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Kultur

Wenn in Kaschmir die Quellen versiegen

Im pakistanischen Teil Kaschmirs haben über 1200 Dörfer durch das Erdbeben vom 8. Oktober ihre Wasserversorgung verloren. Die Dresdner Organisation arche noVa verhilft einigen Dörfern zu neuen Wassersystemen.

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Nordpakistan nach dem Erdbeben, im Mai 2006

Bergauf, bergauf, immer nur bergauf. Eine dreiviertel Stunde lang. Dann endlich hat das Team von arche noVa, das sein Feldlager am Rand der Kleinstadt Hattian Bala aufgeschlagen hat, das kleine Kaschmir-Dorf Gil Sachian erreicht. Teamleiter Sven Seifert nimmt einen tiefen Schluck aus der Wasserflasche. Die Höhensonne brennt, der Schweiß rinnt in Strömen.

Nordpakistan nach dem Erdbeben

Das arche noVa Team zu Fuß unterwegs in das Bergdorf Gil Sachian

Doch die Deutschen sind das Bergsteigen längst gewöhnt. "Es gibt schlimmere Dörfer, wo wir noch weiter hochsteigen müssen." Auch Bernd Zschätzsch kraxelt an fünf Tagen in der Woche hoch in die Berge. "Mir gefällt es hier im Gebirge ganz besonders, weil auch die Menschen hier besonders herzlich sind, je weiter man hoch kommt", findet der Wetter gegerbte Ingenieur.

Wiederaufbau von zerstörten Wassersystemen

Arche noVa arbeitet mit fünfzehn Bergdörfern in der Umgebung von Hattian Bala zusammen. Je weiter man hochkommt, desto knapper wird das Wasser. Die 300 Bauernfamilien von Gil Sachian haben durch das Erdbeben vom 8. Oktober ihre Lebensgrundlage verloren. Früher gab es früher viele kleine Quelle, die die Menschen ausreichend mit Wasser versorgten. Aber durch die Erdrutsche, die das Beben auslöste, sind viele Quelle komplett versiegt. "Wir hatten plötzlich kein Wasser mehr. Unsere Frauen mussten viele Stunden bergab gehen und das Wasser dann bergauf zurück ins Dorf schleppen."

Nordpakistan nach dem Erdbeben

Das Kaschmir-Dorf bekommt eine neue Wasserversorgung

Ein Fall für arche noVa. Die kleine Hilfsorganisation aus Dresden hat sich darauf spezialisiert, zerstörte Wassersysteme wiederaufzubauen. "Aber wir geben den Leuten kein Geld“, erklärt Projektleiter Sven Seifert, „sondern wir besorgen das nötige Baumaterial und stellen unser Wissen zur Verfügung. Alles andere muss von den Betroffenen selber kommen." Arche noVa arbeitet seit fünfzehn Jahren unter vergleichbaren Umständen. Inzwischen setzt die Organisation sehr stark auf Hilfe zur Selbsthilfe. "Wir mussten auch die bittere Erfahrung machen, dass humanitäre Arbeit und Entwicklungshilfe auch sehr negative Auswirkungen haben kann", kommentiert Sven Seifert

Idealfall Hilfe zur Selbsthilfe

In Gil Sachian graben die Männer gerade die letzten Plastikrohre ein, die sie vorher mühsam nach oben geschleppt haben. Die Rohre verbinden das Dorf mit einer neu entdeckten Quelle, die noch viel höher in den Bergen liegt. Ingenieur Bernd Zschätzsch begleitet die schwierigen Bauarbeiten mit Rat und Tat. Er ist beeindruckt, wie aktiv die einheimischen Bauern mitarbeiten. "Als die Hauptleitung noch im Bau war, sind schon früh morgens um fünf Uhr dreißig bis vierzig Leute am Werk gewesen. Das war auch wirklich harte körperliche Arbeit, ungefähr 1800 Meter Rohrleitung durch steiles, felsiges Gelände zu legen." Inzwischen haben rund 2400 Menschen wieder in erreichbarer Nähe Zugang zu Wasser. arche noVa hat durchgesetzt, dass Gil Sachian ein eigenes Wasserkomitee gründet. "Wenn die Deutschen weg sind", erklärt Bauer Shabir Ahmad, "tragen wir die Verantwortung. Und später müssen wir die Wasserleitungen regelmäßig kontrollieren und reparieren, damit sie lange halten."

Nordpakistan nach dem Erdbeben

Bauer Shabir Ahmad, Mitglied im Wasserkomittee von Gil Sachian

Die Bürokratie frisst das Projekt

Gil Sachian ist nur ein Dorf von fünfzehn. Die Zusammenarbeit mit seinen Bewohnern kommt dem Idealfall ziemlich nahe. Aber es läuft nicht immer so glatt. arche noVa muss auch Rückschläge verkraften, Dörfer, die mitten im Projekt abspringen, weil von anderer Seite Bargeld winkt. Sven Seifert stöhnt auch über ausufernde Bürokratie. Kaum zurück im Feldlager, setzt er sich an seinen Computer und schreibt den nächsten Wochenbericht für die Regierung im fernen Islamabad. "Auf der einen Seite ist es richtig, dass die Regierung versucht, die ganzen Hilfsorganisationen, die ja zu Hunderten im Land auftauchen, zu kontrollieren und zu koordinieren. Aber gerade in Ländern wie hier schlägt das dann sehr schnell in eine Bürokratie um, die viele Ressourcen bindet und dadurch natürlich sehr viel Geld frisst." Sollte die konkrete Projektarbeit auf Dauer unter dieser Last leiden, will arche noVa seinen Einsatz in Kaschmir überdenken.

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