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Politik

Wenn Bürgermeister sündigen

Washington – dieser Name steht für Politik, Macht, Effizienz, gelegentlich auch für Diplomatie. Doch wenn man genauer hinguckt, kann Washington auch für Korruption, Unfähigkeit und schlichte Dummheit stehen.

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Man hat es nicht leicht als Bürgermeister von Washington, DC. Echte Washingtonians sind überwiegend schwarz und überwiegend arm. Die Reichen und Mächtigen dagegen kommen jeden Morgen mit dem Auto aus den Vororten zur Arbeit in die Stadt und meckern über die Schlaglöcher in den Straßen. Und weil Washington DC keinem der 50 Bundesstaaten angehört, sondern sozusagen neutralen Status hat, hat der Kongress das eigentliche Sagen und kann jederzeit in die Kommunalpolitik hineinregieren, wenn ihm etwas nicht passt.

Sex and Drugs

Trotzdem finden sich immer wieder Freiwillige für das Bürgermeisteramt. Legendär ist Marion Barry, der von 1978 bis 1990 und von 1994 bis 1998 die Stadt regierte. Seine Wähler störte es nur wenig, dass Barry nach eigenen Angaben süchtig nach Sex und Kokain war (die Kokainsucht brachte ihm eine sechsmonatige Amtszeit im Knast ein), dass Washington unter Barry die Stadt mit den meisten Morden in den USA war, dass die Effizienz der Stadtverwaltung dem absoluten Nullpunkt gefährlich nahe kam, und dass die Schlaglöcher gelegentlich so groß wurden, dass man darin parken konnte.

Genug hatte Washington von seinem Lieblingsbürgermeister erst, als im Vorwahlkampf 1998 herauskam, daß er weibliche Leibwächter "unethischen oder unmoralischen Situationen" ausgesetzt hatte.

Form und Fälschung

Seitdem hat Washington einen neuen Bürgermeister – er heißt Anthony Williams und hat sich durch konsequente Beseitigung der Schlaglöcher und anderer Missstände die Sympathie der Wähler gesichert. Seine Wiederwahl im Herbst galt als sichere Sache – kein ernsthafter Gegenkandidat war in Sicht. Da war nur noch eine Formsache ...

Um auf die demokratische Kandidatenliste zu kommen, musste Williams die Unterschriften von 1000 Wahlberechtigten sammeln und einreichen. Williams übertrug die Sammelarbeit seinen Mitarbeitern und bot ihnen einen Dollar pro gesammelter Unterschrift. Das Ergebnis: Über 10.000 Unterschriften – und mindestens 7000 davon waren gefälscht.

Nun sieht sich der beste Bürgermeister, den Washington im letzten Vierteljahrhundert hatte, von der demokratischen Liste ausgeschlossen und kämpft vor Gericht darum, dass wenigstens die 3000 korrekten Unterschriften anerkannt werden. Und wieder einmal haben Richter über die Besetzung eines wichtigen Jobs in Washington zu entscheiden.

Muss mit der Luft in dieser Stadt zu tun haben.