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Politik

"Wenn das Forum ausfiele, würde es niemand merken"

Bernd Riegert (Foto: DW)

Bernd Riegert

Die Weltverbesserer, so das offizielle Selbstverständnis des Weltwirtschaftsforums, treffen sich zur Weltmeisterschaft des Netzwerkens in Davos. Mit 2500 Teilnehmern platzt der Schweizer Skiort wieder aus allen Nähten. Wie jedes Jahr wird viel geschwafelt, Plattitüden werden ausgetauscht, vorhersehbare Reden werden gehalten. Die selbst ernannte Weltelite spricht hauptsächlich über sich selbst und ihre Wohltaten. Was soll das bringen?

Das nichtssagende Motto dieses Jahr lautet "Gemeinsame Normen für eine neue Realität". Die Folgen der Weltwirtschaftskrise gepaart mit hohen Energie- und Lebensmittelpreisen sollen besprochen werden, ein nicht gerade origineller Ansatz. Die mageren Ergebnisse des Weltwirtschaftsforums sind - wie seit Jahren schon - vorhersehbar und bereits in zahlreichen wissenschaftlichen Aufsätzen und Leitartikeln nachzulesen.

Die Frage ist, warum kommen viel beschäftigte Firmenchefs und Spitzenpolitiker überhaupt nach Davos? Wollen Sie bei der großen Party dabei sein, haben sie Angst irgendwas zu verpassen? Fallen sie jedes Jahr auf das gute Marketingkonzept des Davos-Gründers Klaus Schwab herein, der von den 1000 exklusiven Mitgliedsunternehmen des Forums jährlich 32 Millionen Euro an Mitgliedsbeiträgen einstreicht?

Entscheidungen fallen in Davos keine, die Stimmung werde getestet heißt es. Na toll, schon jetzt ist klar, dass die Stimmung dieses Jahr besser sein wird, weil die Weltwirtschaft nach der Krise langsam wieder Tritt fasst. China ist im Kommen, Europa im Hintertreffen - das sind auch keine wirklich neuen Erkenntnisse.

An dem aufgeblasenen Zirkus um Davos sind wir, also die Medien, nicht ganz unschuldig. Nach dem Motto "Dabei sein ist alles!" übertragen wir den ganzen Unsinn, der für normale Menschen keine Folgen haben wird. Wenn das Forum einmal ausfiele, würde es niemand merken, und die selbsternannten Weltverbesserer würde niemand vermissen, außer sie sich selbst.

Autor: Bernd Riegert
Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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