Wir müssen jetzt mit dem Boden auf den Füßen bleiben.

Sprecher 1: Jürgen Röber.

Sprecher 2: Da muss doch einer mal die Hand ins Heft nehmen.

Sprecher 1: Thomas Helmer. Und Rudi Völler fasst zusammen:

Sprecher 2: Wie so oft liegt auch hier die Mitte in der Wahrheit.

Sprecher 1: Zugegeben, diese einfachen kleinen Drinseher, pardon, Sinndreher, sie geben mit ihrer neuen Fremdheit der Muttersprache frische Impulse. Versuchen Sie’s mal selbst, auch in der Familie oder im Fußballteam, falls Sie gerade eins da haben. Ich garantiere Ihnen: Da geht ein Mann durch den Rucksack, ein Ruck durch die Mannschaft, wie die Sportreporter zu sagen pflegen oder zu Pflegern sagen, - jetzt wird’s albern, also, hier noch ein paar weitere Kotzbrock... Kotzpro...Kostproben. Pardon. Zitate: bitte, einmal Metaphernsalat.

Sprecher 2: Ich glaube nicht, dass der Verein mir Steine in den Vertrag legt.

Sprecher 1:Thorsten Legat

Sprecher 2: Uns steht ein hartes Programm ins Gesicht.

Sprecher 1: Andreas Brehme. Zu Arndt Zeigler: Er ist ein fleißiger Sammler von Spielersprüchen. Eine verdienstvolle Arbeit. Und hier seine schönsten Fremdwortschätze:

Olaf Thon: „Ähm, ich hab' ihn, wenn überhaupt, so leicht retouchiert, aber ich war an der falschen Seite in dem Moment.“

Horst Hrubesch: „Ich denke, man - man lässt das alles noch mal Paroli laufen und muss da gut drüber nachdenken.“

Stefan Effenberg: „Es wird immer viel geschrieben und viel erzählt und hochsterilisiert.“

Sprecher 1: Und so weiter. Ein Spieler intrigiert sich immer besser, einem anderen legen Sanitäter sofort eine Invasion, und der große Andi Brehme weiß - Zitat: Die Brasilianer sind ja auch alle technisch serviert.

Sprecher 2: Fußball, du wohlgeordnetes Durcheinander auf der weiten Wiese. Du kraftvolles kluges Jagen. Du planvolles Gedränge. Du rohheitsfreier Kampf. Dir ist es ergangen wie dem Leder: Hin und her getreten, belächelt, verachtet, beschimpft, bis dich deine Getreuen mit einem glorreichen Schuss ins Tor gebracht haben. Fußball, du erscheinst nur dem Mann mit der blassen Ahnung als ein wildes rohes Spiel. Die bunten Jacken der Stürmer werden noch über den Rasen fliegen, wenn manch anderer Sport schon lange vergessen ist, und das Vaterland wird dir dankbar sein, dass du von allen Spielen am meisten die Muskeln und Sehnen seiner Söhne zu Eisen und Stahl hast werden lassen.

Sprecher 1: Aus dem Jahr 1914 stammt dieser Text, der folgende nicht. Und doch, auch hier: Wir sind Helden und keine toten Hosen:

Sprecher 2: Es war ein Kampf wie aus den Heldensagen. Gerd Müller stampft und Riva dampft vor Kraft. Facchetti knüppelt völlig ungestraft. Der Boden bebt. Es geht um Kopf und Kragen. Der Catenaccio knirscht. Die Riesen wanken. Mazzola fällt vor lauter Elend um. Als Seeler blutet, bleibt die Pfeife stumm. Das hat man Yamasaki zu verdanken. Dann kommt der Schlag. Rivera ist der Schütze. Sepp Maier schluckt und Vogts wird leichenblass. Und Willi Schulz sinkt lappenschlapp ins Gras. Und Schön kratzt sich verlassen an der Mütze. Das war ein Drama allererster Sorte. Hier schweige ich. Es fehlen mir die Worte.

Sprecher 1: Es ist ja auch alles gesagt, Ror Wolf, und das Spiel, das er beschreibt, war das Spiel, das unbeschreibliche. Weltmeisterschaft 1970, Italien gewinnt das Halbfinale vier zu drei gegen die Bundesrepublik.

