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Politik

Weniger Grenzen für kluge Köpfe

Im norwegischen Bergen haben die europäischen Bildungsminister über eine gemeinsame Hochschulpolitik diskutiert. Bevor 2010 die letzten Grenzen fallen, soll ein Qualitätssiegel die Vergleichbarkeit der Unis erleichtern.

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Bachelor in Schweden, Master in Griechenland: Bald schon Alltag?

Ein "Europa des Wissens" schwebte den Vertretern Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und Deutschlands vor, als sie 1998 an der Pariser Universität Sorbonne ihre Idee einer einheitlichen Hochschulausbildung in Europa vorstellten. Mittlerweile haben sich ihnen mehr als 40 Staaten angeschlossen, darunter zuletzt etwa Georgien und die Ukraine. In der Erklärung von Bologna verpflichten sie sich, noch in diesem Jahrzehnt einen "europäischen Hochschulraum" zu schaffen.

Alte Abschlüsse werden ersetzt

Bislang herrscht in Europa zwischen Diplom, Master und Magister eine schwer überschaubare Vielfalt der Bildungsabschlüsse. Universitäten erkennen im Ausland absolvierte Studien häufig nicht an und Arbeitgeber weisen ausländische Absolventen mit Skepsis zurück.

Spätestens 2010 soll damit Schluss sein: Ein zweistufiges System mit Bachelor und Master wird die heutigen Programme weitgehend ersetzen. Auf dem Arbeitsmarkt soll man schon nach drei Jahren mit dem Bachelor gute Chancen haben. Im Anschluss dient der Master als zusätzliche Qualifikation oder zum Einstieg in die Universitätslaufbahn.

Auslandsstudium wird einfacher

Campusleben in der Universität Viadrina in Frankfurt(Oder), aufgenommen am 04.06.2003

Beispiel für gelebte Internationalität: Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder)

Der einheitliche Aufbau des Studiums soll es für den Studenten einfacher machen, einen Teil seiner Ausbildung im Ausland abzuleisten. Es wird möglich sein, etwa für Vorlesungen, Hausarbeiten oder Labortätigkeiten Leistungspunkte zu erwerben, die auf das Studium in der Heimat angerechnet werden. Auch der Wechsel zwischen den Systemen wird gefördert: Einem Bachelor in Spanien, Belgien oder Polen kann ein Master in Deutschland, Griechenland oder der Ukraine folgen.

Die Reformen in den Teilnehmerstaaten sind bereits in vollem Gange. Auf ihrer Konferenz in Bergen haben sich die Bildungsminister nun mit einer Zwischenbilanz auseinandergesetzt. Danach gehören Dänemark, Norwegen und Großbritannien zu den Vorreitern der Initiative. Besonderen Nachholbedarf gibt es indes in Südosteuropa.

Umsetzung geht schleppend voran

Die Probleme in Deutschland sind von besonderer Natur. Die Umsetzung verläuft langsam und birgt zahlreiche Reibungspunkte. So führt die föderale Struktur zu einem Kompetenzkonflikt zwischen Bund und Ländern. Zwar liegt die Bildungshoheit bei den Ländern. Doch ist der Bund zugleich zuständig, Rahmengesetze zu beschließen und dadurch auch die derzeit angestrebten Reformen einzuleiten. Eine Reihe von Bundesländern sorgen sich um ihre Mitbestimmungsrechte und verweigern die Zusammenarbeit.

Besondere Bedenken bringen auch die Hochschullehrer vor. Sie befürchten, dass das - wie die PISA-Studie belegt - ohnehin schon kritikwürdige deutsche Bildungssystem weiter ausgedünnt wird. Viele sehen das Diplom oder den Magister als besonderen Qualitätssiegel an und stellen sich daher gegen die Neuerungen.

Die Folge ist, dass erst 27 Prozent aller Studiengänge dem neuen Rhythmus folgen und kaum Studenten in den neuen Studiengängen eingeschrieben sind. Peter Ziegler, stellvertretender Pressesprecher des deutschen Bildungsministeriums, zeigt sich besorgt: "Es kann nicht sein, dass wir in Europa Widerstände abbauen und zugleich in Deutschland neue Hemmnisse aufgebaut werden."

Einbußen bei der Qualität?

Bildungsminister Edelgard Bulmahn im Bundestag

Bei Vereinheitlichung die Qualität nicht vergessen: Bildungsministerin Edelgard Bulmahn

Die zentrale Herausforderung auf europäischer Ebene sieht die deutsche Delegation in Bergen indes im Bereich der Qualitätssicherung. Die Umsetzung der Reformen verläuft bislang längst nicht so einheitlich, wie man gewünscht hatte. Weder die Breite der Einführung der Studiengänge noch ihre Dauer folgen klaren Prinzipien. Darunter leidet nicht nur die Vergleichbarkeit von Studienleistungen. Vielmehr ist der Weg zu deutlichen Unterschieden in der Qualität der Bildungsangebote nicht weit.

Daher hofft die deutsche Bildungsministerin Edelgard Bulmahn, in der norwegischen Hafenstadt eine grundsätzliche Verständigung auf ein Qualitätsmanagement für alle Hochschulen zu erreichen. Nur so könne sich Europa "international beim Wettbewerb um die besten Köpfe an der Spitze halten".

Hoffnungsvoll zeigt man sich unterdessen im Hinblick auf die andere Seite des "Bildungsmarktes". Bei den Arbeitgebern stoßen die neuen Studiengänge und die damit verbundenen internationalen Aspekte auf immer größere Akzeptanz. So wird immer wahrscheinlicher, dass sich der Aufbruch in den neuen europäischen Hochschulraum für den Studenten auch auszahlen wird.

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