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Kultur

Wenn Journalisten mit ihrem Text ringen

Wie schreiben Journalisten am PC? Diese Frage hat sich der Schweizer Wissenschaftler Daniel Perrin gestellt. Wer das eigene Schreibverhalten kennt, kommt leichter zum Ziel - so sein neu veröffentlichtes Ergebnis.

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Unbewusste Schreibprozesse

Was geschieht am Bildschirm, was im Kopf der Schreibenden, wenn sie am Computer unter Zeit- und Kostendruck aus Quellentexten eigene Beiträge produzieren? Was tun Nachrichtenjournalisten genau, wenn sie abschreiben, umschreiben, kopieren und einfügen? Wieso tun sie es und wie beeinflusst ihre Technik die Dramaturgie des neuen Nachrichtentextes? Um auf all diese Fragen gültige Antworten zu finden installierte Perrin an mehreren PCs von Journalisten eine im Hintergrund laufende Software, die den gesamten Schreibvorgang aufzeichnete. Auf diese Weise bekam er Daten über das Schreibverhalten von 17 Personen aus verschiedenen Medienbereichen – von der Nachrichtenagentur, über die Tageszeitung bis hin zum Hörfunk.

Perrin konnte genau beobachten, mit welchen Textstellen die Autoren zu kämpfen hatten und welche ihnen leicht fielen. Sein Fazit: Nachrichtendramaturgie ist das Ergebnis von personentypischen und universellen Grundmustern im Schreibprozess. Diese Grundmuster muss ändern, wer mit weniger Aufwand bessere Texte schreiben will. Und: wer das eigene Schreibverhalten kennt, kommt leichter zum Ziel.

Wie sehen Schreibprozesse eigentlich aus?

Schreibprozesse reichen vom linearen "Herunterschreiben" einer kurzen Meldung bis hin zum aufwendigen Ringen mit einem Text, bei dem der Verfasser immer wieder an verschiedenen Stellen springt und Änderungen vornimmt. Ein Schreibprozess bginnt mit ersten vagen Ideen und endet dann, wenn der Verfasser den endgültigen Text vor sich liegen hat.

Erfahrene Schreiber planen ihre Texte gründlicher als Anfänger. Die Überarbeitung erfolgt in mehreren Durchgängen, bei denen sich die Verfasser innerlich von ihrem Werk distanzieren. Neben der Erfahrung der Journalisten werden die Schreibprozesse auch von der Art des zu Grunde gelegten Quellenmaterials und der verfügbaren Zeit beeinflusst. Wer schon länger im Beruf ist, geht sehr viel bewusster mit seiner Schreibtechnik um, setzt vielfältigere Schreibstrategien ein und gelangt zu qualitativ besseren Textergebnissen. Weniger erfahrene Schreiber hingegen verlieren Perrin zufolge "Zeit und Überblick mit fragmentarischem Kopieren und kleinräumigem Hin-und-her-Korrigieren im Text". Sein Tipp für angehende Journalisten: Übung macht den Meister. (lf)

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