1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Top-Thema – Podcast

Wenn der Arzt Taxi fährt

Viele Migranten haben in ihrer Heimat studiert oder einen Beruf erlernt, können dies aber nicht nutzen: Ihre Ausbildung wird in Deutschland nicht anerkannt. Das könnte sich in Zukunft ändern.

Taxifahrer, die sich miteinander unterhalten

Vielleicht sind dies Lehrer, Ärzte oder Ingenieure?

Wer in Deutschland mit dem Taxi fährt, wird nicht selten von einem tunesischen Lehrer, einem türkischen Zahnarzt oder einem iranischen Ingenieur zu seinem Ziel gebracht. Gleichzeitig leidet die deutsche Wirtschaft seit Jahren unter einem Fachkräftemangel. Eigentlich gibt es schon viele Fachkräfte, die in Deutschland leben. Doch viele von ihnen müssen weit unter ihren Qualifikationen arbeiten.

Etwa drei Millionen Migranten in Deutschland haben einen akademischen oder beruflichen Abschluss. Bei einer halben Million Migranten wird der jedoch nicht anerkannt, sagen Experten. Dieses Wissen und diese Erfahrung will die Regierung nun besser nutzen. "Wir sind wegen der Bevölkerungsentwicklung auf die Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen", sagt Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Sie will es für Migranten einfacher machen, ihre Zeugnisse und Zertifikate anerkennen zu lassen.

Ziel der Regierung ist es, klarere Regeln in diesem Bereich aufzustellen. Ein neues einheitliches Gesetz soll zum Beispiel dafür sorgen, dass die Abschlüsse von Migranten in Deutschland anerkannt werden. Auch soll es anstelle der etwa 300 verschiedenen Anlaufstellen in Zukunft eine zentrale Behörde geben. Ihre Aufgabe soll es sein, Migranten zu informieren und sie dabei zu unterstützen, ihre Abschlüsse aus der Heimat in Deutschland anerkennen zu lassen.

Natürlich gibt es keine Garantie, dass alle Abschlüsse anerkannt werden. Maria Böhmer, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, erklärt: "Bei dem hohen Niveau, das die Ausbildung in Deutschland hat, kann es sein, dass ein Ingenieur aus dem Ausland einsehen muss, dass seine Ausbildung eher der eines Technikers entspricht". Sie ist sicher, dass dies ein wichtiger Schritt für die Integration ist. Denn: "Es ist an der Zeit, dass die Ärztin aus der Ukraine hier nicht mehr nur als Pflegekraft arbeiten kann, sondern dass sie hier in ihrem Beruf tätig wird."


Glossar


Migrant/in, der/die – jemand, der in ein anderes Land kommt, um dort zu leben

etwas anerkennen – hier: etwas als gültig oder offiziell ansehen

Fachkraft, die – jemand, der in einem bestimmten Bereich ausgebildet ist

Mangel, der – die Tatsache, dass von etwas zu wenig da ist

Qualifikation, die – die Ausbildung, die jemand für einen Beruf hat

akademisch – wissenschaftlich; von der Universität

Abschluss, der – hier: ein Studium oder eine Ausbildung, das/die erfolgreich beendet wurde

auf jemanden angewiesen sein – hier: jemanden unbedingt brauchen

etwas aufstellen – hier: etwas machen


einheitlich – so, dass etwas überall gleich ist


für etwas sorgen – hier: alles dafür tun, dass etwas erreicht wird oder passiert; etwas bewirken

Anlaufstelle, die – hier: eine Behörde; ein Büro

Integrationsbeauftragte, der/die – jemand, der die Aufgabe hat, es → Migranten leichter zu machen, Teil einer Gesellschaft zu werden

Niveau, das – hier: die Qualität

etwas einsehen – etwas akzeptieren, verstehen

Integration, die – hier: die Bildung einer Gemeinschaft mit Menschen aus verschiedenen Kulturen

Pflegekraft, die – jemand, der sich im Beruf um kranke oder alte Menschen kümmert

tätig werden – hier: arbeiten


Fragen zum Text

1. Migranten arbeiten oft nicht in dem Beruf, den sie gelernt haben, weil …

a) sie in ihrer Heimat keinen Abschluss gemacht haben.

b) ihre Qualifikation in Deutschland nicht anerkannt wird.

c) sie in Deutschland lieber Taxi fahren wollen.

2. Welche Gruppe von Personen ist für die deutsche Wirtschaft sehr wichtig?

a) Migranten

b) Pflegekräfte

c) Fachkräfte

3. An wen können sich Migranten heute wenden, um einen Abschluss anerkennen zu lassen?

a) 300 verschiedene Anlaufstellen

b) eine zentrale Anlaufstelle

c) die Integrationsbeauftragte

4. Was ist das Ziel des geplanten neuen Gesetzes?

a) Mehr Migranten sollen in ihrem eigentlichen Beruf arbeiten können.

b) Migranten sollen dabei unterstützt werden, in Deutschland zu studieren.

c) Allen Migranten soll garantiert werden, dass sie in ihrem eigentlichen Beruf arbeiten können.

5. Ein neues Gesetz soll dafür sorgen, dass mehr Abschlüsse von Migranten …

a) anerkennen werden.

b) geanerkannt werden.

c) anerkannt werden.

Arbeitsauftrag

Es gibt viele Migranten, die nicht in ihrem eigentlichen Beruf arbeiten. Aber auch Deutsche sind oft nicht in dem Bereich tätig, in dem sie ihre Ausbildung gemacht haben. Sicher kennen auch Sie jemanden, bei dem dies der Fall ist. Beschreiben Sie diese Person schriftlich und beantworten Sie dabei die folgenden Fragen: Welchen Abschluss hat die Person? Wo hat sie ihn gemacht? In welchem Bereich arbeitet sie jetzt? Weshalb arbeitet die Person nicht in dem Beruf, den sie eigentlich gelernt hat?

Autoren: Heiner Kiesel/Anne Gassen

Redaktion: Shirin Kasraeian

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads