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Gedanken zur Woche

Wenn du mich liebst

Den Menschen, die einem am wichtigsten sind, sollte man sein Bestes geben. Was das ist, erklärt Gerhard Engelsberger für die evangelische Kirche.

Ein Leben in drei Sätzen
Bei Ausgrabungen in Nordafrika hat man einen Grabstein gefunden. Auf ihm steht. „Hier ruht Dion. Er war ein braver Mann. Er wurde 80 Jahre und pflanzte viertausend Bäume.“ (Peter Brown, Augustinus von Hippo, Frankfurt 1967, S. 16) Der Grabstein ist ungefähr zweieinhalb Tausend Jahre alt. „Hier ruht Dion. Er war ein braver Mann. Er wurde 80 Jahre und pflanzte viertausend Bäume.“ Wie kann man ein Leben in drei oder vier Zeilen fassen?

Von einem ägyptischen Pharao lese ich als Lebensbilanz auf seinem Grabmal: „Er regierte 15 Jahre mit der Waage der Gerechtigkeit. In seiner Regierungszeit litt kein Bewohner des Landes Hunger.“ (nach Stacy Schiff, Kleopatra. Ein Leben, München 2013, S. 119) Keine Angabe über die Regierungsform, keine Feldzüge und Handelsabkommen, keine Heldentaten, keine Kriege und keine stolzen Bauten, keine große Veränderungen. Nur diese wenigen Bemerkungen: „Er regierte 15 Jahre mit der Waage der Gerechtigkeit. In seiner Regierungszeit litt kein Bewohner des Landes Hunger.“

Jeder Mensch hinterlässt Spuren
Was bleibt von uns? Viele glauben, das lässt sich mit einem Testament erledigen, und auch das ist wichtig. Haben Sie Ihr Testament schon gemacht? Und meine zweite Frage: Haben Sie darin auch nur wie üblich Ihren Besitz verteilt? Ein Testament ist ein Zeugnis, ein Zeugnis über mein Leben. Was ist das für eine Armut, wenn am Ende nur über ein Haus, zwei Sparbücher und die Grabpflege gesprochen wird. Was soll denn nun bleiben von Ihrem Leben? Was ist mit Ihren Träumen, mit Ihren Idealen, mit Ihren Erfahrungen? Was ist mit Ihren Tränen und mit Ihrer Liebe? Was ist mit Ihrem Glauben?

Jedes Leben ist der Erinnerung wert. Tausendmal wichtiger als Bauplatz und Sparbuch. Ich möchte die Bäume erhalten wissen, die Sie gepflanzt haben. Ich möchte wissen, was meine Mutter, was mein Vater, der Schneidermeister und was mein Großvater, der Goldarbeiter war, gedacht haben über Gott und die Welt. Menschen müssen doch Spuren hinterlassen bei denen, die nach ihnen kommen. Spuren in den Herzen und nicht nur Einträge auf dem Grundbuchamt. Ich denke mir oft: Was legt ihr es denn darauf an, Besitz zu hinterlassen für die Kinder und Enkel. Das ist es doch nicht das, was ihnen fehlt.

Wie komme ich am 2. Weihnachtstag auf ein solches Thema? Es ist nicht der bevorstehende Jahreswechsel.„Testare“ ist Lateinisch und heißt „etwas bezeugen“. Auf Griechisch heißt „Zeuge sein“ „martyrein.“ Ein Märtyrer ist ein Mensch, der sein Testament gemacht hat, der etwas bezeugt hat.“

„Schenke mir dein Bestes“
Der 26. Dezember ist in der Kirche der Tag des ersten Märtyrers der christlichen Gemeinde: Stephanus. Er wird in der frühen Kirche als Diakon, als Armenpfleger gewählt. Es ging darum, Ausgegrenzte und „Zu kurz Gekommene“ zu besuchen und zu unterstützen. Damals war das bezogen auf Jerusalem. Heute gilt das weltweit. Es gilt für Flüchtlinge, die wir aufnehmen, für Kinder in Not, für Hungernde weltweit, für Menschen, die unter den Wetterstürmen leiden.

Stephanus musste damals sein Leben lassen (Apostelgeschichte 6 u. 7). Es heißt, die Anhänger der alten Ordnung knirschten mit den Zähnen (Apg 7,54) , erzählten Lügenmärchen und steinigten Stephanus. Er ist der erste Märtyrer der Kirche. Anlass für seine Hinrichtung war: Er hat die Armen unterstützt. Und: Er hat in einer Rede sein Testament gemacht. Hat erzählt, was ihm wichtig ist und bezeugt, dass dieser Jesus aus Nazareth sein Leben geprägt hat. Ich weiß nicht, was Stephanus besessen hat. Aber ich weiß, was ihn bewegte, was ihn ausmachte, was ihn zu dem Menschen machte, der er war.

Unzählige unter den Christen, nichts anders Unzählige unter den Juden, Buddhisten, Muslimen sind seinem Beispiel gefolgt. Wurden Zeugen ihres Glaubens und dafür getötet. Waren Menschen, die am Ende nicht nur über ein Haus, zwei Sparbücher und die Grabpflege „testiert“ haben. Sie haben erzählt hat von ihren Wegen und Umwegen, von ihren Erfahrungen mit Gott und der Welt. Und die Kinder und Enkel hören. Was sie daraus machen, ist dann ihre Entscheidung.

„lass die Kleider im Schrank
das Geld im Beutel
die Gläser in der Vitrine
schenke mir dein Bestes
lass die Möbel im Zimmer
lass die Standuhr in der Diele
lass den Schmuck in der Schatulle
schenke mir dein Bestes
wenn du mich liebst
und es gut mit mir meinst
erzähle mir deine Geschichte“1

[1] Gerhard Engelsberger, Wenn der Mandelbaum blüht, Stuttgart 1994, S. 38

Pfarrer Gerhard Engelsberger, Wiesloch

Pfarrer Gerhard Engelsberger, Wiesloch

Zum Autor: Gerhard Engelsberger (Jahrgang 1948) ist seit vielen Jahren Gemeindepfarrer: zunächst in Mannheim, und seit 1981 in Wiesloch. Daneben hat er aber auch immer wieder Bücher veröffentlicht, sowie Radio- und Fernsehsendungen gestaltet. Im KREUZ - Verlag gibt er zudem die „Pastoralblätter“ und die „Kasualblätter“ heraus. Er ist verheiratet und hat vier Kinder – kein schlechtes Training auch für seinen Kinderchor, mit dem der Komponist und Texter bereits auf mehreren CDs zu hören ist.


Kirchliche Verantwortung: Pfarrer Christian Engels

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