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Fokus Osteuropa

Wenn der Cousin mit der Cousine...

Viele Ehen werden in Tadschikistan aus Tradition unter Verwandten geschlossen. Das führt jedoch häufig zu Totgeburten oder Gendefekten. Experten raten der Regierung, sich des Problems anzunehmen.

Ein tadschikisches Hochzeitspaar (Foto: DW)

Hochzeit in Duschanbe

Eine Studie hat ergeben, dass mehr als 20 Prozent der in Tadschikistan jährlich sterbenden Neugeborenen aus Ehen unter Verwandten stammen. Das beim Präsidialamt angesiedelte Zentrum für strategische Forschung beobachtet zwar einen Rückgang solcher Partnerschaften, doch stellen solche Ehen aus Sicht tadschikischer Experten weiterhin ein Problem in der zentralasiatischen Republik dar. Deswegen raten sie der Regierung des Landes, gegen diese Tradition vorzugehen.

Angesichts der bekannten Gefahren für die Gesundheit des Nachwuchses hatte vor einigen Jahren das Gesundheitsministerium im Parlament ein Verbot von Ehen zwischen Cousin und Cousine ersten und zweiten Grades initiiert, doch dieser Vorstoß wurde damals abgelehnt.

Arrangierte Ehen haben lange Tradition

Porträt von Dilorom Rachmatowa (Foto: DW)

Rachmatowa glaubt, dass jede dritte Ehe unter Verwandten geschlossen wird

Gulbahor Saidowa betreibt in Duschanbe ein Geschäft. Vier Töchter und einen Sohn erzieht die wohlhabende und gebildete Frau. Bald soll in ihrem Haus eine Hochzeit stattfinden. "Der Bräutigam meiner Tochter ist mit uns entfernt verwandt. Ich weiß, dass Ehen unter Verwandten gefährlich sind, aber wir heiraten traditionell innerhalb der Familie", erklärt die Geschäftsfrau. Ihre Tochter sei bereits kurz nach der Geburt ihrem Bräutigam versprochen worden. Von Eltern arrangierte Ehen haben in Tadschikistan eine lange Tradition.

Wie viele Ehen genau in Tadschikistan unter Verwandten geschlossen werden, ist allerdings nicht bekannt. Die Expertin vom Zentrum für strategische Forschung beim Präsidialamt, Dilorom Rahmatowa, geht davon aus, dass es etwa 35 bis 40 Prozent sind.

Porträt von Sarina Dinorschojewa (Foto: DW)

Sarina Dinorschojewa: Klans halten zusammen

Die tadschikischen Experten weisen aber zugleich darauf hin, dass Ehen unter Verwandten beispielsweise seltener geschieden werden. "Die Verwandten haben Angst, einander zu beleidigen. Auch wenn es in den Familien Konflikte gibt, so behält man dies für sich", sagte die Expertin Sarina Dinorschojewa. Ferner würde in solchen Familien eine bessere Fürsorge für die Eltern bestehen. "In den Familien gilt es als Schande, die Eltern in ein Altenheim zu geben oder einfach allein zurückzulassen", betonte sie.

Wohlstand des Familienclans sichern

Porträt von Firus Saidow (Foto: DW)

Firus Saidow: Klans haben politischen Einfluss

Eheschließungen unter Verwandten sind von Region zu Region unterschiedlich begründet. In abgelegenen Bergregionen - zum Beispiel im Serafschan-Tal - sind solche Ehen darauf zurückzuführen, dass die Bevölkerung zu sehr vom Rest des Landes isoliert ist.

Oft werden Ehen unter Verwandten aber auch geschlossen, um den Wohlstand innerhalb des Familienclans zu sichern. "Ein Clan hat ein Innenleben. Er betreibt eigene Geschäfte, eine eigene Politik. Es gelten bestimmte Verhaltensregeln", erläuterte der Leiter des Zentrums für Strategische Forschungen, Firus Saidow. Besonders stark sei die Bindung in Familien von Geistlichen. Dort sei es überhaupt nicht üblich, dass Töchter außerhalb des Familienclans heiraten.

Autoren: Galim Fashutdinow / Artjom Maksimenko
Redaktion: Markian Ostaptschuk / Fabian Schmidt

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