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Fußball-Nationalmannschaft

Wenn Fußball zur Nebensache wird

Gegen Norwegen könnte der Fußball-Weltmeister das WM-Ticket für Russland bereits buchen. Doch vor dem richtungsweisenden Qualifikationsspiel liegt der Fokus noch immer auf dem Nazi-Eklat von Prag.

Hat der DFB ein Problem mit Teilen seiner Fanszene? Die Pöbeleien und Naziparolen beim Spiel gegen Tschechien in der WM-Qualifikation lassen das vermuten. Und so geriet das Sportliche bei der Pressekonferenz vor dem WM-Qualifikation gegen Norwegen (Montag, Anstoß um 20.45 Uhr MESZ, ab 20.30 Uhr im DW-Audio-Livestream) zunächst in den Hintergrund.

Bundestrainer Joachim Löw schob alle Fragen zum Spiel nach hinten und fand deutliche Worte: "Ich bin voller Wut und sehr, sehr angefressen über das, was passiert ist." Es gehe nicht, "dass einige sogenannte Fans die Bühne des Fußballs und eines Länderspiels benutzen, um mit ihrem oberpeinlichen Auftreten viel Schande über unser Land zu bringen", sagte der Bundestrainer.

Etwa 200 deutsche "Chaoten", wie Löw sie nannte, hatten am Freitag während des Quali-Spiels gegen Tchechien (2:1) gepöbelt, beide Nationalhymnen und eine Schweigeminute mit Schmähungen gestört. Es gab vereinzelte "Sieg Heil"-Rufe. "Ein unsägliches Verhalten", so Löw. 

Löw: "Zutiefst verachtenswert"

Bundestrainer Löw forderte auch harte Konsequenzen: "Jeder von diesen Leuten, der nicht ins Stadion kann und darf, ist ein absoluter Gewinn." Bei aller Rivalität müsse im Stadion alles auf vertretbarem Niveau ablaufen, stellte Löw klar: "Diese Chaoten wollen wir nicht, das ist auch nicht deren Nationalmannschaft und das sind auch nicht unsere Fans. Das ist unterste Schublade und zutiefst verachtenswert."

Die Mannschaft hatte sich bereits am Freitag eindeutig positioniert. Sprachrohr war Mats Hummels, der die Vorfälle "eine Katastrophe" nannte. "Dass die Mannschaft nicht in die Kurve gegangen ist, war das absolut richtige Zeichen", lobte Löw.

Grindel: "Dulden keine faschistischen Schlachtrufe"

Dabei schien das Problem mit pöbelnden und gewaltbereiten Zuschauern zumindest rund um das DFB-Team schon eingedämmt zu sein. Denn beschämende und sogar noch abscheulichere Auftritte von mitgereisten Hooligans hat es in der Vergangenheit häufig bei Spielen des Nationalteams gegeben. Bei der Weltmeisterschaft 1998 wurde in Lens der französische Gendarm Daniel Nivel von deutschen Schlägern angegriffen und lebensbedrohlich verletzt.

Vor allem bei Spielen in osteuropäischen Ländern kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und nationalsozialistischen Provokationen. "Wir alle müssen uns ganz klar distanzieren von Krawallmachern, die mit Nazisprüchen und beleidigenden Äußerungen aufgefallen sind", sagte DFB-Chef Reinhard Grindel: "Wir werden niemals faschistische, rassistische, beleidigende oder homophobe Schlachtrufe dulden."

Löw verurteilt Schmähungen gegen Werner

Ein Zeichen für seinen Stürmer Timo Werner setzte der Bundestrainer vor dem Spiel in Stuttgart ebenfalls. Der Leipziger, der seit einer Schwalbe in der Bundesliga in allen Stadien beleidigt wird, kehrt nach Stuttgart zurück, wo er seit seinem Abschied nach dem Abstieg 2016 nicht gern gesehen wird.

WM Qualifikation Tschechische Republik - Deutschland Werner (picture-alliance/GES/M Guengoer)

Schießt trotzdem weiter Tore - der von vielen deutschen Fans verunglimpfte Nationalspieler Timo Werner (2.v.r.)

Die Schmähungen gegen Werner, die sich auch in Tschechien wiederholten, nannte Löw ebenfalls "oberpeinlich". "Das ist weder fair noch lustig", betonte er, und er appellierte an alle Fans, jeden Spieler zu unterstützen. "Timo ist nach dem Abstieg gegangen", sagte Löw, "das mag VfB-Fans nicht gefallen, ist aber völlig legitim."

Makellose Bilanz

Trotz allem: Mit einem Sieg gegen die abgeschlagenen Norweger können die deutschen Titelverteidiger, die nach sieben Spielen eine makellose Bilanz haben, vorzeitig das Ticket zur WM 2018 in Russland lösen. Voraussetzung dafür ist ein Patzer des Verfolgers Nordirland gegen Tschechien.

Mit dem WM-Ticket vor Augen wird Löw "auf jeden Fall zwei, drei Veränderungen" vornehmen. Julian Draxler werde spielen, auch Sami Khedira, falls dieser nach einer Kniereizung rechtzeitig fit wird. "Ich hoffe, dass ich die Möglichkeit bekomme, mich an alter Wirkungsstätte zu beweisen", sagte der Weltmeister, der aus eigener Tasche 1200 Eintrittskarten gekauft und an benachteiligte Kinder verteilt hat. Im Tor steht wieder Marc-André ter Stegen.

Im achten WM-Qualifikationspiel ist der achte Sieg eingeplant. Zweifel am WM-Ticket gibt es im deutschen Lager seit Monaten nicht mehr. Die Planung für Russland läuft, die Quartiersuche soll zeitnah abgeschlossen werden.

og/tk (mit sid, dpa)

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