1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

"Wenn wir nicht gehen, kommt Afghanistan zu uns"

Die NATO-Mission ISAF steht vor gewaltigen Aufgaben. Sie soll die Wahlen in Afghanistan gewährleisten und bis 2006 das ganze Land kontrollieren. Hikmet Cetin, NATO-Vertreter in Kabul, spricht über den Zeitplan der ISAF.

default

Deutsche Soldaten in Afghanistan auf ISAF-Patrouille

Hikmet Cetin sitzt in einer zweistöckigen alten Villa hinter gewaltigen Betonschutzblöcken. Italienische Soldaten bewachen die ISAF-Zentrale in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Cetins offizieller Titel lautet: Höchster Ziviler Repräsentant der NATO in Afghanistan. Er ist einer der wichtigsten Akteure der laufenden Operationen der internationalen Gemeinschaft. Ihre Aufgabe ist es, in Afghanistan nach fast einem Vierteljahrhundert Krieg endlich Frieden und Stabilität zu schaffen. Bei dieser Mission misst Cetin den geplanten Parlaments- und Kommunalwahlen im Juni eine entscheidende Rolle bei. "Es ist nicht hilfreich, die Wahlen weiter zu verschieben. Denn wir haben sie dem Volk dieses Landes versprochen", erklärt Cetin.

Vor den Wahlen müssen die Milizen entwaffnet werden

In Kabul selbst halten Politiker rasche Wahlen für unmöglich. Doch für Cetin, den einstigen Außenminister der Türkei, ist es notwendig, alle ausstehenden Wahlen bis Ende Juni dieses Jahres abzuhalten. Eine Verzögerung bis Mitte Juli oder August komme für die NATO nicht in Frage. Denn das sei die Zeit, in der bei den ISAF-Truppen eine routinemäßige Kommandoübergabe stattfindet. Cetin befürchtet, dass es sehr heikel werden könnte, in so einer Übergangsphase für die Sicherheit der Wahlen zu sorgen.

Bis zu den Wahlen haben die internationalen Truppen und die afghanische Regierung ohnehin noch schwierige Aufgaben zu bewältigen. Hierzu gehört zum Beispiel die Entwaffnung der Milizen, die heute noch weite Teile des Landes kontrollieren. "Es ist wichtig sie vor den Parlamentswahlen zu demobilisieren, um freie und sichere Wahlen durchzuführen", sagt Cetin. Daneben gibt es Probleme mit den Kommandanten zweiten Ranges. "Wenn wir nicht aufpassen, könnte eine Art illegale Miliz entstehen." Einige dieser Kommandeure seien bereit, ins Parlament zu gehen, erklärt Cetin. Für den Rest gelte es anderen Anreize zu schaffen: "Jobs, um sie zufrieden zu stellen."

Schwierige Mission im Osten Afghanistans

Parallel dazu bereiten sich die ISAF-Truppen auf die Übernahme weiterer Landesteile vor. Das von ISAF kontrollierte Gebiet soll dann Kabul, den Norden und den Westen Afghanistans umfassen. Weitere Schritte sollen folgen: die Kontrolle des Südens in der zweiten Jahreshälfte 2005. 2006 soll ganz Afghanistan unter der Kontrolle der ISAF sein.

Dies bedeutet, dass ab 2006 auch der umkämpfte Osten Afghanistans mit seinen unzugänglichen Bergen unter die Verantwortung der ISAF fiele. Dort, an der Grenze zu Pakistan, suchen die US-Truppen seit vier Jahren vergeblich nach Osama bin Laden und den versprengten Taliban.

Die Mission wird nicht einfach, meint Cetin: "Manche Länder zögern sehr in diesem Teil des Landes den Kampf gegen den Terrorismus aufzunehmen. Doch ich denke, wir können zwei unterschiedliche Missionen unter einem Kommando haben. Die in diesem Gebiet bereits existierenden Koalitionstruppen könnten den Kampf gegen den Terrorismus weiterführen und Osama bin Laden oder Mullah Omar und andere Führer der Terrororganisationen fangen." Cetin hofft, dass die Missionen 2006 vereint werden.

Wichtiger Beitrag der Bundeswehr

Dass die Bundeswehr bei der Ausweitung der ISAF-Zone eine wichtige Rolle spielt, begrüßt der NATO-Vertreter Cetin. "Deutschland leistet einen großen Beitrag. Zurzeit spielt es eine sehr wichtige Rolle und unterstützt die NATO mit seinen Soldaten. Und sie machen hier eine ausgezeichnete Arbeit. Deutschland muss das weiterhin tun. Wir haben alle gesehen: Wenn wir nicht nach Afghanistan gehen, kommt Afghanistan zu uns - in Form von Terror. Deshalb ist natürlich unser Hauptziel, Afghanistan zu helfen - für unsere eigene Sicherheit im Westen."

Die Redaktion empfiehlt