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Politik

Wenn Knoblauch aus anderen Gründen stinkt

Die europäische Knoblauch-Polizei ist unerbittlich. Der zügellose Zustrom illegaler Würzknollen aus China soll unter allen Umständen gestoppt werden.

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Das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung mit der lustigen Abkürzung OLAF hat die Knoblauchfrage zu einer seiner wichtigsten Aufgaben im Argarbereich erhoben.

OLAF hat in dieser Woche sogar zu einem Knoblauch-Seminar nach Pörtschach in Österreich gebeten. Da wurden keine Kochrezepte ausgetauscht, sondern die verschlungenen Pfade, die frischer Knoblauch aus China in die EU nimmt, schonungslos offen gelegt.

Auf chinesischen Knoblauch erhebt die Union einen Einfuhrzoll von knapp zehn Prozent des Wertes. Pro See-Container mit 20 Tonnen Knofi sind das schlappe 24.000 Euro. Die fiesen Schmuggler sparen diesen Zoll, indem sie die Knoblauchzehen einfach umdeklarieren. Sie leiten den China-Knoblauch in Länder um, die keinen Zoll entrichten müssen, wie zum Beispiel Myanmar, Serbien oder Bulgarien. Von dort aus wird er dann in die EU verschoben. Gefälschte Knoblauch-Papiere, die zum Himmel stinken, sind die Regel, klagt OLAF.

Besonders perfide: Frischer Knoblauch wird zu "Elefantenfuß"-Knoblauch umgemünzt, der von Natur aus zehenlos und daher zollfrei ist. OLAF schätzt, dass die chinesische Knoblauchmafia im Jahr rund 60 Millionen Euro Schaden anrichtet.

Bedenklich findet OLAF, dass Bulgarien als künftiges Mitgliedsland eines der großen Einfallstore für die illegale Knoblauchschwemme ist. Korrupte bulgarische Knoblauchbarone verdienen offenbar mit.

Rumänien ist nicht betroffen, da der Knoblauch im Land in Transsylvanien zur Eindämmung einer Vampirplage verbraucht wird.

OLAF fordert jetzt neue geheimdienstliche Methoden, um der Knoblauch-Unterwelt das Handwerk zu legen. Ein (Knofi-) Hauch von James Bond umweht die schlichten Bürogebäude von OLAF in Brüssel. Und wenn OLAF mit den weißen Zwiebeln fertig ist, kommen gefälschte Möhren aus Malwonien oder raubkopierte Radieschen aus Randistan an die Reihe.

Das ganze Drama ließe sich umgehen, würde man das Grünzeug nur noch getrocknet oder gefroren in die EU hineinlassen. Dann wäre es nämlich komplett zollfrei.

  • Datum 11.10.2006
  • Autorin/Autor Bernd Riegert, Brüssel
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  • Permalink http://p.dw.com/p/9Ek0
  • Datum 11.10.2006
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