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Nahost

Wenn Elefanten kämpfen, leidet das Gras

Bei der Entscheidung über Krieg und Frieden im Irak könnten die drei afrikanischen nicht-ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats das Zünglein an der Waage sein. Heinrich Bergstresser kommentiert die Situation.

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Wann hat es das letzte Mal in der 40-jährigen Geschichte der unabhängigen Staaten Afrikas eine Situation gegeben, in der afrikanische Staatsoberhäupter und Regierungschefs so umworben, so hofiert worden sind wie in diesen Tagen im Kontext der Irak-Krise? Nach längerem Nachdenken fällt einem nur Nelson Mandela ein, das Symbol für Freiheitswillen, Würde, friedlichen Ausgleich und politische Moral, mit dem sich die Mächtigen dieser Welt gern in der Öffentlichkeit zeigten.

Darüber ist auch schon ein Jahrzehnt hinweggegangen. Doch nun stehen die derzeitigen Vertreter Afrikas im UN-Sicherheitsrat im Focus der Mächtigen dieser Welt. Guinea, das im Monat März die Sitzungen des Sicherheitsrates leitet, Kamerun und Angola spielen mit in einer welthistorisch entscheidenden Phase, entscheiden mit über die Zukunft einer neuen Weltordnung, die sich am Horizont abzeichnet, deren Konturen aber noch verschwommen sind.

Unter Druck

Wenn Elefanten kämpfen, leidet das Gras. Dieses afrikanische Sprichwort trifft haargenau den Punkt, an dem sich die drei afrikanischen nicht-ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat befinden. Die schwächsten Glieder innerhalb der Staatengemeinschaft stehen unter Druck, das Zünglein an der Waage spielen zu müssen. Ihnen droht, die Last der Verantwortung teilen zu müssen, über Krieg oder Nicht-Krieg, über Unilateralismus oder Multilateralismus mit zu entscheiden und zugleich zwischen den Interessen der Veto-Mächte USA, Frankreich und Großbritannien zermahlen zu werden.

Die Patt-Situation im Sicherheitsrat erhöht im Stundentakt den Druck auf Guinea, Kamerun und Angola. Hochrangige Emissäre aus den USA, aus Frankreich und Großbritannien geben sich in Conakry, Yaounde und Luanda die Klinke in die Hand, diese nun so wichtigen Stimmen im Sicherheitsrat für ihre Position zu gewinnen. Und manches am Verhalten der Diplomaten und Politiker zwischen New York und diesen drei Hauptstädten erinnert an einen orientalischen Basar oder an einen traditionellen Viehmarkt irgendwo in Afrika.

Verfehlung der Großen

Die schwächsten Glieder der internationalen Gemeinschaft in diese Situation gebracht zu haben, ist eine schwere Verfehlung der Veto-Mächte. Denn ihre "Kämpfe" werden vor allem auch auf Kosten der Afrikaner ausgetragen, die bei diesen Kämpfen kaum etwas gewinnen, aber viel verlieren können. Sollte die UNO schwer angeschlagen aus dem Irak-Konflikt herauskommen, wären die ärmsten Länder dieser Welt die Hauptleidtragenden. Denn die Grundidee der UNO kommt besonders ihnen zu Gute. Aber mit dieser Hypothek ein wahrscheinlich welthistorisches Ereignis entscheidend beeinflussen zu müssen, ist nicht nur unangemessen, sondern grenzt an Absurdität.