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Fußball

Wenn Fußball-Profis arbeitslos werden

Die Spielergewerkschaft VDV hat ein weltweit einmaliges Angebot für arbeitslose Fußballer: Drei Monate Trainingslager und Testspiele, zu denen Scouts geladen werden. Vermittlungs-Quote: 80 Prozent.

Arbeitslose Ex-Fußball-Profis im Lehrraum der VDV, (Foto: Olivia Fritz)

Büffeln für einen neuen Vertrag - der Lehrraum der VDV

Wenn Fußball-Profis arbeitslos werden

Thomas Cichon hat es eilig. "Ich muss leider los, ich muss noch zum Arbeitsamt“, sagt er entschuldigend und verschwindet in der Kabine. Noch vor fünf Jahren spielte der Verteidiger in der Bundsliga beim 1. FC Köln, dann wechselte er zu Rot-Weiß Oberhausen, wurde dann zum ersten Mal arbeitslos. "War schon ein komisches Gefühl, zum ersten Mal zum Arbeitsamt zu gehen“, erinnert er sich. "Aber es ist nun mal Pflicht, das muss jeder machen, auch wenn sie uns da nicht helfen können.“

Arbeitslose Ex-Fußball-Profis beim Training der VDV u.a. Thomas Cichon (li) (Foto: Olivia Fritz)

Fit bleiben, um konkurrenzfähig zu sein

Helfen – das will die VDV, die Vereinigung der Vertragsfußballspieler. Die Gewerkschaft hat Cichon schon einmal geholfen: Er bekam einen Vertag bei Panionios Ahten. "Damals hat das gut geklappt. Jetzt bin ich wieder hier.“ Weil der VfL Osnabrück aus der 2. Liga abgestiegen war, wurde Cichon arbeitslos. "Ich hatte auch zwei Angebote, aber das eine war mir zu exotisch - das war im Iran - und das andere war zu kurz: drei Monate in Finnland.“

Warten auf das Handyklingeln

Wie Cichon warten viele Fußball-Profis in diesen Tagen darauf, dass ihr Handy klingelt. 25 Spieler sind zusammen mit ihm bei der VDV gelandet – hier halten sie sich bis zu drei Monate lang fit. Für das Trainingscamp beworben hatten sich über 90. Denn an der Sportschule Wedau findet man optimale Bedingungen vor: von Dienstag bis Freitag geht es dort zu wie im normalen Vorbereitungs-Trainingslager der Bundesligisten: Laufeinheit vor dem Frühstück, ein Vortrag zur Ernährungswissenschaft, Trainings, Mittagessen, Mittagsschlaf, nochmal Training und noch ein Vortrag. Und immer wieder Laktattests, Leistungsdiagnostik und Testspiele.

Weltweit einmaliges Angebot

"So etwas gibt es nirgendwo sonst auf der Welt“, sagt VDV-Geschäftsführer Jörg Albracht. "In Frankreich gibt es so etwas für ein bis zwei Wochenenden, und in Holland denkt man auch darüber nach, aber das Angebot hier ist schon einmalig.“

Jörg Albracht, Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballspieler e.V: (VDV) in der Sportschaule Wedau (Foto: Olivia Fritz)

VDV-Geschäftsführer Albracht: "Vermittlungsquote: 80%"

In den maximal zwölf Wochen bekommen die Fußballer auch Tipps von Ernährungsberatern, Finanzexperten und Laufbahnberatern – für das Leben nach der Karriere. "Nicht jeder Fußballprofi hat mit Mitte 30 schon ausgesorgt“, sagt Albracht. Da heißt es vorsorgen und die Finanzen zusammenhalten. Und wenn bis September noch immer kein Vertrag unterschrieben ist, dann hilft der Psychologe.

Immerhin: Die VDV hat gegenüber allen Fußball-Verbänden durchgesetzt, dass vertragslose Spieler nicht an die Transferperioden gebunden sind. So ist es für jeden Fußballe möglich, der am 1. Juli nicht unter Vertrag stand, bis zum 31. Januar zu einem neuen Verein zu wechseln. Acht von zehn Spielern kehren in den Fußballberuf zurück, die Erfolgsquote des VDV-Camps liege bei 80 Prozent, so Albracht. Die anderen 20 Prozent haben eine Neuorientierung begonnen, also entweder Klassen tiefer gespielt oder einen neuen Beruf angefangen.

"Ich will nicht das erstbeste Angebot nehmen“

"Ich möchte schon noch ein bisschen Fußball spielen“, sagt Stefan Wessels, der 2001 mit Bayern München die Champions League gewonnen hat und später beim 1. FC Köln im Tor stand. Für Torhüter ist es besonders schwer, einen neuen Job zu bekommen. "Aber ich habe mir vorgenommen, nicht das erstbeste Angebot anzunehmen.“

Stefan Wessels, Ex-Profi-Torwart im Trainingscamp der VDV (Foto: Olivia Fritz)

Arbeitsloser Champions League-Sieger: Stefan Wessels

Wessels ist seit 1998 Mitglied bei der VDV – die Mitgliedschaft ist freiwillig. Ein Erstligist zahlt 270 Euro im halben Jahr, ein Fußballer aus der vierten Liga 80 Euro. Das macht sich jetzt bezahlt, denn der Vollpension-Aufenthalt ist für die Ex-Profis kostenlos. "Je schneller man weg ist, desto besser ist es natürlich. Jeder hofft, nicht bis zum September hier bleiben zu müssen“, sagt Wessels, der zuletzt wie Cichon beim VfL Osnabrück gespielt hat. Sein Telefon hat schon mehrere Male geklingelt. Aber der 30-Jährige bleibt wählerisch. "Es soll schon ein guter Fußball-Verein sein, wo ich gut Fußball spielen kann und mich auch privat wohl fühle.“

Autorin: Olivia Fritz

Redaktion: Arnulf Boettcher

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