Sprecher 2: Dieses 4:3 hat eigentlich weder Sieger noch Verlierer. Weiße und Azzurri sind keine Gegner, sondern Interpreten einer Oper wie Capuleti und Montecchi in einem Julia und Romeo des Fußballs, der damals noch klas­sisch lederfarben war.

Kaum sind hinter den Kulissen die Trikots ausgezo­gen, beglückwünscht man sich als Profis und Kollegen, die der ganzen Welt ein Schauspiel geboten haben.

Sprecher 1: Aus den Erinnerungen des Italieners Roberto Giardina, Sentimentalität und Männerschweiß und die Daten unvergänglich eingraviert. Noch mal Ror Wolf.

Sprecher 2: Zwölf Uhr in Mexiko, in einer heißen zerpfiffenen Schüssel: Celsius sechzig Grad. Es kochte furchtbar, doch das Resultat gilt als Bonbon in den Expertenkreisen.

Sprecher 1: 4:3 – mehr als ein Ergebnis? Ja. In Italien heißen Gaststätten quattro-tre, 4:3, ein Theaterstück, Filme, ein Spiel als Kunststück, da sind sich all einig, bloß was dort 4:3 heißt, heißt hier 3:4. Auch Zahlen sind eine Frage der Perspektive. Eine Frage der Einstellung. So bewies zum Beispiel Horst Szymaniak bei Vertragsverhandlungen :

Sprecher 2: Ein Drittel? Nee, ich will mindestens ein Viertel mehr.

Sprecher 1: Ja, Zahlen – das ist Magie der Ergebnisse, Zahlen – das ist Kampf Mann gegen Mann , Trainer Fritz Langner:

Sprecher 2: Ihr fünf spielt jetzt vier gegen drei.

Sprecher 1: Zahlen versprechen Klarheit und sind gleichzeitig pure Zauberei. Ingo Anderbrügge:

Sprecher 2: Das Tor gehört zu 70 Prozent mir und zu 40 Prozent dem Wilmots.

Sprecher 1: Und dann die Tabellen, so wichtig, gerade bei einer Weltmeisterschaft, wer qualifiziert sich aus welcher Gruppe für welche Paarung, da braucht es qualifizierte Fachleute, Wolf-Dieter Poschmann. Zahlen bitte!

Wolf-Dieter Poschmann: „Vier Punkte, soll heißen: Drei Punkte, dann hätte man vier, müsste aber vier Tore aufholen, also dann wäre man Gruppensieger sogar mit sieben Punkten, aber auch schon ein Remis würde reichen, dann hätte man nämlich fünf Punkte, und sogar bei einer Niederlage gäbe es noch Chancen, bei Sieg oder bei einem Unentschieden. Bei Sieg oder Unentschieden. Ja ist doch klar. Bei einem Remis hätte es drei Punkte, wenn sie nämlich vier Punkte holen und Paraguay verliert. Also mit einem Wort: Kann nicht mehr eingeholt werden. Alles noch möglich in dieser Gruppe, und es wäre sogar ein Losentscheid möglich. Sie sehen schon fünf, sechs Punkte. Ach so, und das muss ich noch sagen: Die haben ein Torverhältnis von vier zu zwei, also vier geschossen, vier rein bekommen; zwei Punkte, zwei Punkte, kein Tor, null zu null, hier zum Beispiel zwei geschossen, drei rein bekommen und auch nur einen Punkt, und minus eins, das habe ich mir drauf geschrieben, minus eins. Also, gesetzt folgenden Fall: Jetzt kommt’s, jetzt kommt’s: Ja, ja dann käme es auf die Tordifferenz drauf an. Alles verstanden? Gut. Also, das ist natürlich kompliziert.“


Sprecher 1: Vielleicht hat der Schriftsteller Martin Walser Recht:

Sprecher 2: Sinnloser als Fußball ist nur noch eins: Nachdenken über Fußball!

Sprecher 1: Das immerhin stellt ihn auf eine Stufe mit einem wahrhaft großen Gerd Müller: Sprecher 2: Wenn´s denkst, ist eh' zu spät.


