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Wirtschaft

Wenig Schwung und neue Risiken

Die Weltwirtschaft verliert nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) weiter an Fahrt. Die in Washington ansässige UN-Organisation hat am Dienstag ihre Wachstumserwartungen erneut gesenkt.

Olivier Blanchard, Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), ist unzufrieden. Zwar setze sich die Erholung von der globalen Finanzkrise des Jahres 2008 fort, aber diese Erholung sei "schwach und holprig", sagte Blanchard am Dienstag in Washington.

Wieder einmal musste der IWF in seinem globalen Wirtschaftsausblick seine Wachstumsprognosen nach unten korrigieren. So wird die Weltwirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich nur um 3,3 und im nächsten Jahr um 3,8 Prozent wachsen. Das sind 0,1 bzw. 0,2 Prozentpunkte weniger als noch im Juli vorhergesagt.

Russland und Brasilien schwächeln

Im Grunde, so sinniert der Chefvolkswirt des IWF, seien nur die USA und Großbritannien auf dem Weg der vollständigen Genesung, vielleicht auch noch Indien und China - doch ansonsten hapere es in fast allen Regionen dieser Welt mit dem Wirtschaftswachstum.

IWF Chefvolkswirt Olivier Blanchard

IWF Chefvolkswirt Olivier Blanchard ist skeptisch

Bei den Schwellenländern zeigten besonders Russland und Brasilien Schwächen, und in der Eurozone habe es im Frühjahr nahezu einen Stillstand gegeben. Nur bei einigen Entwicklungsländern halte eine bemerkenswert freundliche Entwicklung an - sie könnten in diesem Jahr um 6,1 und im nächsten Jahr sogar um 6,5 Prozent wachsen, trotz sinkender Rohstoffpreise.

Zu wenig Nachfrage

Vor allem in den Volkswirtschaften der entwickelten Länder werde trotz niedriger Zinsen zu wenig investiert und zu wenig für die Nachfrage getan, sagte Blanchard. Zudem gebe es in zahlreichen Nationen einen großen Bedarf an Strukturreformen. Auch für Deutschland sieht der IWF nun schlechtere Aussichten als bisher: Das Wachstum werde dieses Jahr lediglich 1,4 Prozent betragen - 0,5 Prozentpunkte weniger als noch im Juli vorhergesagt.

Die IWF-Experten empfehlen für Deutschland öffentliche Investitionen in die Infrastruktur, selbst wenn das über neue Schulden finanziert werden müsste. Es sei zwar eine Art Paradox der Volkswirtschaftslehre, wenn man verschuldeten Staaten rate, noch mehr Schulden zu machen. Aber wenn man diese Schulden aufnehme, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, sei dies ein probates ökonomisches Prinzip, sagte Blanchard.

Deutschland zum Beispiel habe seinen Staatshaushalt saniert und könne sich solche Infrastrukturinvestitionen leisten, ohne die Defizitvorschriften des europäischen Stabilitätspakts zu verletzen. In Europa bestehe zudem die Gefahr, dass die Erholung zum Stillstand komme, die Nachfrage weiter einbreche und die niedrige Inflation in eine Deflation umschlage. "Das ist zwar nicht unsere Grundannahme", so Olivier Blanchard, "aber wenn es doch so kommt, ist das eine große Gefahr für die Weltwirtschaft."

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