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Welt

Wenn der Klimawandel zum Risikofaktor wird

Der Klimawandel ist eine der größten sicherheitspolitischen Herausforderungen der Zukunft. Extreme Wetterereignisse können die Sicherheitsarchitektur ganzer Regionen ins Wanken bringen.

Nationalgardisten in New Orleans (Foto: dpa)

Nationalgardisten nach dem Hurrikan "Katrina" im Einsatz in New Orleans

Die Minister ziehen Taucheranzüge an und stecken wasserfeste Stifte ein, dann tauchen sie zu einer Kabinettssitzung auf den Meeresgrund. Unter Wasser verabschiedet die Regierung der Malediven einen dramatischen Appell gegen den Klimawandel, der die Inselgruppe langsam im Indischen Ozean versinken lässt. "Wir wollen, dass endlich etwas geschieht", sagt Präsident Mohamed Nasheed. "Wenn wir die Malediven nicht retten können, dann steht es auch um den Rest der Welt schlecht!"

Mohammed Nasheed unter Wasser (Foto: AP)

Mohamed Nasheed, Präsident der Malediven, unterzeichnet Appell gegen den Klimawandel

Der Klimawandel lässt den Meeresspiegel steigen, das Wasser schwappt schon jetzt über die Strände der Malediven. Wenn das so weitergeht, dann bleibt den Inselbewohnern nur die Flucht nach Indien oder Indonesien. Sie wären dann Klimaflüchtlinge, und vermutlich nicht die einzigen. Schon längst sind die Klimaforscher zu der Erkenntnis gelangt, dass der Klimawandel zu Migrationsbewegungen führen kann - und damit zu erheblichen Sicherheitsproblemen.

Droht der Zusammenbruch kritischer Infrastrukturen?

Dieser Gefahr ist auch die Ostküste Chinas ausgesetzt, wo Wirtschaftszentren wie Schanghai liegen. In dieser Region steigt der Meeresspiegel ebenfalls, gleichzeitig sinken durch die dichte Besiedlung die Landmassen und die Intensität der Hurrikane nimmt zu. "Die wahrscheinlichste Entwicklung, die man sich an der Ostküste Chinas vorstellen kann, sind Fluchtbewegungen", warnt Benno Pilardeaux vom "Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderungen", der die Bundesregierung berät.

Ein 'Klimaflüchtlingslager' des Künstlers Hermann Josef Hack in Berlin (Foto: dpa)

Hier noch als Warnung: Doch große Ströme von Klimaflüchtlingen können große Probleme bringen

Wenn wertvolle Industrie und Infrastruktur durch extreme Wetterereignisse zusammenbrechen, kann das viele Menschen in die Flucht schlagen oder zu Unruhen führen. Auch Indien, die USA und Zentralamerika müssen sich auf mehr Extremwettereignisse wie Hurrikane einstellen. Der Hurrikan "Kathrina" im Jahr 2005 hat gezeigt, wie schwer sich selbst hochentwickelte Länder wie die USA tun, die Lage anschließend wieder in den Griff zu bekommen.

Der Klimawandel multipliziert Probleme

Dr. Benno Pilardeaux, Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (Foto: WBGU)

Dr. Benno Pilardeaux

Wo Nahrungsmittel, Wasser und Ackerland ohnehin knapp sind, da verschärfen extreme Wetterlagen die bestehenden Probleme. Ist ein Staat instabil und konfliktanfällig, dann werden Dürren oder Überschwemmungen schnell zum Sicherheitsrisiko. Fragile Staaten, etwa in Afrika, könnten dadurch regelrecht ins Wanken geraten oder zusammenbrechen. Inzwischen sind die Sicherheitsrisiken des Klimawandels ein Top-Thema in Machtzentralen der westlichen Welt. Vor fünf Jahren begann das amerikanische Verteidigungsministerium, die Auswirkungen des Klimawandels auf die internationale Sicherheit zu untersuchen. Im Jahr 2008 legte die Europäische Kommission den Bericht "Klimawandel und internationale Sicherheit" vor. Er geht davon aus, dass eine ungebremste Klimaerwärmung zu bislang nicht gekannten Sicherheitsrisiken führen könnte.

Neues sicherheitspolitisches Denken gefragt

Klimapolitik ist auch Sicherheitspolitik - das Bewusstsein dafür ist inzwischen gewachsen. Aber wie kann eine angemessene Sicherheitspolitik aussehen? Sollen Polizisten und Soldaten gegen Klimaflüchtlinge in Stellung gebracht werden? Abschottung sei keine Lösung, sagt Benno Pilardeaux. "Hier geht es einfach darum, mit den klassischen Instrumentarien der deutschen oder internationalen Entwicklungszusammenarbeit möglichst viele Länder krisenfester und weniger verwundbar zu machen."

Ein ausgedorrtes Flussbett in Chongqing, China (Foto: AP)

Ein ausgedorrtes Flussbett in Chongqing (China)

Längst gibt es Modelle dafür, wie die Industrieländer die Entwicklungsländer beim Aufbau klimafreundlicher Industrien und Energiesysteme unterstützen und das gleichzeitig auf ihr "Reduktionskonto" für Treibhausgase anschreiben lassen könnten. "Es geht jetzt darum, diese Modelle weiterzuentwickeln im Kontext der Klimaverhandlungen in Kopenhagen", sagt Pilardeaux.

Zur Lösung der Sicherheitsprobleme, die der Klimawandel mit sich bringt, wünschen sich die Berater der Bundesregierung eine Art neuen KSZE-Prozess - das war die erfolgreiche Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit zu Zeiten des Kalten Krieges. So könnten Sicherheitsfragen in einem Klima des Vertrauens und der Kooperation international behandelt werden. Die Zeit drängt - nicht nur für die Bewohner der Malediven, die nicht zu Klimaflüchtlingen werden wollen.

Autorin: Nina Werkhäuser

Redaktion: Henrik Böhme

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