Sprecher 1: Dann hab'n wir ja noch Zeit. Song: „Dann macht es bumms, ja und dann kracht’s, und alles schreit: Gerd Müller macht’s. Dann macht es bumms, dann gibt’s ein Tor, und alles schreit: Gerd Müller vor.“

Fußballreporter: „Tor, Tor durch Gerd Müller. Jetzt, was macht er? Er verliert den Ball, spitzelt den Ball, löffelt den Ball, treibt den Ball mit dem Fuß durch den tiefen Schnee, den heute orangefarbenen und mit schwarzen Tupfern versehenen Ball, na und dann köpft er den Ball. Was macht er mit dem Ball? Der Ball ist zu kurz geworden. Der Ball, wie gesagt. Jetzt tanzt der Ball ein wenig. Der Ball tanzte nur und über dieses Tanzen des Balles hörten sie nichts mehr im Freudentaumel. Und dann knallte der Ball.“

Sprecher 2 : Am Abendhimmel blühte ein Frühling auf, und

sein Name war Cha.

Sprecher 1: So beginnt Eckhard Henscheids: Hymne auf Bum Kun Cha – ein Liebeslied auf die Schönheit des Fußballs überhaupt, festgemacht an dem Koreaner, der in den 80iger Jahren für die Frankfurter Eintracht spielte und bisweilen zauberte... Sprecher 2: Uns zur erhabenen Lust stürmst du. Schönster, so viel ich sah, seither, wie der Vogel des Waldes über die Wipfel fliegt, schwingst du zierer, leichter und mühlos und sonder Gewalt dem Tore dich zu, dem Beschützten – Östling unter Deutschen, und ihnen dennoch verwandt in der Seele, nah auch in Tordrang und Technik und Teilung des Raumes in all seiner Tiefe...Kenntnisreicher Künstler am schwarzweißen Balle! Der Mann aus Korea allein hat die Präzision deines Abspiels. Trocken schlägst du die Pässe, den Kurzpass sowie auch den raumgreifenden Vetter, den Steilpass. Nicht fremd ist dir der Fallrückzieher, wir sahen's. Du zeigtest, dass auch in Asia, dem fernen, bekannt ist der Trick mit dem kunstreichen Hacken - doch mehr noch erstaunen den Gegner die nicht-orthodoxen, die Tricks, die im Landenoch unbekannt. Freilich, nie ähneln sie je doch der Tücke des Panthers, nie schielet Verschlagenheit Asiens durch – Fair play ist Bum Kun Chas Religion!

Ach, abermals weiden die Augen auf dir! Hurtig Treibst du das Leder nach links, kühner umkurvst

Du den grätschenden Stopper, zaubernden Fußes

Entlässt du den Lib'ro in Scham. Leichthin,

Euphorien erinnernd, vergleichbar auch durchaus

Der zarten Gazelle, dribbelst du torwärts und

Spannst doch den Fußnerv alljetzt schon zur Bombe.

Denn kaum hinkt die Macht deines Schusses der

Pracht nach Bernd Nickels, genannt »Dr. Hammer«:

Dem du, so liest man, längst Brücken der

Freundschaft gebaut hast, auch menschlich...

Herzschöner Mann! Flutlichtumschwärmt auf den

Flügeln der Flanke, jetzt plötzlich der rechten,

Füllhorn der Technik, Fülle des Seins!

Samtschwarzer Seraphkopf sehr schönen Scheins!

Song: „Dann macht es bumms, ja und dann kracht’s.“ <

Sprecher 1: Und dazwischen liegt der Fußball. Zwischen Füllhorn der Technik und Bumm machen. Rätselhafter Sport, so rätselhaft wie das Sprechen über ihn. Es sei denn: Günter Netzer spricht. Dann ist alles klar, jedenfalls für Günter Netzer. Besonders erhellend: Netzer vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft. Als er vergleicht das deutsche Können und das deutsche Wollen. Was Sie jetzt hören können, wenn Sie wollen, so klang’s:

Günter Netzer: Wir ham's gegen Lettland gesagt, da hab'n sie in der zweiten Halbzeit auch gewollt, aber haben nicht gekonnt. Und für mich ist das eine Qualitätsfrage. Hier haben sie gewollt und nicht gekonnt, man muss es klar und deutlich seh'n: Unser Fußball war nicht gut genug, damit er unter den letzten Achten, unter den letzten Vieren oder vielleicht ins Endspiel gereicht hätte.

