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Politik

Wenn im Kopf das Kätzchen schnurrt

Dröhnender Kopfschmerz. Bleierne Schwere in den Gliedern. Im Mund fühlt es sich an wie in der Wüste Gobi. Beinahe jeder Russe weiß, was das ist: der Kater am Morgen danach. Stephan Hille kennt diverse Betäubungsmittel.

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Der klassische Kater wird in Russland liebevoll "Pochmelje" gennant wird. Zwar brüsten sich die Russen häufig damit, das als "Wässerchen" verniedlichte Nationalgetränk Wodka in beachtlichen Mengen zu vertragen - doch um den Kater kommt auch Iwan Normal-Schlucker in der Regel nicht herum. Schließlich ist es in Russland ein Brauch, den Wodka in Begleitung von Bier zu konsumieren. Und dafür hat der Russe wiederum eine einleuchtende Erklärung: "Wodka ohne Bier ist in den Wind geworfenes Geld."

Die Mittelchen von Mütterchen Natur

Nun gibt es in Russland etwa ebenso viele Arten, den Kater zu bekämpfen wie Wodka-Sorten: nämlich Hunderte. Die gängigste Methode sieht den Verzehr von eingelegten Gurken und Fisch oder gesalzenem Kohl vor. Eine ganze Web-Site mit Rezepten ist diesem Thema gewidmet (siehe Anhang). Ein Web- und Wodka-User aus Kaliningrad empfiehlt beispielsweise folgende Mixtur: 200 Gramm Orangensaft, dazu eine Zitrone mit Schale und ein rohes Ei. Die Linderung erfolge auf dem Fuße, verspricht der Kaliningrader Kater-Spezialist.

Wenn Naturprodukte aus dem Obst- und Gemüsegarten gerade nicht zur Hand sind, bietet sich die ebenfalls beliebte Methode an, das Böse mit dem Bösen zu bekämpfen: Ein Pils und wei bis drei Wodka lassen den Kater am Morgen alsbald weniger finster erscheinen. Doch inzwischen gibt es eine einfachere Methode, die auch für einen klaren Kopf sorgen soll: Die Pille gegen den Kater.

Das Mittelchen aus der Agentenküche

"Anti-Pochmelin" heißt das russische Wundermittel, das inzwischen in Serie produziert wird und von jedem Moskauer Apotheker mit verständnisvollem Grinsen überreicht wird. "Anti-Pochmelin" ist ein reines Naturprodukt, Hauptzutaten sind Bernsteinsäure, Ascorbinsäure und Traubenzucker. Die Dosierungsanleitung ist denkbar einfach: Die Hersteller empfehlen die Einnahme von zwei bis vier Tabletten, vor, während oder nach dem Alkoholgenuss. Unverträgliche Nebenwirkungen sind nicht bekannt, und mit einem Preis von umgerechnet achtzig Cent für sechs "Anti-Pochmelin"-Tabletten sind die Wunderpillen nahezu ein Preishammer - und beinahe billiger als die Flasche Bier am Kiosk.

Die Enstehungslegende der Anti-Kater-Pille hingegen klingt wie aus dem Agentenroman. Demnach sollen russische Wissenschaftler während des Kalten Kriegs an einem Mittelchen geforscht haben, das die KGB-Agenten in die Lage versetzen sollte, die Schlapphüte des Klassenfeindes unter den Tisch trinken zu können - und dabei einen klaren Kopf zu behalten. Zwar konnte die sogenannte "KGB-Pille" den Kreml-Tschekisten nicht den Rausch ersparen, doch immerhin soll das Mittel erfolgreich für einen klaren Kopf gesorgt haben. Auch Leonid Breschnew, der einzige wahre Lebemann unter den KP-Herrschern im Kreml, soll von der Pille seiner "Dienste" regelmäßig Gebrauch gemacht haben.

Katerbekämpfung mit Klassenfeind

Erst 1999 wurden die Geheimnisse um die "KGB-Pille" deklassifiziert und die gewonnenen Erkenntnisse der öffentlichen Rausch-Forschung zugänglich gemacht. Russische Wissenschaftler forschten weiter und inzwischen wird "Anti-Pochmelin" seit drei Jahren erfolgreich - vor allem vor Feiertagen - auf dem russischen Markt vertrieben. Doch nicht nur dort: In den Vereinigten Staaten, vor allem im Party-Umfeld der Hollywoodstars, soll die Pille unter dem Namen "RU-21" ein wahrer Renner sein. Offenbar sind Russland und die Vereinigten Staaten auch im Kampf gegen den nationalen und internationalen Kater Partner geworden.

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