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Welt

Wenn die Götter grollen – Naturkatastrophen in Indonesien

Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring. Nirgends ist die Dichte von Vulkanen so groß wie hier. Seismische Aktivitäten sind an der Tagesordnung. Dennoch fehlen bislang funktionierende Frühwarnsysteme.

Der Merapi

Der Merapi: eine tickende Zeitbombe

Die Wellen brechen sich sanft am Strand von Pasir Nan Tigo im Westen Sumatras. Fischer sitzen unter Palmen und knüpfen Netze. Einige schrauben an den Motoren ihrer bunten Auslegerboote. Andere sitzen im kleinen Dorflokal und rauchen Kretek, süßlich schmeckende Nelkenzigaretten.

Fischerboote am Strand von West-Sumatra

Trügerische Idylle

Ein idyllisches Bild, wäre da nicht die Erinnerung an den Tsunami von 2004. Natürlich habe ich Angst, sagt Izul, der in dem kleinen Fischerdörfchen aufgewachsen ist. Aber er vertraut in eine rechtzeitige Warnung – und zeigt dabei auf einen Mast, der in der Ferne zu sehen ist. „Dort ist eine Sirene installiert. Wenn sie erklingt, wissen wir, dass ein Tsunami kommt.“

Lehren aus der Killerwelle von 2004 ziehen

Ein Vertrauen, das sich in Java als tödlich erwiesen hat. Als dort im Juli 2006 vor der Südküste die Erde bebte, riss eine anschließende Flutwelle Hunderte in den Tod. Zwar hatten die Behörden rechtzeitig eine Warnung ausgegeben. Doch fehlende Kommunikationswege sowie eine träge Bürokratie verhinderten eine Alarmierung der Küstenbewohner.

Nach dem Tsunami in Banda Aceh, Indonesien

Viele haben alles verloren

Die beste Wissenschaft ist nutzlos, wenn die Warnungen nicht rechtzeitig bei den Küstenbewohnern ankommen, erklärt Fauzi, Leiter der Erdbeben- und Tsunamiwacht am Geophysikalischen Institut in Jakarta. Viel Zeit bleibt nicht: Zwischen dem Seebeben und dem Eintreffen der Killerwelle liegen manchmal nur 15 Minuten. Bis da alle alarmiert und evakuiert sind, ist es oft schon zu spät.

Auf die Natur achten

Deshalb empfiehlt Harald Spahn von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Jakarta, auch auf natürliche Signale zu achten. „Wenn man ein starkes Erdbeben spürt und an der Küste lebt, dann sollte man sich besser davonmachen“. Spahn arbeitet an einem Tsunami-Frühwarnsystem für die Region. Dabei erfassen verschiedene Sensoren, die an unterschiedlichen Standorten im Ausbreitungsbereich der Welle aufgebaut werden, frühzeitig Abweichungen vom Normalzustand.

Die Tsunamiwelle

Tödliche Flutwelle

Solche hochmodernen Messgeräte sind wichtig, weil sie sofort die Stärke eines Seebebens erfassen. „Und wenn es ein starkes Beben ist, dann sollte die Bevölkerung unverzüglich alarmiert werden.“ Denn nicht immer spürt man an Land das Beben, das sich vor der Küste abspielt.

Schwierige Vorwarnung

Vorhersagen über den genauen Zeitpunkt eines Erdbebens oder eines Vulkanausbruchs lassen sich aber nicht machen. Der Merapi, Indonesiens bekanntester und gefährlichster Vulkan, spukt regelmäßig Rauchwolken in die Luft. Immer wieder mussten die Anwohner weiträumig evakuiert werden, weil Lavaströme zu Tal flossen oder Ascheregen aus dem Krater niederging.

Dennoch ist es immer noch fast unmöglich, eine Eruption vorherzusagen, sagt Panut, Leiter der Beobachtungsstation Kaliurang am Merapi. „Uns bleibt nur, den Vulkan Tag für Tag zu beobachten.“ 1994 wurden fast 70 Menschen durch den „Feuerberg“ getötet, als der Berg Hitzewolken mit einer Temperatur von 700 Grad Celsius den Hang hinunterschickte. Allerdings hätten da viele Anwohner nicht auf die Warnungen gehört. „Sie zogen es vor, bei ihren Häusern und dem Vieh zu bleiben.“

Als die Götter grollten, bebte die Erde

Ein Mann trägt den Leichnam eines Kindes

Erdbeben in Yogjakarta: Tausende starben

2006 schien es wieder soweit: Alles deutete auf einen Ausbruch hin. Doch dann überraschte ein schweres Erdbeben die Bewohner von Yogjakarta am Fuße des Merapi. Tausende Menschen kamen im Schlaf in den Trümmern ihrer Häuser um. So viele hätten nicht sterben müssen, schimpft Sarwidi. Der Leiter des Zentrums für Erdbebenentwicklung in Yogjakarta fordert seine Landsleute auf, sich mehr mit den Gefahren seismischer Aktivitäten zu befassen.

„Den Menschen ist überhaupt nicht klar, wie gefährlich Erdbeben sein können. Sie bereiten sich nicht darauf vor und bauen zum Beispiel Häuser, die ganz simpel konstruiert sind.“ Kein Wunder, dass die Hütten selbst bei einem leichten „Grollen der Götter“ kollabieren.

Autor: Peter Koppen

Redaktion: Peter Koppen

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