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Wissen & Umwelt

Wenn Aussterben nicht für immer ist

Wandertaube, Mammut, Magenbrüterfrosch - eines haben sie alle gemein: Es gibt sie nicht mehr. Aber Forscher wollen die Arten zurückholen. Eine Schnapsidee? Zumindest kein einfaches Unterfangen.

Ausgestopfte Wandertaube (Foto: Rainer Dückerhoff).

Wandertauben gibt es heute nur noch in ausgestopfter Form

Hin und wieder haben Wissenschaftler total abgefahrene Ideen, zum Beispiel, Menschen auf den Mond zu schicken. Aber vieles, das sich zunächst hirnrissig anhört, gelingt eben tatsächlich - wenn jemand es nur hartnäckig genug versucht.

Möglicherweise ist auch das Wiederbringen ausgestorbener Tierarten so ein Beispiel.

Ich persönlich würde am liebsten den Moa aus der Versenkung zurückzuholen: ein neuseeländischer Riesen-Laufvogel, der im 14. Jahrhundert dem Jagdeifer der polynesischen Einwanderer zum Opfer gefallen ist. Aber die Forscher haben vorerst andere Prioritäten.

Ein Frosch der besonderen Art

Michael Mahony

, Biologie-Professor an der Universität Newcastle in Australien, möchte den Magenbrüterfrosch wieder auferstehen lassen. Wirklich eine faszinierende Art: Das Froschweibchen konnte seinen Magen zur Gebärmutter umfunktionieren. Seine Eier hat es verschluckt, im Magen ausgebrütet, und 30 bis 40 Tage später hat es die fertigen Kaulquappen hochgewürgt.

Michael Mahony von der Uni in Newcastle (Australien) zeigt DW-Reporterin Brigitte Osterath, wie man künstlich Froscheier befruchtet (Foto: Rainer Dückerhoff).

Michael Mahony zeigt mir, wie er Froscheier im Labor künstlich befruchtet

"Ich habe diesen Frosch entdeckt und das erste Mal beschrieben", erzählt mir Michael Mahony in seinem Froschzuchtlabor in Newcastle. "Und jetzt ist er ausgestorben. Daher habe ich eine persönliche Beziehung zu diesem Frosch. Ich bin enttäuscht und traurig."

Der Magenbrüterfrosch kam nur im Eungella-Nationalpark im Nordosten Australiens vor. In den 1980er Jahren wurde die Art vom Chytridpilz dahingerafft, der auch heute viele Amphibienarten an den Rand des Aussterbens bringt. "Wir hätten es nicht so weit kommen lassen dürfen", meint Michael. "Es gab Hinweise, dass diese Froschart extrem anfällig war - aber wir haben zu spät gehandelt."

Option 1: Klonen

Michael Mahony und seine Kollegen vom

Lazarus-Projekt

haben Glück gehabt: In einem Labor in Adelaide hat man eingefrorene Magenbrüterfrösche gefunden - also intakte Froschzellen mit intakter DNA.

Seit einigen Jahren versuchen Michael und seine Kollegen nun schon, den Magenbrüterfrosch zu klonen, indem sie die DNA aus den eingefrorenen Körperzellen in die entkernte Eizelle einer anderen, genetisch ähnlichen Froschart einbringen, und zwar in die Eizellen des australischen Südfroschs Mixophyes fasciolatus.

Es sieht vielversprechend aus, meint Michael: Die Eizellen teilen sich nach dieser Art künstlicher Befruchtung, und die DNA des Magenbrüterfroschs vervielfältigt sich. Dann aber hört die Entwicklung einfach auf. Fertige Frösche bekommen die Forscher nicht. "Wir haben vermutlich irgendwo ein Problem mit unserer Technik, mit dem Entkernen der Eizelle zum Beispiel", sagt Michael. "Wir glauben nicht, dass es an der Genetik liegt."

Option 2: Gentechnisch verändern

Klonen funktioniert nur bei den wenigsten ausgestorbenen Arten. Denn dafür braucht es Zellen mit intakter DNA - wenn eine Art aber mehr als ein paar Jahrzehnte ausgestorben ist, sinkt die Wahrscheinlichkeit dafür rapide.

Bei den meisten Arten versuchen Forscher sich daher an einer anderen Technik: Das Erbgut einer existierenden ähnlichen Art mit Gentechnik so zu verändern, dass sie die Eigenschaften der ausgestorbenen Art bekommt.

Daran versucht sich Ben Novak von der Universität Kalifornien in Santa Cruz. Er möchte die

Wandertaube zurückbringen

. Diese Taubenart zog bis ins 19. Jahrhundert in riesigen Schwärmen über Nordamerika, bis sie großflächig gefangen und aufgegessen wurde. Das letzte Exemplar, Martha, starb 1914 im Zoo von Cincinnati.

DW-Reporterin Brigitte Osterath im Gespräch mit Ben Novak, Forscher an der Uni von Kalifornien in Santa Cruz, USA (Foto: Rainer Dückerhoff).

Ben Novak: "Es geht uns nicht darum, eine exakte Kopie herzustellen."

"Schon als ich 13 Jahre alt war, dachte ich, dass das Zurückholen ausgestorbener Arten den Artenschutz revolutionieren würde", erzählt mir der junge, sehr enthusiastische Ben. "

Unser Ziel ist es

, bis zum Jahr 2022 eine neue Wandertaube im Labor zu erschaffen." Es soll keine exakte Kopie sein, sondern eine neue, moderne Version, welche die Rolle der ausgestorbenen Art übernehmen kann, erklärt er mir.

Dafür analysieren sie DNA-Fragmente der Wandertaube, die sie aus ausgestopften Museumsstücken gewinnen. Sie vergleichen die DNA-Sequenzen mit dem Erbgut der Schuppenhalstaube. Diese Taubenart wollen sie dann gentechnisch verändern. Aber all das dauert: erst zehn Prozent des Weges seien geschafft, sagt Ben.

Ben Novak, Universität von Kalifornien in Santa Cruz, hält eine Mikrotiterplatte hoch. Sie enthält Flüssigkeit mit dem Erbgut der ausgestorbenen Wandertaube (Foto: Rainer Dückerhoff).

In dieser Mikrotiterplatte stecken DNA-Bruchstücke von zig Wandertauben

Brauchen wir ein Mammut?

Einige Forscher liebäugeln auch damit, das Mammut zurückzuholen, das vor mehr als 4000 Jahren gelebt hat. Ergibt das wirklich Sinn? Ich persönlich denke Nein. Arten aber, die erst vor einigen Jahrzehnten verschwunden sind und deren Lebensraum noch existiert - für solche Arten lohnt sich die Mühe bestimmt. Ich jedenfalls würde wirklich gerne einen kaulquappenspuckenden Magenbrüterfrosch zu Gesicht bekommen.

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