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Amerika

Weniger Verkauf - gutes Geschäft mit Ersatzteilen und Service

In Wilmington fand jetzt die Aktionärsversammlung von Ford statt. Ford ist das einzige Automobilunternehmen der USA, das nicht um Kredithilfe gebeten hat. Das heisst aber nicht, dass die Ford-Autohändler sorgenfrei sind.

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Geschäftsinhaber Ron Davis in seiner Filiale in Santa Monica

In der Verkaufshalle einer Ford-Vertretung von Santa Monica stehen eng beieinander blank polierte Ford-Modelle. Vom strahlend weissen Geländewagen über schwarze Minivans und Vier-Türer bis zum neusten Ford-Hybrid-Modell, dem Fusion. Doch niemand scheint sich für das Angebot des Autohändlers in Santa Monica zu interessieren. Seit mehr als drei Stunden warten die vier Verkäufer an ihren sehr aufgeräumten Schreibtischen auf Kundschaft. Geschäftsinhaber Ron Davis sagt, dass im Vergleich zum Vorjahr der Verkauf von neuen Modellen, besonders von den größeren, um 35 bis 40 Prozent gesunken sei. Doch es gibt auch einen positiven Aspekt der Finanzkrise: die Werkstatt habe mehr zu tun, weil Autobesitzer ihre Wagen länger behalten und besser pflegen. Das Geschäft mit Ersatzteilen und Service laufe gut.

Eine Kundin fährt im Toyota Prius vor. Sie holt mit ihrem Mann, zwei Kindern und einem Schäferhund das Auto ab, das sie sich am vergangenen Wochenende ausgesucht hat. Der fabrikneue metallic-hellblaue fünftürige Wagen - eine Mischung aus Kombi und Minivan - steht schon auf dem Parkplatz bereit. Felicity Bayindor hat bei der Suche nach dem neuen Familienwagen sehr auf den Benzinverbrauch der verschiedenen Modelle geachtet. Noch wichtiger war es für sie, ein ausreichend großes Modell zu finden . Zwei Kinder, zwei Hunde, Katzen und ein Babysitter müssen mit in das Auto passen. Sie freut sich, dass die Surfbretter Platz haben und es für die Kinder einen DVD-Spieler gibt.

Gutes Klima für Hybrid-Fahrzeuge

Der Ford-Verkaufsraum in Santa Monica von aussen, Santa Monica, Kalifornien Foto Kerstin Zilm Datum 11.5.2009

Die fetten Jahre sind vorbei: Ford-Niederlassung in Santa Monica

Santa Monica, die Küstenstadt westlich von Los Angeles, ist bekannt für ihre umweltbewussten Bewohner. Seit Jahrzehnten wird hier Müll getrennt und recycelt. Im vergangenen Jahr verbot die Stadt Restaurants die Ausgabe von Styroporbehältern. Supermärkte werden angehalten, ihren Kunden nur Papiertüten zu geben und auch das nur, wenn sie darum bitten. Es ist ein gutes Klima für den Verkauf von weniger Benzin verbrauchenden Hybrid-Modellen. Kaum kam der Toyota Prius auf den Markt, gab es in Santa Monica lange Wartelisten. Ford-Händler Ron Davis macht eine ähnliche Erfahrung, seit das Fusion-Modell von Ford in seinem Verkaufsraum steht:

Alle vier Hybrid-Fahrzeuge, die der Hersteller lieferte, waren schnell verkauft. Acht Kunden haben welche bestellt. Davis lobt die Entscheidung des Ford-Managements, Hybrid-Fahrzeuge und Modelle im europäischen Stil zu produzieren, die weniger Benzin verbrauchen. Der Markt sei dafür ideal.

Neuer Patriotimus beim Autokauf

Felicity Bayindor und ihre Familie holen ihr neues Auto bei Ford ab

Der Heimat zuliebe: Felicity Bayindor und Familie holen ihren neues Ford ab

Im Gegensatz zu seinen Kollegen von Chrysler und General Motors in Santa Monica, von denen manche wie er seit Jahrzehnten ihre Unternehmen führen, muss Ron Davis nicht fürchten, dass seine Vertretung geschlossen wird. Doch: er musste schmerzhafte Einschnitte machen. Nachdem er die Ausgaben in Werbung und Verwaltung so weit gekürzt hatte wie er konnte, musste er von 120 Mitarbeitern rund 20 entlassen. Manche von ihnen hatten über zehn Jahre in dem Betrieb gearbeitet.

Die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise auf den Arbeitsmarkt in den USA haben bei Felicity Bayindor unerwartet Patriotismus geweckt. Die Drehbuchautorin hat sich besonders genau Angebote von US-Autohersteller angesehen. Sie hätte nie gedacht, dass sie einmal sagen würde "Ich bin stolz, ein amerikanisches Auto zu kaufen". Doch nun sei es ein gutes Gefühl, weil sie dazu beitrage, dass Produkte in den USA hergestellt werden und Leute im Land Arbeit finden. Sie hofft, dass Ford - kombiniert mit den Vorgaben der neuen Regierung - gute umweltfreundliche Autos herstellen kann.

Geschäftsinhaber Ron Davis plant an seinem Schreibtisch inzwischen einige Initiativen, um Kunden anzulocken. Er arbeitet mit dem Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen sowie der Handelskammer eng zusammen. Die Stadt Santa Monica bezieht 25 Prozent ihrer Einnahmen aus den Abgaben von Autohändlern. Ron Davis ist zuversichtlich, dass sie gemeinsam die Durststrecke überstehen können: wenn sich alle gegenseitig unterstützen und den Umständen anpassen.

Autorin: Kerstin Zilm

Redaktion: Oliver Pieper

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