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Wissen & Umwelt

Wenn Boxerkrabben kämpfen, sind Seeanemonen die echten Gewinner

Das Leben als Boxerkrabbe ist nicht leicht. Wenn im Ring die Glocke läutet, müssen die Boxhandschuhe bereit sein - und das sind Seeanemonen. Wer keine hat, muss sich eine stehlen und zwei daraus machen.

Diese Beziehung zwischen Boxerkrabben und Seeanemonen ist für das Tierreich recht ungewöhnlich. Die Krabben nutzen die Seeanemonen als puschelige Boxhandschuhe. Man könnte auch sagen: Als Wischmop. Und sie geben die Nesseltiere nie freiwillig aus der Hand beziehungsweise aus ihren Scheren.

Jetzt haben israelische Forscher herausgefunden, dass die Krabben die Vermehrung ihrer tierischen Puschel genau kontrollieren. Die Wissenschaftler verfolgten frühere Forschungsergebnisse weiter, die gezeigt hatten, das die Krabben die Nahrungsaufnahme ihrer Seeanemonen steuern und damit auch das Wachstum ihrer "Gäste".

Also betätigen sich die Krabben als Gärtner. Man könnte es sogar mit Bonsai-Gärtnern vergleichen, denn sie verhindern gezielt, dass die Seeanemonen ihnen über den Kopf wachsen. Die winzigen Krabben, die kaum größer werden als zwei Zentimeter, züchten sich also gezielt Miniatur-Anemonen.

Die Symbiose mit den Puschel-Tieren nützt den Krabben auf verschiedene Weise: Einerseits haben die Seeanemonen mit Nesseln besetzte Tentakel. Damit lassen sich gut Fressfeinde vertreiben. Bei einem Duell mit dem Feind - selbst mit einer anderen Krabbe - kommen die Seeanemonen als stechende Boxhandschuhe zum Einsatz.

Andererseits können die Krabben ihre puscheligen Handschuhe als Wischmop einsetzen - etwa um Essensreste in der Umgebung ihrer Höhle einzusammeln. Obwohl dabei auch ein wenig Futter für die Anemone abfällt, nützt ihr diese Form der Symbiose am wenigsten. Wer will schon ein Leben als Wischmop fristen?

Alle Scheren voll zu tun

Die Forscher der Bar-Ilan Universität und der Landwirtschaftshochschule Volcani Center (beide bei Tel Aviv) studierten die Beziehung zwischen den beiden ungleichen Lebewesen etwas genauer.

Sie fanden heraus, dass jede Krabbe, die sie in freier Wildbahn entdeckten, immer zwei Puschel mit sich führte - eins in jeder Schere. Sie stellten sich die Frage, wo die Krabben in freier Wildbahn ihre Seeanemonen herbekommen.

Da die Krabben sehr scheu und im Meer schwierig zu beobachten sind, untersuchten die Forscher das Verhalten im Labor. Sie fanden heraus, dass eine Krabbe, der man eine Seeanemone wegnimmt, die Übriggebliebene in zwei Stücke teilt. In den folgenden Tagen regenerieren sich die beiden zerrupften Anemonen-Teile.

Steckt man eine Krabbe, die keine Anemone hat, in einen Tank, den eine Krabbe mit zwei Anemonen bewohnt, wird der Neuankömmling einen mutigen Angriff starten und sich eine der beiden Anemonen des Konkurrenten stehlen.

Behutsam selbst beim Diebstahl

Allerdings geht der Anemonen-Dieb dabei sehr rücksichtsvoll vor. Er will die Anemone ja nicht kaputt machen. Also drückt er die Schere des Opponenten nach unten und entwindet ihm so die Seeanemone - ganz oder wenigstens einen Teil davon.

In den meisten Fällen ist der Diebstahl von Erfolg gekrönt. Die bestohlene Krabbe züchtet anschließend den fehlenden Teil wieder nach.

Beim Teilen der Seeanemonen scheinen jedenfalls beide Krabben Sorge dafür zu sorgen, dass überlebensfähige neue Seeanemonen entstehen, schreiben die Autoren der Studie, die in dem Open Access Journal "PeerJ" erschienen ist. 

Es ist ein ungewöhnliches Beispiel dafür, dass Tiere einer Gattung bei Tieren einer anderen Gattung eine asexuelle Vermehrung in Gang setzen. Dies könnte auch erklären, welche Vorteile die Seeanemone von dieser Art der Symbiose haben.

Verblüffend ist noch etwas: DNA-Analysen verschiedener Seeanemonen aus Krabbenscheren, die an Stränden um Eilat am Roten Meer entnommen wurden, zeigen, dass alle den gleichen genetischen Fingerabdruck haben.

Das bedeutet, dass alle von Krabben geteilten und weitergezüchteten Anemonen in dieser Region von einem einzigen Vorfahren abstammen.

Und noch etwas: Den Seeanemonen fällt es offensichtlich ohne Unterstützung der Krabben nicht sehr leicht, sich zu vermehren. Denn außerhalb von Krabbenscheren kommen sie an den Stränden um Eilat praktisch nicht vor.

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