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Europa

Wenn Putin in die Schule kommt

Stell dir vor, du gehst morgens zur Schule - und plötzlich steht Wladimir Putin vor dir! So erging es Schülern der Deutschen Schule Moskau, die derzeit an einem Geschichtsprojekt zum Thema Zweiter Weltkrieg arbeiten.

"Schönen guten Morgen, liebe Freunde!" Der Satz saß, Wladimir Putins Lächeln auch. Mit der Begrüßung auf Deutsch hatte Russlands Präsident die meisten deutschen Schüler sofort auf seiner Seite. Er kam zu den Freunden, die ihn eingeladen hatten - und er kam in die Schule, die er schon kannte: nicht als Staatschef, sondern als Vater.

Denn beide Töchter Putins gingen vier Jahre in den Plattenbau im Südwesten von Moskau. Putin war es wichtig, dass sie Deutsch lernen, so wie er das einst tat, in Dresden während seiner Zeit als Agent des sowjetischen Geheimdienstes KGB.

Deutsche Schule in Moskau (Foto: DW)

Moskau, Prospekt Vernadskogo 103: Die Deutsche Schule

Krieg noch immer sehr präsent

Die Jungen und Mädchen der Deutschen Schule Moskau starten gerade ein Geschichtsprojekt über den Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion 1941. 75 Jahre ist das her. Die Urgroßeltern der heutigen Jugendlichen haben die Katastrophe erlebt. Für viele, die heute 17 sind, ist es ein Kapitel im Geschichtsbuch, mehr nicht. Ganz anders für die 16-jährige Mascha Karelji: Sie wurde in Moskau geboren, ihre Mutter ist Russin, ihr Vater stammt aus Österreich. Der Große Vaterländische Krieg, wie der Zweite Weltkrieg hier in Russland heißt, ist für Mascha ein Stück Familiengeschichte.

"Das ist sehr wichtig. Meine Großeltern haben darunter gelitten. Das darf nicht vergessen werden", sagt Mascha im perfekten Deutsch. Ihr Mitschüler Stefan Schneider ergänzt: "Schuld empfinde ich schon, aber vor allem tun mir die Menschen damals leid, die Russen genauso wie die Deutschen, weil sie ja am Ende alle unter dieser Schreckensherrschaft gelitten haben."

Und deshalb diskutieren, arbeiten, spielen und essen Jugendliche aus Russland und aus Deutschland im Rahmen des Geschichtsprojekts eine Woche lang gemeinsam. Keine Selbstverständlichkeit, dass 16-jährige Jugendliche Sätze wie diesen sagen: "Gerade wir müssen die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland festigen. Alles hängt von uns ab."

T-Shirt eines Schülers (Foto: DW)

Es geht um Erinnern, Gedenken und Versöhnen

Die Kinder und Jugendlichen, die an der Deutschen Schule Moskau lernen, sind Deutsche, die in Russland leben sowie Russen, die Deutschland - vor allem seine Sprache und Werte - schätzen.

Blick zurück in schwieriger Zeit

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind derzeit nicht einfach. Deutschland unterstützt westliche Sanktionen gegen Russland als Reaktion auf das russische Vorgehen in der Ostukraine und auf die Annexion der Krim. Der Name von Kanzlerin Angela Merkel fällt in diesem Zusammenhang fast täglich in den russischen Medien. Ein Name, den viele in Moskau mittlerweile ausschließlich mit einer rigorosen Politik gegen Russland in Zusammenhang bringen.

Und ausgerechnet in dieser schwierigen politischen Situation kommt der russische Präsident zu deutschen und russischen Schülern und spricht über eine gemeinsame Zukunft. Nicht umsonst unterstreicht er gerade hier, dass Russland und Deutschland immer dann wirtschaftlich erfolgreich waren, wenn sie zusammengearbeitet haben. Und er spricht vom Humanismus, der in den Köpfen und Herzen der jungen Menschen verankert werden soll.

Ein angenehmer Termin für Putin

Der Präsident steht da und lächelt fast ununterbrochen. Der Termin scheint ihm zu gefallen. Kritik kommt keine. Nach einer dreiviertel Stunde fährt Putin wieder weg. Die Schülerinnen und Schüler sind noch ganz verblüfft, wie nah sie dem russischen Präsidenten kommen konnten. Besonders die russischen Jugendlichen sind noch ganz aus dem Häuschen.

"Das zeigt doch, wie wichtig Putin die deutsch-russischen Beziehungen sind, nicht nur in der Wirtschaft", hört man mehrmals. Hier in dem kleinen Areal Deutschland in Moskau, hinter einem ziemlich hohen Zaun, klingt das voller Hoffnung.

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