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Top-Thema – Podcast

Wenn Traditionen lebensgefährlich werden

Manche Hygienemaßnahmen bei der Ebola-Epidemie in Westafrika widersprechen lokalen Traditionen. Viele Menschen halten trotzdem an ihren Gewohnheiten fest. Doch dabei können sie sich infizieren und auch andere gefährden.

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Wenn Traditionen lebensgefährlich werden – das Top-Thema als MP3

Der Ebola-Virus fordert strenge Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen. Die Epidemie in Westafrika zwingt die Menschen zur Verhaltensänderung. Oft widersprechen die neuen Vorschriften aber den dortigen Traditionen und religiösen Riten. Tote dürfen in Sierra Leone zum Beispiel nicht mehr beerdigt, sondern müssen verbrannt werden, denn die Ansteckungsgefahr ist zu groß.

Je nach Tradition werden Verstorbene normalerweise gewaschen oder aufgebahrt. Nun warnen Gesundheitsexperten vor dem Umgang mit Toten. Viele Menschen haben sich dabei schon infiziert. Pater Peter Konteh, Direktor der Caritas in Freetown, sagt: „Das ist sehr, sehr schwierig. Bei uns ist körperliche Nähe bei Beerdigungen üblich. Familienmitglieder und die religiösen Amtsträger berühren die Toten, segnen sie“, so der Pater.

Viele Menschen halten trotz der Vorschriften an ihren Traditionen fest. Angehörige verstecken sogar Verstorbene zu Hause. Manche holen ihre kranken Angehörigen wieder aus Gesundheitszentren heraus, weil sie gesehen haben, dass andere nicht lebend wieder heraus kamen. Stattdessen hoffen diese Menschen auf die Hilfe von traditionellen afrikanischen Heilern. Denen vertrauen sie oft mehr als Fremden in weißen Kitteln und Anzügen.

Jetzt soll Religion bei der Seuchenbekämpfung helfen. Pater Konteh etwa nutzt den christlichen Gottesdienst als Informationsveranstaltung. Er erklärt dort zum Beispiel, wie die Krankheit sich verbreitet und was man dagegen tun kann. „Über die Hälfte der Bewohner Sierra Leones gehen in die Kirche oder Moschee“, sagt er.


Glossar

Hygiene
(f., nur Singular) – die Maßnahmen, mit denen man Sauberkeit und Reinheit vor allem bei der Behandlung von Krankheiten erhalten will

Epidemie, -n (f.) – die Massenerkrankung

an etwas fest|halten – etwas nicht ändern wollen; etwas beibehalten

sich infizieren – mit etwas in Berührung kommen, das krank macht; krank werden

Virus, Viren (m.) – ein sehr kleiner Organismus, der Krankheiten verursacht

streng – hier: so, dass eine Regel wenig erlaubt und unbedingt eingehalten werden muss

Ritus, Riten (m.) – etwas, das man aus religiöser Tradition immer wieder tut

jemanden beerdigen – einen Toten feierlich in der Erde begraben

Ansteckung, -en (f.) – die Übertragung einer Krankheit auf einen anderen Menschen

jemanden auf|bahren – einen Toten längere Zeit öffentlich zeigen

Umgang (m., nur Singular) – hier: die Tatsache, dass man mit jemandem Kontakt hat

Pater, - (m.) – der Priester in einem katholischen Orden

Beerdigung, -en (f.) – die Feier, bei der ein Toter auf dem Friedhof begraben wird

Amtsträger, -/Amtsträgerin, -nen – jemand, der eine offizielle Aufgabe hat

jemanden segnen – jemandem mit einem Gebet göttliche Kraft und Gnade wünschen

Heiler, -/Heilerin, -nen – hier: jemand, der die Kranken nicht mit westlicher Medizin versorgt, sondern mit traditionellen Bräuchen und → Riten

Kittel, - (m.) – ein Umhang, der aus → hygienischen Gründen getragen wird

Seuche, -n (f.) – die Massenerkrankung; die → Epidemie

Gottesdienst, -e (m.) – eine religiöse Zeremonie im Christentum

sich verbreiten – hier: zu vielen Menschen gelangen; häufiger werden

Moschee, -n (f.) – das Gebäude, in dem Muslime beten


Fragen zum Text

1. Warum sind laut Text viele der Traditionen gefährlich?

a) Weil das Ausüben der Traditionen die Krankheit weiter verbreiten kann.
b) Weil das Ausüben der Traditionen die Krankheit verschlimmern kann.
c) Weil die Traditionen verbieten, etwas gegen die Epidemie zu unternehmen.

2. Warum warnen Gesundheitsexperten vor dem Umgang mit Toten?
a) Weil die Toten erst gewaschen werden müssen.
b) Weil die Toten erst von Experten untersucht werden müssen.
c) Weil die Toten ansteckend sein können.

3. Welche Aussage steht im Text?
a) Die Toten dürfen nicht verbrannt werden.
b) In dem Land, in dem Peter Konteh lebt, gehen die meisten Menschen zur Kirche.
c) Die traditionellen afrikanischen Heiler tragen weiße Kittel.

4. Was kann man nicht in die Lücke einsetzen? „Die Menschen in Westafrika können sich leicht …“
a) anstecken.
b) die Krankheit bekommen.
c) infizieren.

5. Was kann man in die Lücke einsetzen? „Man muss aufpassen, dass sich die Epidemie nicht …“
a) weiter verbreitet.
b) häufiger wird.
c) noch mehr Menschen erreicht.


Arbeitsauftrag
Welche Möglichkeiten fallen euch ein, Menschen in Westafrika aufzuklären und über Ebola zu informieren, ohne ihre religiösen Bedürfnisse komplett zu ignorieren und ihnen ihre Traditionen wegzunehmen?

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