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Kultur

Wenn Häuser tanzen lernen

Die gerade Linie ist nicht sein Ding. Frank O. Gehrys dekonstruktivistische Bauten sind spektakulär. Der geniale Architekt und Schöpfer des Bilbao-Effekts feiert seinen 80. Geburtstag (28.2.2009).

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80 Jahre und kein Interesse am Ruhestand: Frank O. Gehry

Gehrys Projekte sind nichts von der Stange: sie besitzen einen collageartigen Charakter, bei dem auseinanderstrebende Bauelemente verknüpft werden. Architektonische Harmonie ist da eher Nebensache. Besonders charakteristisch für seine Bauten sind schwierige Winkel, kippende Räume, umgekehrte Formen und gewagte Materialkombinationen. Bereits in den 1970er Jahren hatte Gehry seine Ideen von der Auflösung der herkömmlichen Architektur in einer theroretischen Abhandlung veröffentlicht, die in der US-amerikanischen Fachpresse großes Aufsehen erregte. 1979 setzte er seine Theorie beim Umbau des eigenen Hauses erstmals in die Praxis um.

Düsseldorf Mediahafen

Büros in Wellenform im Düsseldorfer Hafen

Vom Lastwagenfahrer zum Stararchitekten

Frank Owen Gehry wurde am 28. Februar 1929 im kanadischen Toronto geboren. Sein eigentlicher Geburtsname lautet Ephraim Owen Goldberg - und weist damit auf die jüdische Vergangenheit der Familie hin. Die Großeltern hatten zu Beginn des 20. Jahrhunderts Polen verlassen und waren mittellos nach Kanada eingewandert. In einfachen Verhältnissen aufgewachsen, arbeitete Frank O. Gehry nach dem Umzug der Familie 1947 nach Los Angeles als Lastwagenfahrer und Flugzeugwäscher, bevor er Architektur studierte.

Nachdem Gehry mehrere Jahre in verschiedenen Architekturbüros gearbeitet hatte, machte er sich 1962 in Los Angeles selbständig. In dieser Zeit änderte der Architekt auf Drängen seiner ersten Frau den Nachnamen Goldberg in Gehry um; befürchtete Nachteile wegen des jüdischen Klanges sollten damit vermieden werden. 1983 hatte er es dann geschafft: mit der Einweihung des "Museum of Contemporary Art" in Los Angeles war ihm der entgültige Durchbruch in die erste Liga der Stararchitekten gelungen.

Guggenheim Museum in Bilbao

Exzentrischer Riesenwurf: das Guggenheim Museum Bilbao

Pionier des Dekonstruktivismus

Der Umbau seines Hauses 1979 machte Gehry in der US-amerikanischen Architekturszene mit einem Schlag berühmt; man feierte ihn als bedeutenden Repräsentanten des Dekonstrukivismus. Allerdings fühlte Gehry sich selbst nicht dieser Richtung zugehörig. In einem Interview begründete er seinen architektonischen Stil damit, innere Zweifel zu haben und nicht an eine heile und gradlinige Welt zu glauben. Nach mehreren Bauprojekten in den USA und Frankreich entstand mit dem 1989 fertiggestellten "Vitra Design Museum" in Weil am Rhein der erste Gehry-Bau in Deutschland.

Museum Marta Herford

Wo bitte ist denn hier der Eingang? Fragt sich so mancher Besucher des Museums MARTa Herford

Bilbao und die Folgen

Das zweifellos bekannteste Projekt des Architekten ist das 1997 eingeweihte neue Guggenheim-Museum im spanischen Bilbao, das weltweit als "Höhepunkt der modernen Architektur" bejubelt wurde. Allerdings setzten auch die Kosten für das exzentrische Gebäude neue Maßstäbe. Dennoch rechnete sich das Unternehmen: seit seiner Eröffnung pilgern jährlich rund 700.000 Besucher zu Gehrys Guggenheim-Museum. Die Begeisterung für das Haus löste einen "Bilbao-Effekt" aus und bescherte dem Stararchitekten und seinem Team eine Flut von neuen Aufträgen.

Unter den deutschen Bauprojekten Gehrys ragen insbesondere die "tanzenden" Häuser im Düsseldorfer Medienhafen, der geschraubte Büroturm in Hannover und das Museum für Kunst und Design MARTa im ostwestfälischen Herford. Das spektakuläre Gebäude besticht durch einen ausbuchtenden Baukörper mit großzügigen Kurven und gehört zu den aufregendsten Museumsbauten in Deutschland.

Nicht nur Häuser

Allerdings reizte Frank O. Gehry nicht nur Architektur, sondern auch Design. Bereits in den 70er Jahren entwarf er Billigmöbel für Warenhäuser, die seinen Vorstellungen einer modernen Wegwerfkultur entsprachen. Aus mehrschichtigem Wellpapier, das seine Naturfarbe behielt, schuf er Stühle, Sessel und schwere große Tische in kühnen Formen. Gut 20 Jahre später bewies Gehry erneut den meisterlichen Umgang mit Sperrholzplatten und gebogenem Holz: 1992 stellte er die Prototypen für die neue Stuhlkollektion von "Knoll International" vor.

Ruhestand kennt der Stararchitekt nicht: derzeit plant und baut er mehrere internationale Großprojekte wie beispielsweise das neue Guggenheim-Museum in Abu Dhabi, das 2011 eröffnet werden soll, das "Museum der Toleranz" in Jerusalem und ein Kulturzentrum am Ground Zero in New York. An Ideen mangelt es Frank O. Gehry wahrlich nicht.