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Wirtschaft

Wenn der Revolver platzt

In den USA drohen den großen Kreditkartenunternehmen Ausfälle in Milliardenhöhe, weil immer mehr Amerikaner ihre Kreditkartenschulden nicht zurückzahlen können. Droht auch in Europa eine Kreditkartenblase zu platzen?

Eine Hand hält einen Revolver (Foto: AP)

Häufen sich Kreditkartenschulden an, sprechen Fachleute von "revolving cards"

Kreditkartensymbole am Ausgang eines Parkhauses in New York (Foto: AP)

Mit Plastikkarten in die Schuldenfalle

Deutsche und Commerzbank haben zwischen April und Juni jeweils rund eine Milliarde Euro zurückgestellt. Die dienen als Puffer, wenn Kredite ausfallen sollten. Doch Angst davor, dass die Finanzkrise sich weiter und schneller dreht, weil ein Berg von Kreditkartenschulden auf die Banken zukommt, die haben sie nicht. Und die Kreditkartenorganisationen bestärken diese Gelassenheit: "Auf der Kreditkartenseite sehe ich das für Europa nicht", antwortet Peter Ehmke auf die Frage, ob in Europa bald eine weitere Kreditblase platzt. Ehmke führt die Geschäfte von Mastercard Deutschland in Frankfurt am Main. Er weiß, dass in Amerika nahezu jedermann drei bis fünf Kreditkarten besitzt. Hier sind es in der Regel eine oder zwei.

Keine Revolver

Peter Ehmke, Geschäftsführer von Mastercard Deutschland (Foto: Mastercard)

Peter Ehmke, Mastercard Deutschland: "Bei uns nicht möglich"

Die Amerikaner finanzieren einen großen Teil ihres täglichen Bedarfs über Kreditkarten. Die schließen eine Art Teilzahlungsfunktion ein, das heißt: abgesehen von einer kleinen Tilgung von fünf bis sieben Prozent wird in Amerika der Schuldenrest monatlich weitergedreht. Fachleute sprechen von "revolving cards" oder vom Revolver. Von dem kann sich ein Schuss in die Verschuldung lösen. "In Deutschland ist das anders. Die deutschen Karten sind zu 90 Prozent Charge-Karten, wie wir das nennen", sagt Ehmke und erklärt: "Am Ende des Monats wird der gesamte Betrag abgebucht und zurückgeführt."

Die Kreditfunktion der Karte ist also in der Regel auf 30 Tage beschränkt. Kontokorrentkredite, also laufende Überziehungskredite, laufen nicht über die Kreditkarte, sondern übers Girokonto. Außerdem sei die Konsummentalität eine andere: "Wir stellen fest, dass viel deutsche Kunden ein stärkeres Kontrollverhalten haben", sagt Matthias Höhnisch, Leiter des Kartengeschäfts beim Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken. Eine Umschuldung von einer Kreditkarte zur anderen "wird so nicht gemacht."

Nur Vermittler

Ein Geschäft in New York akzeptiert die Zahlung mit Kreditkarten von Visa, Discover, MasterCard und American Express (Foto: dpa)

Plastikgeld verführt zur Sorglosigkeit

Ein weiterer Unterschied: In Deutschland und Kontinentaleuropa gehen die Kreditkartenorganisationen in der Mehrheit nicht selbst in die Schulden. Nur bei American Express ist das anders. Die anderen Anbieter verstehen sich fast ausschließlich als Dienstleister zwischen Bank und Kunde: Sie sorgen für genügend Akzeptanzstellen in Geschäften, Restaurants und Clubs, sie rechnen ab. Wenn die Einnahmen des Kunden sinken, die Ausgaben über die Kreditkarte aber bleiben, dann werden die Banken aktiv, nicht die Kreditkartenorganisationen. Dann werde besprochen, was zu tun ist, um eine Überschuldung zu vermeiden, sagt Höhnisch. Das geschehe in einem persönlichen Gespräch. Darin wird der Kreditrahmen des Kunden "angepasst", soll heißen: deutlich reduziert.

Nur auf Großbritannien trifft all das nicht zu. Dort gilt weitgehend das amerikanische System. Dort werden Konsumenten- und Kontokorrentkredite über längere Zeit mit Hilfe der Kreditkarte aufgenommen. Kreditkartenanbieter dort spüren steigende Ausfälle. Damit verglichen, so Peter Ehmke beim Blick auf die Kartenumsätze, hat Mastercard in Deutschland und Europa ein Luxusproblem: "Wir sehen, dass sich die Wachstumsraten abflachen."

Autor: Michael Braun

Redaktion: Rolf Wenkel

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