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Asien

"Weniger Verluste, mehr Propaganda"

Auch nach dem Tod des Terrorführers Osama bin Laden demonstrieren die Taliban in Afghanistan mit zahlreichen Anschlägen ihre destablisierende Kraft für das Land. Die Hintermänner werden jedoch in Pakistan vermutet.

Archivbild: Bundeswehrsoldaten gehen in Talokan auf Streife, um Kontakt zur Bevölkerung aufzunehmen. Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Bundeswehrsoldaten gehen in Talokan auf Streife, um Kontakt zur Bevölkerung aufzunehmen.

Der Anschlag in der nordafghanischen Stadt Talokan, bei dem am Samstag zwei Bundeswehrsoldaten und zwei hochrangige afghanische Sicherheitsexperten getötet wurden, war möglicherweise doch kein Selbstmordattentat. Das bestätigte ein Sprecher des Einsatzführungs-Kommandos der Bundeswehr gegenüber der Deutschen Welle. Ein Vertreter des afghanischen Geheimdienstes hatte sich zuvor ähnlich geäußert.

Veränderte Strategie?

Ob Sprengsatz oder Anschlag: Das Vorgehen der Täter in Talokan ist Wasser auf die Mühlen all derer, die eine veränderte Strategie der Terroristen zu erkennen glauben. General Zaher Azimi, Sprecher im afghanischen Verteidigungsministerium, resümiert, dass die Taliban nicht länger auf militärische Etappensiege setzen wie noch vor einem Jahr. In den Provinzen Helmand, Kandahar, Uruzgan und Zabul hätten sie ohnehin keinen nennenswerten Einfluss mehr, erklärt der General. Mittlerweile hätten sie sich auf Selbstmordanschläge konzentriert: "Dadurch haben sie weniger Verluste und mehr Propaganda."


MItglieder der Taliban in der Provinz Herat. Foto: DW/Hashemi

Die Taliban in Afghanistan ändern ihre Stategie bei Terroranschlägen

Weniger ist mehr?


Nach vorsichtigen Schätzungen ist die Zahl der Anschläge im Vergleich zum Vorjahr bislang eher gesunken. Dafür gehen die Terroristen planvoller, gezielter vor. Sie versuchen nicht länger, sich in Stellungen zu verschanzen. Stattdessen mischen sie sich gezielt in Menschenmengen, um ihren Selbstmordanschlägen eine möglichst zerstörerische Wirkung zu verleihen. Asadullah Walwalji, afghanischer Militärexperte, verweist darauf, dass mittlerweile 15 bis 16 Distrikte von der Herrschaft der Taliban befreit seien. "Im Moment haben die Taliban nicht das Ziel, eine Provinz unter Kontrolle zu bekommen. Sie setzen vielmehr auf Selbstmordattentate."

Anschlag auf Sicherheitsexperten


Amerikanische Luftwaffe griff am 08. Mai 2011 ein militärisches Ziel in der südafghanischen Unruheprovinz Helmand an. Foto: AP/Kevin Frayer

Die NATO bekämpft die Taliban mit der Luftwaffe

Für maximale öffentliche Aufmerksamkeit ihrer Taten nehmen die Terroristen nun auch hohe Militärs und Führungspersönlichkeiten ins Visier. Ihre zynische Botschaft: "Nicht mal mit maximalem Schutzschirm seid ihr sicher". Solch einem offensichtlich gut geplanten Attentat war am Samstag in Talokan General Daud Daud zum Opfer gefallen. Der Befehlshaber der afghanischen Polizeitruppen im Norden galt als erbitterter Feind der Taliban. Ohne ihn würde die Arbeit künftig nicht leichter werden, heißt es im Einsatzführungskommando. Die Gründe für die Zunahme der Gewaltakte in den vergangenen Wochen sind nach Meinung der Experten vielschichtig: die Übergabe der Verantwortung in die Hände der Afghanen, die Gespräche der Afghanen mit den USA über eine längerfristige, strategische Partnerschaft und nicht zuletzt der Tod des Terrorführers Osama bin Laden.


Täter aus dem Nachbarland Pakistan?

Zaher Azimi, Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums, glaubt, dass die Hintermänner in Pakistan sitzen könnten. "Anstatt ihren Einfluss in Verhandlungen und Gesprächen geltend zu machen, versuchen die Pakistaner mit Hilfe von Terrorangriffen ihre Macht in Afghanistan zu demonstrieren."

Archiv: Militante Islamisten bei der Ausbildung in Pakistan. Foto: AP

Hintermänner der Anschläge in Afghanistan werden in Pakistan vermutet.


Bislang ist freilich nicht erwiesen, ob die Spur der Täter tatsächlich ins Nachbarland führt. Dass Pakistan in der Vergangenheit Taliban als Handlanger gezielt zur Destabilisierung Afghanistans benutzt hat, gilt allerdings als sicher. Eine Aufgabe der internationalen Truppen und afghanischen Sicherheitskräfte wird in den kommenden Wochen sein, die Spur der Terroristen von Talokan und ihre Hintermänner zu finden.

Autoren: Bari Hakim und Ute Hempelmann
Redaktion: Ratbil Shamel