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Deutschlehrer-Info

Wenn Kinder nicht zur Schule gehen

In Deutschland wird vermehrt über Schulschwänzer diskutiert. Bildungsministerin von der Leyen möchte mehr Druck auf die Eltern ausüben und Bußgelder erheben. Doch Experten bezweifeln, dass Strafen das Problem lösen.

Tausende Kinder in Deutschland bleiben täglich dem Unterricht fern, obwohl sie gesetzlich zur Teilnahme verpflichtet sind. Genaue Zahlen gibt es nicht, doch für die weiterführenden Schulen schätzen Experten die Quote regelmäßig schwänzender Jugendlicher auf 5 bis 10 Prozent.

Cortina Gentner von der Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung weist aber darauf hin, dass zum Phänomen der Schulverweigerung auch ständiges Stören oder zu spätes Erscheinen im Unterricht gehöre. Gentner zufolge haben je nach Schulform bis zu 15 Prozent einer Klasse „keinen Bock auf Schule“. Besonders häufig schwänzten Acht- und Neuntklässler. In Haupt- und Sonderschulen gebe es mehr Schulverweigerer als in Gymnasien, erläutert die Expertin.

Wenn es nach Bildungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) geht, sollen die Eltern von schwänzenden Jugendlichen Bußgelder zahlen. Helfe das nicht, könne auch die Polizei zu ihnen nach Hause geschickt werden. Ob aber Strafen und Druck wirklich einen Nutzen haben, ist umstritten.

Viele Experten sehen in Bußgeldern bestenfalls das letzte Mittel, das lediglich im Einzelfall helfen würde. Sie verweisen vor allem auf die Gründe des Schulschwänzens, wie z. B. Schulangst oder Mobbing durch Klassenkameraden, eine schlechte Lernatmosphäre oder zu große Klassen. Außerdem spiele Perspektivlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt gerade bei schlechten Schulleistungen eine Rolle.

„Viele Jugendliche wissen gar nicht, was ihnen der Schulstoff überhaupt bringt“, berichtet Gentner. Sie begrüßt daher Initiativen wie das Projekt „Auszeit“, bei dem Schüler für drei Monate eine Produktionsschule statt ihrer allgemeinbildenden Schule besuchen. Dort wird gemauert, gedruckt oder gekocht – echte Produkte und Dienstleistungen für echte Kunden, hebt Gentner hervor. Das motiviere, wieder zu lernen, am Unterricht teilzunehmen und berufliche Perspektiven zu entwickeln.

ip/rh (dpa)