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Kultur

"Wenn man einen Freund hat ..."

Seine Geschichten vom Bären und vom kleinen Tiger finden sich in fast jedem Kinderzimmer, in Büchereien und Kindergärten. Janosch, alias Horst Eckert und einer der bekanntesten Kinderbuchautoren Deutschlands, wird 75.

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Bilderbuchautor Janosch wird 75

Wer eines der vielen Bücher des Kinderbuchautoren und -illustratoren Janosch aufschlägt, der findet eine Welt vor, die aufregend und abenteuerlich ist - aber auch voller Wärme, Solidarität und Freundschaft: "Wenn man einen Freund hat, dann braucht man sich vor nichts zu fürchten": Das ist das Motto der vielen Figuren aus der Feder von Janosch.

Die kunterbunte Janosch-Welt

Janosch Geburtstag, NDR-Walross Antje mit Tiger und Bär

Janosch-Zeichentrickfiguren: Tiger, Walross Antje und Bär

Da gibt es zottelige Löwen, zerzauste kleine Bären, Tiger, eine Maus mit roten Strümpfen, einen Hasen mit Namen "Jochen Gummibär" und einen Kastenfrosch, der so heißt, weil er immer einen Kasten bei sich hat. Das Janosch-Universum ist keine heile Welt, aber eine freundliche, weil die Tiere und Menschen sie freundlich machen.

Eine Welt, die sich Janosch als kleiner Junge wohl selbst gewünscht hätte. Am 11. März 1931 wurde er als Horst Eckert im oberschlesischen Hindenburg, heute Zabrze in Polen, geboren. Er wuchs in einer Bergarbeitersiedlung abwechselnd bei den Großeltern und den Eltern auf - unter nicht gerade harmonischen Bedingungen, wie er es oft in Interviews erzählte.

Unglückliche Kindheit

"Erstens war mein Vater ein Säufer. Er hatte eine Hundepeitsche, um mir beizubringen, was er für richtig hielt. Er prügelte auch meine Mutter und sie wiederum mich. Und dann steckte man mich in die Kirche und da fing die Bedrohung an: 'Wenn du nicht glaubst, was wir dir sagen, wenn du nicht tust, was wir dir sagen, dann kommt das Schlimmste, was nämlich nach dem Tod passiert.' Und ein kleines Kind glaubt das ja, gell, du wirst als Sünder geboren, als Ergebnis einer Sünde, die begangen wird und dann fängt die Verwirrung an. Ich war mit 13 in einer totalen Psychose."

Nicht gerade das, was man einen guten Start ins Leben nennt. Aber Janosch, wie er sich später nannte, hat sich retten können - nicht zuletzt mit Hilfe der Kunst. Nach einer Lehre als Schmied fing er an zu zeichnen. Er habe zeichnen gelernt und die Welt besser begriffen, hat er später gesagt. Nach dem Zweiten Weltkrieg floh die Familie nach Westen in die Nähe von Oldenburg.

Mädchen motivierten ihn zum Schreiben

Amüsiert erinnert sich Janosch an seine ersten Schreibversuche: "Als ich anfing Bücher zu machen, da war ich um die zwanzig, und eigentlich schrieb ich für die Mädels, um die rumzukriegen, was mir dann nicht gelungen ist."

Doch zumindest der kommerzielle Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: 1960 erschien sein erstes Kinderbuch, und schon bald bezauberte Janosch Kinder in aller Welt. Über 300 Bücher hat er im Laufe der Jahre geschrieben und illustriert. Sie wurden in 40 Sprachen übersetzt und erreichten bisher weltweit eine Auflage von rund 12 Millionen Exemplaren.

"Oh, wie schön ist Panama!"

Buch Janosch Ach, so schön ist Panama, Bär und Tiger

"Oh, wie schön ist Panama"

1979 erschien der Titel, mit dem er richtig berühmt wurde und für den er im selben Jahr den Deutschen Jugendliteraturpreis bekam: "Oh, wie schön ist Panama". Das ist die Geschichte vom Bär und vom Tiger, die ausziehen, um Panama zu finden, den Ort ihrer Träume. Am Ende stellen sie dann fest, dass ihr 'Panama' ihr eigenes zu Hause ist.

Weggehen um anzukommen: was für eine philosophische Botschaft - und so wunderbar in Bild und Text gesetzt, dass auch viele Erwachsene das Buch heute noch in ihrem Bücherschrank stehen haben.

Eine Tigerente zieht um die Welt

Begleiter bei dieser Suche nach dem paradiesischen Panama: die kleine Tigerente. Die Ente mit den gelb-braunen Tigerstreifen ist längst Janoschs Markenzeichen geworden - und ein gut verkäufliches Objekt in der Merchandising-Industrie, die sich mittlerweile um seine Figuren gebildet hat. Die Tigerente gibt es auch als Wärmflasche und Stofftier, als Aufkleber und Holzspielzeug. Im deutschen Fernsehen ist sie außerdem das Wappentier des "Tigerenten-Clubs", einer mehrfach ausgezeichneten Kinder-Sendung.

Janosch selbst lebt längst in weiter Ferne: nach selbstzerstörerischen Jahren in München, seinem "Schwabinger Lotterleben", wie er es nennt, hat er allen überflüssigen Besitz verbrannt und sich 1980 auf die Kanaren-Insel Teneriffa zurückgezogen. Dort arbeitet er manchmal wie ein Besessener an Büchern oder Filmen - oder liegt einfach nur in seiner Hängematte. Oh wie schön ist Panama!

Seine eigene Kindheit hat er trotzdem nie vergessen. In Büchern für Erwachsene, die nicht so bekannt sind, hat er darüber auch geschrieben. "Kindheit ist selten schön" - so lautet eine Erkenntnis von ihm. Sie ein bisschen schöner zu machen, dazu trägt er mit seinen Büchern immer wieder bei.