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Wirtschaft

Weniger Todesopfer, mehr Sachschäden

Bei 380 Naturkatastrophen sind im ersten Halbjahr 2009 weltweit 3000 Menschen getötet worden. Es entstanden Schäden von 25 Milliarden Dollar. In den Jahren zuvor fiel die Katastrophenbilanz tendenziell schlimmer aus.

Ein Mann sitzt in einem zerstörten Haus in Onna (Foto: AP)

Erdbeben von L'Aquila: Nur wenige in der Region waren versichert

Das erste Halbjahr 2009 sei bisher im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren moderat ausgefallen, sagt Peter Höppe, Leiter der Geo-Risiko-Forschung bei der Münchener Rück. Im Durchschnitt seien in den ersten Halbjahren von 1999 bis 2008 rund 24.000 Menschen gestorben, also achtmal so viele wie 2009. Auch der wirtschaftliche Schaden war in den vergangenen Halbjahren mit durchschnittlich 42 Milliarden US-Dollar deutlich höher. "Bei den versicherten Schäden sind wir allerdings mit elf Milliarden US-Dollar leicht höher als im Zehnjahresmittel", sagt der Risikoforscher. Das läge daran, dass vor allem Länder mit vielen Versicherten von Unwettern betroffen waren.

Hohe materielle Schäden in den USA und Europa

Eine meterhohe Welle schlägt an der französischen Atlantikküste auf einen Pier (Foto: AP)

Orkan "Klaus": Teuerstes Unwetter im ersten Halbjahr

Bei Unwettern in Europa und den USA sind große Teile der Schäden versichert gewesen. Der Wintersturm "Klaus" war dabei das teuerste Unwetter. Ende Januar fegte der Orkan über Teile Spaniens, Frankreichs und Italiens und kostete mehr als 20 Menschen das Leben. Durch den Sturm entstanden gesamtwirtschaftliche Schäden von knapp vier Milliarden US-Dollar, von denen rund zwei Milliarden versichert waren.

In den USA sind ebenfalls viele Menschen gegen Unwetterschäden versichert, weshalb auch hier hohe Kosten auftraten. Bei den drei schlimmsten Tornados im ersten Halbjahr starben mehr als 20 Menschen. Es entstand ein Versicherungsschaden von über drei Milliarden US-Dollar und ein gesamtwirtschaftlicher Schaden von knapp vier Milliarden US-Dollar.

Hohe Opferzahlen in ärmeren Ländern

Ein Mann vor zerstörten Hütten in Bangladesch(Foto: DW)

Zyklon "Aila": Viele Tote, wenig Versicherungsschäden

Die beiden Naturkatastrophen mit den höchsten Opferzahlen hatten jedoch keine hohen versicherten Schäden. Bei der schlimmsten Katastrophe des ersten Halbjahres starben 320 Menschen, als der Zyklon "Aila" Teile Bangladeschs, Indiens und Bhutans verwüstete. Die Schäden waren groß, aber nicht versichert. "Es ist ein klares Phänomen", sagt Höppe: "Dort, wo wir die hohen materiellen Schäden haben, ist auch der Wohlstand hoch. In den ärmeren Ländern sind die materiellen Schäden relativ gering, aber die Menschen sind sehr stark gefährdet."

Auch das Erdbeben von L’Aquila, bei dem 295 Menschen ums Leben kamen, zog nur geringe versicherte Schäden nach sich. Viele Menschen der Erdbebenregion waren nicht versichert. Die gesamtwirtschaftlichen Schäden belaufen sich zwar auf rund 2,5 Milliarden US-Dollar, der versicherte Schaden beträgt allerdings nur 260 Millionen US-Dollar.

Mehr Naturkatastrophen durch Klimawandel

Ein Löschzug vor riesigem Buschfeuer westlich von Melbourne (Foto: AP)

Buschbrände in Australien: 173 Tote, Schäden in Höhe von gut einer Milliarde Dollar

Die Daten des Risikoforschers zeigen, dass in den vergangenen Jahrzehnten die Zahl der Stürme und anderer wetterbedingter Naturkatastrophen gestiegen ist. Naturkatastrophen aus der Erde hingegen, also zum Beispiel Erdbeben oder Vulkanausbrüche, kämen jedoch nicht häufiger vor. "Wenn nur die Katastrophen stark zunehmen, die aus der Atmosphäre kommen, liegt natürlich die Annahme nahe, dass sich in der Atmosphäre etwas verändert hat", meint Höppe.

Der Klimawandel habe also Auswirkungen auf Naturkatastrophen und trage zu einer Intensivierung der Wetterextreme bei. Zum Beispiel könnten vermehrt Hitzewellen auftreten, die wiederum die Gefahr von Waldbränden erhöhen. Anfang des Jahres starben in Australien bei den schlimmsten Buschbränden seit Jahrzehnten 173 Menschen. Die wirtschaftlichen Schäden betrugen über eine Milliarde US-Dollar.

Auch wenn die Bilanz des ersten Halbjahres 2009 insgesamt weniger schlimm ausfiel als in den vergangenen Jahren - das dicke Ende kann noch kommen: Typischerweise entstehen in der zweiten Jahreshälfte höhere Schäden als in der ersten, da der Großteil der nordatlantischen Hurrikan-Saison in diese Zeit fällt.

Autor: Julian Jaursch

Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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