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Wirtschaft

Wenn der Internetzugang Monatslöhne kostet

Die Zahl der Nutzer von Mobiltelefonen und Internet wächst weltweit, trotz Wirtschaftskrise. Zu diesem Ergebnis kommt die Internationale Fernmeldeunion ITU. Doch die Kluft zwischen Reich und Arm bleibt gewaltig.

Das Motiv eines Jungen, der eine Blechdose mit Schnur an sein Ohr hält, war das Motiv einer Werbekampagne eines Mobilfunkanbieters in Johannesburg, Südafrika (Foto: AP)

Mobilfunkwerbung in Johannesburg, Südafrika

Zwei von drei Menschen auf der Welt telefonieren mobil – zumindest im Durchschnitt. Denn die reichen Länder sind überversorgt, hier gibt es meist mehr Mobilfunkanschlüsse als Menschen. In den Entwicklungsländern telefonieren dagegen nur etwas mehr als die Hälfte der Menschen mobil, Ende letzten Jahres rund 57 Prozent. Der Unterschied ist groß, doch das Wachstum in Entwicklungsländern ist rasant. In den letzten fünf Jahren hat sich dort die Zahl der Mobilfunkanschlüsse verdoppelt.

Digitaler Graben

Grafik: Mobilfunkanschlüsse nach Entwicklungsstand (*2009: Schätzungen)

Mobilfunkanschlüsse nach Entwicklungsstand (*2009: Schätzungen)

Beim Internetzugang fällt der Abstand zwischen Reich und Arm deutlicher aus. Jeder vierte Mensch auf der Welt hat Zugang zum Internet. Doch von 100 Menschen sind es in Industrieländern 64, in Entwicklungsländern nur 18 Menschen. Noch größer ist der Abstand bei schnellen Internetverbindungen: In Industrieländern gibt es je 100 Einwohnern 23 Breitband-Festnetzanschlüsse, in Entwicklungsländern gerade einmal zwei, wenn man China nicht mitzählt. Die Volksrepublik hat in absoluten Zahlen inzwischen mehr solcher Anschlüsse als die USA.

Um die Bedeutung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien genauer zu bestimmen, haben die Statistiker der ITU, einer Agentur der Vereinten Nationen, einen Entwicklungsindex erstellt. Ergebnis ist eine Rangliste von 159 Ländern, bei der nicht nur der Zugang, sondern auch die tatsächliche Nutzung und die Fähigkeiten der Nutzer im Umgang mit diesen Technologien berücksichtigt wurden.

Deutschland nicht in den TOP10

Die Rangliste wird angeführt von Schweden, gefolgt von Luxemburg, Südkorea, Dänemark, Niederlande, Island, Schweiz, Japan, Norwegen und Großbritannien. Deutschland ist mit Rang 13 nicht in der Spitzengruppe, ebenso Frankreich (Rang 18) und die USA (19). "Allerdings muss man fairerweise sagen, dass die ersten 14-15 Länder sehr dicht aneinanderliegen", sagt Susan Telscher, Leiterin der Statistikabteilung der Internationalen Fernmeldeunion. "Deutschland ist in allen Bereichen sehr gut, aber eben nicht spitze." So hätten 75 Prozent der deutschen Haushalte einen Internetzugang, so Telscher. "Das ist enorm, aber in Schweden sind es 80 Prozent."

Die Top 5 jeder Region und ihr Platz in der Gesamtwertung

Die Top 5 jeder Region und ihr Platz in der Gesamtwertung

Die großen Schwellenländer schneiden unterschiedlich ab: Russland auf Platz 48, Brasilien auf 60, China auf 79 und Indien auf Rang 117.

Am Ende der Rangliste rangiert der Chad, hinter Niger, Guinea, Guinea-Bissau, Burkina Faso und Äthiopien. 18 der 20 hintersten Plätze werden von afrikanischen Staaten belegt, hinzu kommen Haiti und Nepal.

Schlusslicht Afrika

Das liegt vor allem an den hohen Kosten von Kommunikationstechnologien in diesen Ländern. Während die meisten Europäer nur etwas mehr als ein Prozent eines Durchschnittslohns bezahlen müssen, um eine schnelle Internetverbindung per Festnetz-Breitband zu erhalten, ist der gleiche Internet-Zugang in vielen afrikanischen Ländern unerschwinglich. Im Schnitt müssten afrikanische Internet-Nutzer fünf Monate arbeiten, um einen Monat lang schnell im Internet surfen zu können. Auch hier gibt es von Land zu Land große Unterschiede – und gelegentlich auch schnelle Entwicklungen. Im Jahr 2008 kostete eine schnelle Internetverbindung in Burkina Faso pro Monat mehr als vier durchschnittliche Jahreslöhne. Ein Jahr später sind die Preise stark gefallen: auf "nur" zwei Monatslöhne.

Entwicklung durch Technik

Grafik: Internetnutzung nach Entwicklungsstand (*2009: Schätzungen)

Internetnutzung nach Entwicklungsstand (*2009: Schätzungen)

In den vergangenen Jahren ist viel gesagt und geschrieben worden über die Bedeutung von Informationstechnologien für Entwicklungsländer. Der Zugang zu Informationen über das Internet kann Bildung und Demokratie beflügeln. Und selbst einfache Mobiltelefone können die wirtschaftliche Entwicklung positiv beeinflussen – zum Beispiel, indem sich Bauern per Handy über die Marktpreise für ihre Ernte informieren können.

Geringe Lebenserwartung

Ein interessanter Vergleich des ITU zeigt allerdings auch, dass die Überwindung des digitalen Grabens nicht alles ist. Dabei wurde der zeitliche Abstand gemessen zwischen den Entwicklungsländern und Schweden, dem Spitzenreiter der Rangliste. Bei der Nutzung von Mobiltelefonen und Internet haben die Entwicklungsländer heute ein Niveau erreicht, das Schweden bereits vor zehn Jahren hatte. Bei der durchschnittlichen Lebenserwartung dagegen sind sie auf dem Stand Schwedens vor 66 Jahren.

Autor: Andreas Becker

Redaktion: Zhang Danhong