Sprecher 2: Wer redet von Siegen? Überstehen ist alles.

Sprecher 1: So beruhigte Rainer Maria Rilke einst. Und im Othello lässt Shakespeare den Herzog sprechen.

Sprecher 2: Unheil beklagen, das nicht mehr zu bessern, heißt umso mehr: das Unheil nur vergrößern.

Sprecher 1: Die Literatur gewährt Trost, die uns der Fußball, nun ja, möglicherweise, nicht gewährt. Fußball ist eine eigene Sprache, wir haben gehört wie der Ball spricht, sowohl für den Spieler als auch für den Reporter, Fußball ist Kommunikation, und wenn sie gelingt zwischen Spieler und Mitspieler, dann hat sie soviel Zauber, Farbe und Zärtlichkeit, dass nur ein Trainersoziologe zu sprechen vermag von...

Sprecher 2: ...»interperso­nell-motorischer Kommunikation«.

Sprecher 1: Trainersoziologe Branko Eisner weiter:

Sprecher 2: Die interpersonelle motorische Kommunikation vollzieht sich in der Herstellung und Verwirklichung einer Verbindung zwischen zwei oder mehreren Spielern. Hergestellte Kommunikation bedeutet, dass die Spieler in der Durchführung einer Aktion im Einklang sind, dass zum Beispiel der Zeit­punkt, die Richtung und die Geschwindigkeit des abgespielten Balles mit der Richtung und Geschwindigkeit der Bewegungen des Mitspielers im Einklang stehen, und dass es dem Gegenspieler nicht gelingt, die Kommunikation zu unterbrechen.

Sprecher 1: Ein herzliches Flankeschön für diese nüchterne Bestandsaufnahme.

Und es gilt das weise Wort des Spielers Bobic:

Sprecher 2: Man darf jetzt nicht alles so schlecht reden, wie es war!

Sprecher 1: Der Deutsche Fußball, ist er wirklich diese einzigartige Mischung aus Humorlosigkeit und Zeitlupe? Ist er nicht und war er nie. Die Herren mögen nicht alle sprachbegabt sein, aber stimmgewaltig, immer! Ein frühes Zeugnis Charly Dörfel, HSV Star der 60er Jahre.

Reporter: „Er kann Vogelstimmen imitieren und noch eine ganze Menge mehr…“

Charly Dörfel: “Das sterbende Schwein, das ist ja mein Paradetier gewesen, ne. Das muss ich aber ein bisschen üben, das ist ja auch sehr vom Kehlkopf her. Grunz! Das ist die sterbende Sau.“

Sprecher 1: Noch ein grunz... - ein grundsätzlicher Ausblick?

Sprecher 2: Ich mache nie Voraussagen und werde das auch niemals tun.

Sprecher 1: Sagte aber nur Paul Gascoigne, und das interessiert kein, ja: kein Schwoin. Ausblick, also: Deutschland...

Sprecher 2: Ich habe nie an unserer Chancenlosigkeit gezweifelt.

Sprecher 1: Danke, Tormann Richard Golz. Jetzt aber: Deutschland, das ist meine Vorhersage:

Sprecher 2: Das ist nicht ganz unrisikovoll.

Sprecher 1: Sicher, Karl-Heinz Rummenigge, dennoch: Deutschland gewinnt den Pokal für die stärkste Heimmannschaft des Turniers. Haha. Alles klar.

Bleibt nur mit Horst Hrubesch, einige sagen Andi Brehme, beides ja große Schwatzarbeiter, bleibt also nur mit beiden zu schließen:

Sprecher 2: Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank!

Fußballreporter 1954: Aus, aus, aus...

Franz Beckenbauer: Nein, um Gottes Willen.

Fußballreporter 1954: Das Spiel ist aus.