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Musik

Wenn aus Fußball Musik wird: Fangesänge, Hymnen und andere Fußballhits

Die UEFA EURO 2016 läuft. Gänsehaut bei vielen spannenden Begegnungen. Für Gefühlsausbrüche im Stadion sorgen nicht nur die Spieler mit ihren Aktionen auf dem Rasen. Sondern auch die Fans mit emotionalen Stadionhymnen.

Fußball und Musik gehören zusammen. Die richtige Kombi bedeutet: Emotionen pur. Besonders berühmt sind die englischen Fangesänge. Auch wenn die britische Nationalelf bei den internationalen Turnieren eher glücklos ist, gehört die Premier League zu den stärksten Ligen Europas - England ist das Mutterland des Fußballs und gilt auch als Wiege des Fangesangs.

Grundlage eines richtigen Kurvenklassikers ist eine bekannte Popmelodie wie "Yellow Submarine" von den Beatles, "Que Sera Sera" von Doris Day oder "Go West" von den Pet Shop Boys. Die Lieder werden mit frischen Texten ausgestattet, die je nach Spielstand auch mal variieren können. Selbst in deutschen Fankurven gehören diese Melodien schon zum festen Repertoire, etwa bei Schalke 04, wo es auf die Melodie von "Go West" heißt: "Steh auf, wenn du ein Schalker bist."

Einen der eindrucksvollsten Auftritte von Fußballfans konnten wir bei der EM 2012 erleben. Vorrundenspiel zwischen Spanien und Irland. In der 87. Minute liegt Irland hoffnungslos 0:4 zurück. Und dann stimmen die irischen Fans ihre Hymne "The Fields Of Athenry" an, ein Lied über die Hungersnot in Irland im 19. Jahrhundert. 20.000 singen das Lied im Stadion von Danzig, über den Schlusspfiff hinaus. Selbst Fernsehmoderatoren sind so ergriffen von dem Moment, dass einige von ihnen einfach den Mund halten, so wie der deutsche Kommentator Tom Bartels.

Stadionhymnen aus dem Mutterland der Popmusik

Kein Fußballverein ohne eigene Hymne. Auch hier sind die Engländer federführend. Schließlich steht in England auch die Wiege der Popmusik. Pop- und Rocksongs werden zu Fußballhymnen, britische Bands schreiben direkt eigene Songs. Beste Beispiele: "Three Lions (Football's Coming Home)" von den Lightning Seeds.

Oder die Königin aller Fußballhymnen: "You'll Never Walk Alone" von Gerry and the Pacemakers. Die Band stammt aus Liverpool, hat den damals schon 18 Jahre alten Song 1963 gecovert und ihn zum Nummer 1 Hit gemacht. Irgendwann nahmen sich die Fans des FC Liverpool den Song vor und begannen ihn im Stadion zu singen. Inzwischen wird das Lied in vielen Fußballarenen gesungen, egal ob Sieg oder Niederlage.

Oder zwischendurch, wenn die Fans etwas ganz besonders bewegt: So haben im vergangenen März Fans aus Dortmund für nasse Augen gesorgt, nachdem in den Zuschauertribünen ein Unglück passiert war. Während des Fußballpiels war ein Fan an einem Herzinfarkt gestorben. Das Spiel lief zwar weiter, aber die Fans sangen die melancholische Hymne für diesen einen Fan.

Nur kurze Zeit später drückten die Dortmunder Fans nochmal auf die Tränendrüse. In der Hinrunde des Europa League-Viertelfinales empfing Borussia Dortmund den FC Liverpool, und dessen Trainer, Dortmunds Ex-Trainer Jürgen Klopp. Als "Kloppo" mit seiner Mannschaft in seinem alten Stadion einlief, sangen 65.000 Dortmunder und Liverpooler Fans zusammen "You'll Never Walk Alone". Gänsehautfaktor, wie man im Video hört.

Hymnen aus der Heimat

Deutsche Vereine brauchen nicht immer Vorlagen aus dem angelsächsischen Raum, um sich und ihre Mannschaft vor und nach dem Spiel zu feiern. Schon gar nicht, wenn der Verein aus einer Stadt wie Köln kommt. Köln hat nicht nur hunderte, wenn nicht gar tausende Hymnen auf sich selbst zu bieten. Auch der Fußballclub 1. FC Köln wird immer wieder und gerne von lokalen Bands besungen. Wolfgang Niedeckens BAP etwa hat es 2000 gemacht: Von "FC jeff Jass" (FC gib Gas) gibt es inzwischen drei Versionen.

