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Wirtschaft

Weniger Fälle von Korruption in Deutschland

Immer wieder erschüttern Korruptionsfälle die Wirtschaft - gibt es denn gar keine Einsicht bei den Managern? Das haben sich auch die Wirtschaftsberater bei Ernst & Young gefragt und heute ihre Ergebnisse veröffentlicht.

Die Fifa hat es getan, Siemens auch. Der Lkw-Bauer MAN und ebenso der Industriedienstleister Ferrostaal. Sie alle haben schon mal mit "Aufmerksamkeiten" nachgeholfen, um Aufträge zu bekommen. Auch bei Daimler flossen schon Gelder in schwarze Kassen, und VW sicherte sich das Wohlwollen der Betriebsräte mit Luxusreisen und käuflichen Damen. Die Liste lässt sich beliebig verlängern.

Weniger Korruptionsfälle in deutschen Unternehmen

Bis 2002 konnten in Deutschland Schmiergelder sogar steuerlich abgesetzt werden, inzwischen sind sie strafbar. Seit dem wurde viel getan, und das zeigt Früchte. In den letzten zwei Jahren wurde nur noch in jedem siebten deutschen Unternehmen ein bedeutsamer Betrugs- oder Korruptionsfall aufgedeckt. 2014 stand noch jedes vierte Unternehmen am Pranger.

Weltweit sieht es allerdings noch besser aus als in Deutschland: Im Schnitt wurden nur in jedem achten Unternehmen solche Fälle entdeckt. Dabei gibt es natürlich erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Während Unternehmen in der Slowakei, in der Türkei und Indonesien nicht oder kaum korrupt erscheinen, sieht es in der Ukraine sehr schlecht aus. Dort ist fast jedes zweite Unternehmen in Betrug und Korruption verwickelt, in Kenia sind es 36 Prozent der Unternehmen, und in Südafrika 26 Prozent.

Das ist das Ergebnis einer Studie von Ernst & Young (EY). Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft befragte Führungskräfte aus über 2.800 Unternehmen in 62 Ländern. Offen bleibt bei dem Ergebnis jedoch, ob die Zahlen aus Deutschland im Vergleich zum internationalen Durchschnitt relativ hoch sind, weil die deutschen Unternehmen immer noch gerne zu illegalen Praktiken greifen, oder weil hier so gute Compliance Strukturen eingeführt wurden, dass Fehlverhalten schnell aufdeckt wird.

Infografik Aufträge gegen Geschenke und Geld Deutsch

Bargeld für Aufträge - in Deutschland ein Tabu, in China für jeden zweiten Manager ein probates Mittel.

Was glauben die Manager selber?

In ihrer eigenen Wahrnehmung halten sich die Deutschen für nicht so korrupt, was eher für die guten Compliance-Strukturen sprechen würde. Stefan Heißner von EY bestätigt: "Nach den großen öffentlichkeitswirksamen Betrugs- und Korruptionsfälle der Vergangenheit haben viele Unternehmen Compliance zur Chefsache gemacht und sich entsprechende Richtlinien gegeben." Nur sechs Prozent der Manager glauben, Bestechung und Korruption sei in Deutschland weit verbreitet.

Dagegen sind weltweit 39 Prozent, also zwei von fünf Führungskräften der Meinung, in ihrem eigenen Land seien illegale Praktiken gang und gäbe. Besonders schlimm ist es in Brasilien, wo neun von zehn Managern Korruption für Unternehmensalltag halten, in der Ukraine sind es 88 Prozent, in Thailand und Nigeria 86 Prozent.

Besonders gut sieht es nach Meinung der Führungskräfte in skandinavischen Ländern aus - und auch in Saudi Arabien.

Infografik Weltweite Verbreitung von Korruption und Bestechung Deutsch

Jeder zweite Managern in Italien und Indien glaubt, dass im eigenen Land Bestechung und Korruption weit verbreitet sind.

Compliance-Richtlinien ja – klare Sanktionen nein?

Zwar sei es gut, dass mittlerweile 98 Prozent der deutschen Unternehmen Antibestechungs- und Antikorruptionsrichtlinien haben - mehr als im weltweiten Durchschnitt, der bei 84 Prozent liegt. Aber die Folgen von Korruption seien oft noch zu unverbindlich, meint Heißner. Nur 68 Prozent der Manager nehmen klare Sanktionsandrohungen bei einem Verstoß gegen die Richtlinien wahr. Das sind weniger als vor zwei Jahren. Auch weltweit rechnen mehr Manager, nämlich 75 Prozent mit Folgen, wenn sie zu illegalen Mitteln greifen.

Blickt man auf das Unrechtsbewusstsein der Manager, zeigt sich wie wichtig klare Sanktionen sind. Denn: "Der wahre Wert von Compliance-Richtlinien zeigt sich, wenn dunkle Wolken aufziehen, also Unternehmen drohen, ihre Ziele zu verfehlen", so Heißner. Jeder fünfte deutsche Manager würde Unterhaltungsdienstleistungen finanzieren oder persönliche Geschenke machen, um sein Unternehmen über einen Wirtschaftsabschwung zu retten.

Das sei alarmierend, so Heißner. "Eigentlich sollte inzwischen jeder sensibilisiert sein: Der Schaden, den Bestechung und Korruption anrichten können, kann für das Unternehmen aber auch den beteiligten Manager existenzbedrohend werden." Zum einen würden Strafverfolgungs- und sonstige Behörden Verstöße ahnden, zum anderen würde das Unternehmen einen Imageschaden erleiden, und es könnten Schadensersatzforderungen entstehen. Trotzdem glauben immer noch 16 Prozent der deutschen Manager, dass ihre Wettbewerbsposition durch Compliance-Regeln verschlechtert wird.

Infografik Bestechung Korruption Umfrage Deutsch

Während in Finnland, Großbritannien, Italien und Israel kein einziger Manager die eigene Wettbewerbsposition durch Compliance Regeln geschwächt sieht, haben in Saudi-Arabien sogar 38 Prozent Sorge vor Nachteilen.

Schreckt staatliche Verfolgung ab vor Korruption und Bestechung?

Unrechtbewusstsein? Damit ist es weltweit auch nicht weit her. Im globalen Durchschnitt sind die Skrupel, mit Bargeld oder bezahlten Dienstleistungen seinem Geschäft auf die Sprünge zu helfen. noch geringer als hierzulande. Während hierzulande nur jeder Fünfte zu solchen Mitteln greifen würde, ist weltweit mehr als jeder Dritte.

Das liegt wohl auch daran, dass in Deutschland die Gefahr, entdeckt zu werden relativ hoch ist. Zwei Drittel der deutschen Führungskräfte glauben, dass Strafverfolgungsbehörden Bestechung und Korruption verfolgen und verurteilen - weltweit rechnet nur ein Drittel mit solchen Konsequenzen.

Auch Heißner glaubt, dass die Dunkelziffer an unentdeckten Straftaten in vielen Ländern hoch sein dürfte. "Für Manager in Ländern mit funktionierender Strafverfolgung kann das frustrierend sein." Ist nun der Ehrliche in einer solchen Welt der Dumme? Nein, meint Heißner: "Bestechung und Korruption entwickeln sich fast immer zum Bumerang. Davon abgesehen ist es ganz einfach das falsche Mittel: Korruption kompensiert häufig fehlende Innovation.“

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