1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Wenig Substanz: Zum Abschluss des G8-Gipfels in Toyako

Drei Tage lang wurden auf dem G8-Gipfel die Probleme der Welt diskutiert. Doch was bringt dieser 34. Gipfel der Welt wirklich? Wenig, wenig, meint Henrik Böhme in seinem Kommentar.

Themenbild Kommentar Grafik Symbolbild

Alle Jahre wieder im Sommer treffen sich acht Staats- und Regierungschefs aus Ländern, die reich und wirtschaftlich stark sind. Sie treffen sich an idyllischen Orten, um möglichst ungestört über die Probleme der Welt zu sprechen. Am Ende gibt es immer ein Familienfoto und viele Versprechen, wie man gedenkt, diese Welt zu einem besseren Ort für alle zu machen.

Auch in diesem Sommer war es wieder so. Drei Tage trafen sie sich, die Vertreter der G8, in Toyako auf der nordjapanischen Insel Hokkaido. Die Tagesordnung war so umfangreich wie noch nie in 33 Jahren dieser Gipfel-Geschichte. Auch die Zahl der eingeladenen Gäste ist ein Rekordwert: 22 Mächtige saßen am Ende um den Runden Tisch.

Noch 42 Jahre

Die Rettung des Weltklimas wurde einmal mehr vertagt. Obwohl hier die Länder vertreten waren, die für 80 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sind, gelang wieder nur ein ganz kleiner Schritt. Auf den ersten Blick klang es gut, die Halbierung der Treibhausgas-Emissionen bis 2050 zu verkünden. Aber das sind noch 42 Jahre. Die Lösung dieser Aufgabe wird der nachfolgenden Generation überlassen. Hoffen lässt einzig die Tatsache, dass der G8-Veteran George W. Bush auf seiner Abschiedstournee seinen Widerstand gegen Klimaschutzziele nun endlich aufgeben musste.

Die Stunde der Wahrheit schlägt in 500 Tagen, beim UN-Klimagipfel in Kopenhagen. Dort wird sich zeigen, was die Versprechen von Toyako wert sind. Gut möglich, dass die Welt vor einer großen Enttäuschung steht.

Nagelprobe folgt

Auch an diesen drei Gipfeltagen sind wieder Menschen gestorben, weil sie nichts zu essen hatten oder kein sauberes Trinkwasser. Die akute Nahrungsmittelkrise verschärft die Not. Hier in Asien müssen mehr als eine Million Menschen 60 Prozent ihres Einkommens für Essen ausgeben. Was machen die G8? Sie geben ein paar Milliarden und wollen die landwirtschaftlichen Strukturen, zum Beispiel in Afrika verbessern. Wer aber hat mit seinen subventionierten Produkten die Strukturen dort kaputt gemacht? Die reichen Länder des Nordens. Jetzt versprechen sie großspurig Exporterleichterungen. Auch hier folgt die Nagelprobe in Kürze, wenn es darum geht, die Welthandelsrunde zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Und auch hier gilt: Enttäuschung nicht ausgeschlossen.

Ein Sieg des Tellers?

Der einzig positive Aspekt hier: Die Sache mit dem Biosprit scheint zugunsten des Tellers auszugehen. In den Tank soll künftig nur noch, was man nicht essen kann. Was ist modern an einem Auto, dessen Tankfüllung den Jahresverbrauch eines Menschen an Getreide verschlingt?

Angesichts der vielen Probleme geriet die Hilfe für Afrika zu einem Nebenschauplatz. Immerhin wurden gemachte Versprechen bekräftigt und nicht wie befürchtet aus den Papieren gestrichen. Und es kann ja auch nicht am fehlenden Geld liegen: Um die weltweiten Finanzmärkte vor dem Kollaps zu bewahren, standen innerhalb kürzester Zeit eine Billion US-Dollar bereit. Mit dem Geld, das dieser Gipfel gekostet hat, könnten vier Millionen HIV-Patienten behandelt werden.

Was also bleibt vom Gipfel in der Idylle? Die G8 sind einmal mehr die Antwort schuldig geblieben, wer oder was sie legitimiert. Um die Probleme der Welt zu lösen, sind sie das falsche Forum. Sie werden sich öffnen müssen für Länder wie China und Indien oder ihren sowieso dürftigen Kredit bald verspielt haben.

Die Redaktion empfiehlt