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Afrika

Wenig Widerstand gegen Terror in Nord-Mali

Islamistische Rebellen terrorisieren den Norden Malis. Tausende Menschen sind auf der Flucht. Die Bevölkerung versucht, sich zu wehren. Doch die Islamisten sind schwer bewaffnet und gehen brutal vor.

Seit April kontrollieren die Kämpfer der Ansar Dine ("Verteidiger des Glaubens") und der Mujao, der "Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika" den Norden Malis. Nach einem Militärputsch in der Hauptstadt Bamako hatten die Islamisten, die teilweise Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida haben sollen, zwei Drittel des Landes erobert. Ihr Ziel: ganz Mali in einen Gottesstaat nach islamistischem Muster zu verwandeln.

Im Norden versuchen die Islamisten bereits, das islamische Recht, die Scharia, gemäß ihren Vorstellungen erbarmungslos durchzusetzen. Dort sollen sie ein unverheiratetes Paar gesteinigt und mutmaßlichen Dieben die Hand abgehackt haben.

In der Stadt Gao konnte die Bevölkerung das allerdings bislang verhindern. Nach der Ankündigung der Islamisten, einem angeblichen Dieb die Hand abzuhacken, strömten Hunderte Jugendliche Anfang August auf den Unabhängigkeitsplatz. Nach mehreren Demonstrationen gegen die brutale Bestrafung mussten die Extremisten ihr Vorhaben aufgeben.

Ein Kämpfer der Mujao in Gao (Foto: AFP/GettyImages)

Die Mujao-Kämpfer wollen auch in Gao die Scharia durchsetzen

Prügel in den Städten

Trotz des Widerstands: Auch in Gao und anderen Städten des Nordens gehen die Islamisten weiter brutal vor, überall sehen sie Gegner. Schmerzhaft erfahren musste das Abdoul Malick Maïga, der für einen regionalen Radiosender über die Proteste der Jugend von Gao berichtete. Mitten in einer Live-Sendung seien plötzlich bewaffnete Kämpfer in sein Studio eingedrungen, sagte Maïga dem malischen Staatssender ORTM.

"Sie haben angefangen, mich zu verprügeln, mich mit ihren Gewehrkolben zu schlagen", so Maïga. "Sie haben mir auf den Rücken gehauen. Dann haben sie mich in ein Auto gezerrt und ich habe Schläge abbekommen, von Kopf bis Fuß." Die bewaffneten Männer fuhren Maïga an einen abgelegenen Ort außerhalb Gaos und ließen ihn erst wieder frei, als sie ihn fast tot geprügelt hatten.

Nicht weniger gefährlich ist die Lage in Timbuktu, wo die Islamisten im Juni zahlreiche Denkmäler zerstört haben, die unter dem Schutz der Welt-Kulturorganisation UNESCO stehen. "Bislang wurden hier noch keine Hände abgehackt oder gar Schlimmeres getan. Aber die Islamisten verprügeln die Leute auf dem Marktplatz", sagt Hadji Garda im Gespräch mit der DW. Er lebt in Timbuktu und befürchtet, dass die Islamisten bald auch in seiner Stadt die Scharia durchsetzen.

Der Wille Gottes?

"Hier gibt es keine Hoffnung mehr, gar keine Hoffnung", sagt Garda. Aufgrund des Konflikts herrsche völlige Armut in der Stadt und es gebe auch niemanden, der einen möglichen Widerstand gegen die Islamisten koordinieren könnte. Auch die Ältesten Timbuktus hätten die Jugend dazu aufgerufen, still zu halten und sich den Islamisten nicht in den Weg zu stellen.

"Es ist nun mal so, wie es ist", meint auch Garda. "Wir legen hier alles in die Hand Gottes. Wir sind Fatalisten". Es herrsche die Meinung vor, dass Widerstand keinen Sinn mache, weil der Wille des Allmächtigen geschehe.

Eine Bürgerwehr in Gao (Foto: AFP/GettyImages)

Junge Männer in Gao sollen eine Bürgerwehr gebildet haben

Andererseits gibt es immer wieder Berichte und Bilder von Bürgerwehren, die sich in den Städten Nordmalis gebildet haben sollen. Mamadou Diawara ist Professor für Ethnologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Der gebürtige Malier glaubt, dass Bürgerwehren die Islamisten vertreiben können.

"Die Islamisten haben zwar Kalaschnikows. Aber ihnen stehen Menschen gegenüber, die ihre Heimat verteidigen", so Diawara im Gespräch mit der DW. Sie hätten zwar keine Waffen, aber wenn sie den Islamisten ein lautes "Nein!" entgegenriefen, dann könnte das etwas bewirken.

Toleranz statt Waffen

Die Sahel-Zone sei eine Region, die von Toleranz geprägt sei, erklärt Diawara. Seit Jahrhunderten trieben die Nordmalier Handel mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion. Gewalt lehnten sie ab. "Im Norden Malis ist das absolut unbekannt. Das ist uns absolut fremd", sagt Diawara. Die Leute dort könnten einfach nicht verstehen, dass einer, der sich Moslem nenne, einem anderen die Hand abhacke.

Der Radiojournalist Abdoul Malick Maïga floh nach der Prügel-Attacke in den Süden. Damit ist er einer von fast 200.000 Menschen, die von den Islamisten aus dem Norden vertrieben wurden. Doch auch wenn es im Norden noch keinen organisierten Widerstand und noch lange keine Sicherheit gibt, will er möglichst bald nach Gao zurückkehren.

Nord-Malier im Flüchtlingslager Sevare (Foto: Reuters)

Vertrieben: Nord-Malier im Flüchtlingslager Sevare

"Unsere Eltern, unsere Verwandten, unsere Häuser, alles ist dort", so Maïga. Gott werde ihn beschützen, sagt er. Der Journalist hofft, dass die Islamisten sich auf Verhandlungen mit der malischen Regierung einlassen - damit er möglichst bald wieder in Frieden seinen Beruf in Gao ausüben kann.

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