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Fußball

Wenig Tempo, wenig Glanz

Sind wir von der Heim-WM 2006 verwöhnt? So richtig will sich das WM-Fieber jedenfalls noch nicht einstellen. Schuld ist vor allem die mangelnde Qualität der Spiele, findet Deutsche-Welle-Sportredakteur Stefan Nestler.

Themenbild Kommentar Grafik: DW

Ein einziges Mal seit Beginn der Weltmeisterschaft in der vergangenen Woche habe ich ein Hupkonzert nach dem Abpfiff vernommen. Das war nach der Auftaktpartie der deutschen Mannschaft, dem nett anzuschauenden 4:0-Erfolg gegen Australien. Ansonsten ist von der freudigen Erwartungshaltung vor der WM wenig übrig geblieben. Teilweise halbleere Stadien sind uns aufgefallen. Das Dauergetröte der Vuvuzelas nervt ungeheuer, aber sicher würden wir es ganz tolerant als lokale Besonderheit verbuchen, risse uns die Qualität der Spiele vor Begeisterung vom Hocker.

Bloß kein Fehlstart

Doch das Niveau der ersten Vorrundenspiele war alles in allem flach: Kaum eine Spur von modernem Tempofußball, wenig technische Kabinettstückchen zum Zunge-Schnalzen. Fast alle Favoriten spielten bieder, langsam und vor allem ängstlich. Ob Niederländer, Engländer, Italiener, Portugiesen oder Brasilianer, allen war deutlich anzumerken, dass es ihnen in erster Linie darum ging, einen Fehlstart ins Turnier zu vermeiden. Europameister Spanien blamierte sich gar mit einer Niederlage gegen die Schweiz. Auch wer gedacht hatte, dass sich wenigstens die afrikanischen Teams, beflügelt von der Begeisterung der einheimischen Fans, in einen Rausch spielen würden, sah sich getäuscht und wurde enttäuscht.

Wer redet noch über Ballack?

Und so blieb es bisher vor allem der deutschen Mannschaft vorbehalten, weltweit einhelliges Lob einzuheimsen - ausgerechnet diesem Team, das im Vorfeld der WM von vielen Experten für zu jung erklärt worden war, zu unerfahren und mit zu wenigen Führungsspielern besetzt. Doch Bundestrainer Joachim Löw hat seine Spieler goldrichtig eingestellt. Wackelkandidaten wie Lukas Podolski oder Miroslav Klose zeigten plötzlich wieder Selbstbewusstsein und trafen das Tor. Die "jungen Wilden" wie Mesut Özil oder Thomas Müller glänzten. Und Kapitän Philipp Lahm und sein Vize Bastian Schweinsteiger führten das Team souverän. Kaum einer redet noch über den Ausfall Michael Ballacks.

Der böse Ball

Australien war ein schwacher Gegner, zugegeben. Doch auch einige andere Favoriten spielten gegen Außenseiter - und das mehr schlecht als recht. Und anschließend beklagten sich die Superstars über den angeblich so unberechenbaren WM-Ball aus deutscher Produktion. Wie armselig! Hoffentlich lässt sich die deutsche Mannschaft nicht von der Lethargie anstecken, sondern bleibt ihrem Konzept treu. Wenn sie weiter so erfrischend und mutig spielt, ist ihr einiges zuzutrauen - selbst wenn die anderen Mannschaften endlich aufwachen sollten.

Autor: Stefan Nestler
Redaktion: Tobias Oelmaier