Neben einigen anderen kölschen Stadionhits hat sich "Mer stonn zo dir, FC Kölle" (Wir stehen zu dir, FC Köln) als absoluter Klassiker und offizielle Hymne des Vereins gemausert. Die Kölner Band "Höhner" hat sich des alten schottischen Traditionals "Loch Lomond" bedient, eine Ode an den Fußballclub gedichtet und fortan wurde es von den Kölner Fans mit Inbrunst gesungen.

Einmarsch mit Loo Lo-Lo-Lo-Lo-Looo Looo

Spätestens seit der EM 2008 ist dieser Song aus den Fußballstadien nicht mehr wegzudenken: "Seven Nation Army" von der US-Band The White Stripes (2003). Belgische Fußballfans haben ihn während der Champions League-Saison 2003/2004 ins Stadion von Brügge gebracht.

Die Fans der gegnerischen Mannschaften fanden das Lied gut, nahmen es mit und verbreiteten es. Italienische Fans grölten es schon zur WM 2006. Zwei Jahre später fand die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz statt. Dort wurde der Song bei jedem Einmarsch der Mannschaften gespielt. Et voilà - der nächste Fußballklassiker war geboren. Für jeden Bierzustand, der Text ist nicht so wichtig. Keine Frage, dass der Song auch beim Torjubel der diesjährigen Europameisterschaft gerne in den Rängen gegrölt wird.

Tooooor!

Wenn ein Tor fällt, wird nicht nur in allen Stadien mit Hilfe des Stadionsprechers gefeiert. Kleine musikalische Einspieler verstärken den Siegestaumel noch - und können die Gästemannschaft schonmal aus der Fassung bringen. Beim 1. FC Köln, so lacht ganz Deutschland, spiele man Karnevalsmusik. Kölner Fans lachen auch, "wenn dat Trömmelche jeiht" (wenn die kleine Trommel geht). Dann nämlich sieht es für den FC gut aus auf dem Spielfeld.

Die Mainzer spielen übrigens auch einen Karnevalsklassiker: Den Narhalla Marsch. Beim FC Bayern erklingt "Seven Nation Army", bei Bayer Leverkusen gibt es Status Quos "Rockin' All Over The World", in Mailand tönt Van Halens "Jump" aus den Lautsprechern. In St. Pauli und in Salzburg läuft "Song 2" von Blur. Ein großer Torjubel-Klassiker in vielen Ländern ist "Chelsea Dagger" von den Fratellis und der VFB Stuttgart lässt, wie der niederländische Verein Vitesse Arnheim das Punkbrett "Bro Hymn" von Pennywise laufen.

Singende Fußballer

Grölende, betrunkene Fans sind schon schwer zu ertragen. Kein Satz jedoch kann böse genug sein um zu beschreiben, was dem menschlichen Ohr in der Kategorie "singende Fußballer" schon angetan wurde. In den 1960er und 70er Jahren mussten alle großen deutschen Fußballstars mal ran, von Franz Beckenbauer bis Gerd Müller.

Die verschiedenen deutschen Nationalteams wurden vor jedem internationalen Turnier ins Studio gezwungen, um mit Schlagerstars wie Udo Jürgens, Peter Alexander oder gar Nicole ein Fußballlied zu singen. Damit mussten sie auch live im Fernsehen auftreten und sorgten für unvergessene Momente. Ungelenk und komplett am Takt vorbei agierten sie wie ein verwirrter Männerchor, der nur einen Gedanken im Kopf hat: Flucht. Manche Spieler hatten sogar Rasseln in der Hand oder schnippten tapfer mit.

Der erste Hit der deutschen Nationalelf ist von 1974. Das Lied "Fußball ist unser Leben" hat sicher nichts damit zu tun, dass Deutschland in jenem Jahr auch Weltmeister geworden ist. Die Peinlichkeiten hörten in den 90ern auf. Für deutsche Rock- und Popstars wurde es hip, sich einen Spieler rauszupicken und mit ihm einen Song aufzunehmen. So hat die Rockband Sportfreunde Stiller 2004 dem Stürmerstar Roque Santa Cruz, der acht Jahre bei Bayern spielte, mit "Ich, Roque" ein Denkmal gesetzt. Mesut Özil war 2010 mit dem deutschen Soulsänger Jan Delay im Studio und rappte auf den Song "Large": "Alle Kidz finden Mesut derbe, … was geht ab, yo?"

Auch international hat es schon kultverdächtige Hits gegeben. So hat Kevin Keegan, der englische Stürmerstar aus den 1970ern, einen richtigen Chartserfolg gelandet - mit dem schwülstigen Popsong "Head Over Heels In Love". Auch Portugals Superstar Cristiano Ronaldo war sich nicht zu schade für sowas und sang den Bossa Nova-Song "Amor Mio".

In der Spotify-Playlist haben wir die besten Fußballpartykracher, berühmte WM-Hits und putzige Aufnahmen aus einer anderen Zeit für euch zusammengestellt.

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